Montag, 1. April 2019

The Blessing of our Cross - Metropolitan Athanasios of Limassol

 


In the Orthodox Church, pain and all kinds of suffering are not abolished for the faithful, but rather they acquire a completely new merit, they are transformed. Through our courage, patience, our prayers, and the constant memory of God, this bitter chalice gradually transforms into the sweet chalice of immortality. For this reason, pain no longer becomes a source of fear and horror for the Christian, but a broad field of labor and battle. Let’s take, for example, an athlete that has run in competitions and has won contests: when he receives his reward for the victory, out of joy he forgets all of the hard work put into preparing for the competitions. In the same way an athlete of Christ, foreseeing the glory that shall be revealed (1 Pet. 5:1) and the future reward in the Kingdom of Heaven, forgets the bitterness of suffering and of death itself.
Therefore, we must valiantly bear our run through the course set before us, throughout which we must patiently endure temptations, sorrows and trials, asking for strength and consolation from our Savior, looking unto Jesus the author and finisher of our faith; who for the joy that was set before him endured the cross, despising the shame, and is set down at the right hand of the throne of God (Heb. 12:2).
And if we receive that great gift of God to people—suffering—in the correct way, it will become for us the source of blessings. Whatever we may endure in this current age, none of it can compare with the future reward in the Heavenly Kingdom, as was said by the apostle Paul: The sufferings of this present time are not worthy to be compared with the glory which shall be revealed in us (Rom. 8:18). If someone wants to find an answer in this life to the question of why God allowed a certain circumstance to happen, then his mind will undoubtedly be filled with thousands of “whys?” But if he were to view his ailments as a necessary trial sent to him by God either in order to be cleansed, or to be perfected, or in order to be crowned in the future life, then he would accept the chalice of suffering from the Lord’s hand as a blessing.
This is God’s answer to man. The Lord does not give man the false promise that He will abolish suffering, but promises to transform his pain, and out of a curse create blessing and consolation.
Let no one assume that the saints did not suffer and were not subjected to bodily diseases. The words of St. Isaac the Syrian are proof of the contrary—in one of his homilies he says the following: “Do you see the countless multitudes of the Church’s saints? None of them have ascended up to Heaven living in pleasure, but all of them have ascended up to there by many sorrows,” patiently carrying the cross that God had given them.
Each one of us carries his own cross—all of us, absolutely all of us without exception, no matter who are, whatever status in society we may have, or in whatever part of the world we may be located. But even if the Lord does not send the cross of patiently enduring sicknesses to some, they are still subjected to various sorrows, and upheavals; to carrying the cross of their sins, to fighting with their own inner enemy—the “old self” (Eph. 4:22) that is torturing them.
On this dark, boundless way, only One can light our path—and that One is, of course, our Lord Jesus Christ, crucified on the Cross for the sake of each person; the Light and consolation of people carrying their crosses along after Him. He is the One who in the Holy Gospel addresses all those who are grieving, sick, or suffering: Come unto me, all ye that labour and are heavy laden, and I will give you rest (Mt. 11:28). 

Metropolitan Athanasios of Limassol
Translated by Feodor Nemetz


Fasten heute - Priestermönch Paisios

LOGISMOI: Über Gedankenbilder und deren Bewältigung (Von Benedikt Mönchspriester auf dem Heiligen Berg Athos)



1. Der harte Kampf
Es wurde sehr oft gesagt, dass das Gebet für den Betenden eine dynamische, nützliche und gottgefällige Handlung ist.
Diese Tatsache reizt den Teufel und führt ihn dazu, den Betenden zu widerstehen.
Der Gläubige in seiner Sehnsucht sich mit Gott zu vereinigen, stoßt auf systematisch organisierte dämonische Hindernisse und steht somit vor einem ungeheuren, geplanten Angriff.
Wegen dieses geplanten Angriffs wird das Gebet zu einer sehr anstrengenden Handlung und bedarf vieler Mühe. Deshalb betont einer der Wüstenväter: «Es gibt keine größere Anstrengung als das Gebet zu Gott um bis zum letzten Atemzug beten zu können, muss man kämpfen».
Es ist nicht nur das Gebet, das erschöpft, es ist vielmehr der harte und unerbittliche Widerstand der Dämonen, der das Gebet richtig mühsam macht.
Der Hass der Dämonen also gegenüber denjenigen, die beten, ist eine Tatsache. Der Angriff der Dämonen gegen die betenden Menschen besteht aus zwei Formen: aus einer sichtbaren und einer unsichtbaren; er trifft sowohl Arglose wie auch Abgeklärte. Bei den ersteren erfolgt öfters ein sichtbarer Angriff. Durch Lärm oder Gegenstände verursachen die Dämonen Unruhe, um die Aufmerksamkeit abzulenken. Beide aber, Arglose wie Abgeklärte, werden hauptsächlich durch die Logismoi angegriffen.
***
Einen harten Kampf also unternimmt derjenige, der gegen die Logismoi kämpft, weil sie das größte Hindernis für die geistige Bildung und Vollkommenheit des Menschen sind. Und diese Vollkommenheit kann nicht anders erreicht werden, als nur durch die ständige Anrufung des Namens unseres Herrn Jesus Christus.
Und muss die Anrufung zwar häufig sein, weil, wie der heilige Gregor der Theologe betont, "es ist, Gott zu gedenken, als zu atmen".
Es gibt jedoch diesen inneren Krieg. Kein anderer Krieg ist grausamer, als ein absurder Logismos, der sich in unsere Seele eingenistet hat. Alles, was aus unserem Inneren kommt, ist viel schwerwiegender, als alles andere, was uns vom außen angreift. Der Wurm, der im Holz geboren wird, frisst es von innen her auf. Die Krankheiten, die aus unserem Inneren auftauchen, sind heimtückisch und bewirken ein größere Zerstörung, als die durch äußere Einwirkungen. Nicht Feinde von außen haben viele mächtige Staaten zerstört, sondern die inneren Feinde.
So kann auch die Seele nicht so sehr durch äußere Einwirkungen verdorben werden, wie durch Leiden, die tief in uns drinnen wachsen, nämlich durch unsittliche und gotteslästerliche Gedanken (Logismoi)

2. Die Logismoi und ihre Herkunft

Was sind die Logismoi und wo kom­men sie her?
Reden wir über Logismoi, so meinen wir nicht nur die Gedanken, sondern auch die Bilder und Vorstellungen, mit denen die entsprechenden Gedanken eng verbunden sind. Die
Bilder also, zusammen mit den zugehörigen Gedanken werden Logismoi genannt.
Erste und wichtigste Ursache der Logismoi ist die Erbsünde. Bis davor war der menschliche Geist «ungeteilt» , d.h. war nur auf Gott gerichtet und wurde durch nichts abgelenkt. Seit dem Eintritt der Erbsünde begann der Logismos des Streites, der Zwietracht zu wirken, gefolgt von allen anderen Logismoi.
Zweite Ursache, die die Logismoi bewirkt, sind die Sinnesorgane, wenn diese nicht vom Verstand, von ihrem Führer gelenkt werden, besonders das Hören und das Sehen. Vor allem heutzutage, nehmen die Sinne auf Grund des Fortschritts viel mehr Reize wahr als je zuvor. Auch deswegen ist der Kampf gegen die Logismoi intensiver geworden.
Dritte Ursache sind die Leiden­schaften, die dem Menschen innewohnen. Diese «nehmen die Dämonen als Anlass , wecken in uns bösartige Logismoi».
Vierte und grundlegende Ursache sind die Dämonen selbst. Der heilige Gregor vom Sinai betont ausdrücklich: «Die Logismoi sind Gerede der Dämonen und Vorläufer der Leidenschaften».
Der heilige Isaak der Syrer hebt hervor, dass die Logismoi nicht nur durch «den in uns von Natur aus vorhandenen Willen» sondern auch durch die Neigungen, durch die Sehnsucht und die Begierden der Seele hervor­gebracht werden.
Letztere sind besonders intensiv bei den Mönchen, die deswegen öfters sehr hart während des Überfalls solcher Logismoi kämpfen müssen. Der heilige Maximus der Bekenner betont, dass dieser Kampf viel schwerer ist als der sinnlich wahrnehmbare Krieg.
Listige [boshafte] Logismoi können auch von der Leibeskonstitution, von den alltäglichen Essgewohnheiten sowie von den Körperbewegungen ausgehen.
In all diesen Gründet haben die unsittlichen Logismoi ihrer Quelle, ihren Ursprung.

3. Der Weg in die Welt der Sünde
Die Sünde kann von außen gesehen, als ein gewöhnliches Ereignis, wie z.B. ein Verkehrsunfall oder ähnliches, erscheinen. Bis zum Eintritt dieses Ereignisses sind eine Reihe untereinander verketteter Ereignisse vorausgegangen. Für das Geschehen eines Mordes, zum Beispiel, sind im menschlichen Verstand tausende von Gedanken und Planungen vorausgegangen. Der men­schliche Geist ist bis zur Durchführung des Mordes ein richtiges Hauptquartier des terroristischen Logismos geworden.
So ähnlich ist es auch beim Zustan­dekommen jeglicher anderer Sünde. Im Labor, das man menschlicher Geist nennt, sind ausführliche Studien und Planungen vorangegangen, ohne dass es jemand bemerkt hat!
Und der Anfang war ein einfacher, gewöhnlicher Logismos…
Begeben wir uns nur weiter auf den Weg ins Land der Sünde nach der Attacke eines einfachen Logismos.
Dass ein Gedanke oder ein Bild in unserem Geist einfach auftritt, dafür sind wir nicht verantwortlich. Es ist dann auch nicht schwer, sie abzuwehren. Von dem Moment allerdings, wo wir die Tür diesem Gedanke öffnen und anfangen mit ihm zu diskutieren und darüber nachzudenken, nimmt in uns der Logismos Platz und wird zum herrschenden Logismos.
Der Logismos ist, im Grunde genommen, der Anlauf in die Sünde.
Beobachten wir diesen Verlauf für eine Weile, der für uns ähnlich vonstatten geht wie die Entwicklung und der Verlauf einer Krankheit im menschlichen Körper. Im menschlichen Organismus gehen ver­schiedene Wechselwirkungen bis zum Ausbruch der Krankheit und der Einweisung in ein Krankenhaus voran; so ähnlich ist es, bis es zur Vollendung der Sünde kommt. Ein großer Kampf, eine Unmenge von Wechselwirkungen sind vorausgegangen, in jenem Labor, das menschlicher Geist genannt wird. Und ähnlich   wie bei der Geburt eines Kindes haben eine ganze Reihe von Ereignissen, von der Empfängnis über die monatelange Schwangerschaft [bis zur Geburt] stattgefunden, so geht auch der Sünde ein komplizierter Mechanismus voraus: die Empfängnis der Logismoi, die Schwangerschaft mit der Sünde und ihre Geburt .
Der heilige Nikodemos vom Heiligen Berg Athos ist der Ansicht, dass der Logi­smos der Anfang, das Zentrum, die Wurzel ist, wo der Stamm, die Zweige, also der gan­ze Baum der Sünde seinen Ursprung hat.
Das Übel beginnt mit dem ersten Logismos und weitet sich dann aus. Wenn man einen Stein in einen Brunnen wirft, bewirkt die Welle am Anfang einen kleinen Kreis, dieser kleine Kreis schafft einen größeren, dieser einen noch größeren bis die Welle sich an der Brunnenwand bricht.
So ist es auch bei der Sünde. Vor ihrer Vollendung gehen aufeinanderfolgend diver­se Mechanismen und Vorgänge voraus.

4. Die Stadien der Sünde
So können wir drei Stadien auf dem Weg ins Land der Sünde unterscheiden:
a) die Anfechtung, b) die Einwilligung und c) die Gefangenschaft.
Wie kommt dieser Mecha­nismus in Gang? Er läuft wie folgt ab: Irgend ein boshafter Logismos (Eitelkeit, Geldgier, Verur­teilung u.s.w.) dringt in den menschlichen Verstand ein.
Die Versuchung arbeitet mit der Phantasie. Präsentiert wird ein Szenario wie es verlockender nicht möglich ist. So wird die Anfechtung [das Angebot] attraktiver und stärker.
Bis zu diesem Zeitpunkt trägt der Mensch keine Verantwortung. Das ist das erste Stadium, die Anfechtung, ein Überfall des Feindes oder, einfacher ausgedrückt, das Klopfen an der Tür. Diese Situation ist naturbedingt. Es ist unmöglich, dass ein Mensch existiert, der von den Logismoi nicht angefochten wird. Der heilige Efraim der Syrer sagt, dass wie im Garten natür­licherweise neben dem Kraut auch das Unkraut wächst oder wie die Inseln rund­herum von Wellen geschlagen werden, so kommt auch der Mensch unausweichlich in Kontakt mit der Anfechtung der Logismoi.
Ab jetzt beginnt das Stadium der Bereitschaft zur Sünde. Anfang des Kampfes ist die Anfechtung. Wenn der Mensch sich von ihr fernhält und mit ihr ohne Neugier umgeht, dannkann er sich retten und wird ohne weiteres von den jämmerlichen Konsequenzen verschont.
Wenn er sich aber, in eine Diskussion mit dem boshaften Logismos einlässt, öffnet er ihm schon die Tür [10], auch wenn dieser gerade zuvor einfach nur angeklopft hat, schließt Freundschaft mit ihm und ist dann reif für die Einwilligung zur Sünde. Die Zustimmung ist das zweite Stadium zur Durchführung der Sünde.
Der Mensch begeht jetzt, mit seinem Selbst als Hauptdarsteller, im innersten und geheimsten seiner Seele die Sünde: er tadelt, lästert Gott, treibt Unzucht, geht fremd, begeht Morde und unzählige Verbrechen und tut in Gedanken alles, was der menschliche Verstand sich vorstellen kann, [oder auch nicht, bzw. sich gar nicht vorstellen will.]
Danach bleibt nichts anders übrig als das dritte Stadium der Sünde, nämlich ihre aktive Verwirklichung durch den Menschen selbst, dessen Verstand zuvor ein Gefangener des Logismos geworden war. Der Mensch kann den Logismos nicht mehr bestimmen, sondern wird von ihm bestimmt. So erreicht der Logismos, anfangs mit einem einfachen Klopfen an der Tür, d.h. mit der Anfechtung durch das Öffnen derselben, die Zustimmung und schließlich siegreich fortschreitend  sein  Ziel,  den  Vollzug  der Sünde.
Das ist der Weg in die Sünde, der mit einem einfachen Logismos seinen Anfang nimmt.

5. Die Leidenschaften Quelle hinterlistiger Logismoi
Bis der Mensch stirbt, solange also die Seele in seinem Körper wohnt, ist es un­möglich, durch Logismoi nicht angegriffen zu werden.
Grundursache der Logismoi ist der Krieg des Teufels. Die meisten Logismoi stammen von ihm. Sein Ziel ist es, den Menschen in die Sünde zu stürzen, sei es in Gedanken oder durch Taten. Der heilige Makarios der Ägypter nennt geistiges Fremdgehen die Zustimmung zu den hin­terlistigen Logismoi. Deshalb sagt er, dass «man die Seele keusch halten soll, weil sie die Braut Christi ist».
Meist ähneln die Logismoi einem reißenden Strom , vor dem der Mensch oft in Panik gerät. Deswegen bekriegen uns die Dämonen zuerst mit den Logismoi und dann mit realen Dingen.
Geben wir nach, dann schieben sie uns ganz langsam in die durch Taten vollbrachte Sünde.
Der heilige Johannes von Damaskus sagt uns, dass die Hauptlogismoi des Bösen acht sind, nämlich: Gefräßigkeit, Unzucht, Geldgier, Zorn, Trauer, Trägheit, Eitelkeit und Hochmut [Übererheblichkeit].
Ein anderer wird uns sagen, dass die grundlegende Leidenschaft des Menschen, wovon sich alle andere Leidenschaften her­leiten, die Eigenliebe ist. Sie ist die übertriebene Liebe und Sorge um uns selbst. Und das ist die Leidenschaft des heutigen Menschen. Aus der Eigenliebe kommen die drei Hauptlogismoi: Gefräßigkeit, Eitelkeit und Übererheblichkeit. Aus diesen drei leiten sich alle anderen Logismoi ab.

6. Einteilung der Logismo

Samstag, 30. März 2019

Gebet und Tugend - Aus den Briefen des hl Makarius (4.Jh n.Chr.)




Nachdem also dargetan ist, welches das Ziel der Frömmigkeit ist, das denen vor Augen schweben muß, die ein gottesfürchtiges Leben führen wollen, das Reinigung der Seele und Einwohnung des Heiligen Geistes mit Antrieb zu guten Werken ist, so soll ein jeder von euch für das vorgeführte Ziel seine Seele vorbereiten, Gott aufs höchste lieben und sich so seinem Willen gemäß dem Gebet und Fasten ergeben, indem ihr dessen gedenket, der zum unablässigen Beten auffordert, und am Gebet und den Verheißungen des Herrn festhaltet, der ja versichert: „Um wieviel mehr wird Gott denen Gerechtigkeit schenken, die Tag und Nacht zu ihm rufen". „Er sagte aber“, heißt es, „auch ein Gleichnis, daß man allezeit beten und nicht nachlassen müsse“. Daß aber der Eifer im Gebete Großes verleiht und der Geist selbst den Seelen innewohnt, das geht deutlich aus den Mahnworten hervor, die der Apostel an uns richtet: „Unter Gebet und Flehen jeglicher Art bittet zu aller Zeit im Geiste und machet euch eben darum Sorge in aller Beharrlichkeit und Flehen“. 

Wer von den Brüdern sich dieser Beschäftigung, der des Gebetes meine ich, widmet, beschäftigt sich mit einem herrlichen Schatz, der ein reizender, überaus großer Besitz ist, wenn er es nur mit festem, richtigem Gewissen tut, nie freiwillige Zerstreuungen in seinem Geiste zulässt und es nicht wie eine unfreiwillige Sache aus Zwang verrichtet, sondern die Liebe und Sehnsucht der Seele vollkommen macht und allen die guten Früchte der Beharrlichkeit zeigt. Es müssen aber auch die übrigen einem solchen Zeit lassen und sich mitfreuen über seine Ausdauer im Gebete, damit auch sie an den guten Früchten teil haben, da sie ja eben durch Mitfreude Genossen eines solchen Lebens werden. Es wird aber auch der Herr selbst den Bittenden ein Gebet verleihen, wie es sein soll, nach dem Spruche: „Dem Betenden verleiht er Gebet“
Man muß also bitten und wissen: Je stärker einer im Gebete, in dem so wichtigen Geschäfte, beharrt, mit desto mehr Eifer und größerer Kraft hält er den Kampf aus. Denn die großen Kämpfe fordern auch große Mühen, da die Bosheit vorzüglich solchen (die große Kämpfe zu bestehen haben) von allen Seiten auflauert; sie kümmert sich um Dinge, die sie nichts angehen, wandert herum und sucht den Eifer zu zerstören. Daher kommen Schlaf und Leibesbeschwerde und Seelenschwäche, Trägheit, Nachlässigkeit, Kleinmut sowie die übrigen Leiden und Wirkungen der Bosheit, derentwegen die Seele zugrunde geht, da sie sich teils gewaltsam hinreissen läßt, teils freiwillig zu ihrem Feinde übergeht. Darum muß der Mensch wie ein kluger Steuermann seine Gedanken auf das Gebet richten, darf seinen Sinn nicht vom bösen Geiste beunruhigen, sich von seinen Wogen nicht umherwerfen lassen, sondern muß gerade auf den oberen (himmlischen) Hafen schauen und seine Seele unbefleckt Gott zurückgeben, Der sie ihm anvertraut hat und wieder von ihm fordert. Denn nicht das Niederfallen aufs Knie und das Ausgestrecktsein nach Art derer, die beim Gebete liegen, ist der Schrift nach gut und gottgefällig, falls der Geist fern von Gott schweift, sondern das (gilt als sittlich gut und wohlgefällig), daß man alle leichtsinnigen Gedanken und alle ungerechte Gesinnung entfernt und mit dem Leibe auch die ganze Seele dem Gebete hingibt.

Die Früchte des Gebetes aber sind Einfalt (Einachheit im Herzen mit Gottvertrauen), Liebe, Demut, Stärke, Keuschheit und solches, was vor den ewigen Früchten die Mühe des gebetseifrigen Menschen schon hier im Leben hervorbringt. Mit diesen Früchten schmückt sich das Gebet; entbehrt es aber dieser, dann ist die Mühe vergebens. (...) Ist aber jemand dieser (Früchte) beraubt, so bleibt ihm nur mehr ein leerer Name und er gleicht den törichten Jungfrauen, die zur Zeit des Bedarfs kein Öl im Brautgemach zur Hand hatten
Sie hatten nämlich in ihren Seelen nicht das Licht, die Frucht der Tugend, und nicht die Leuchte des Geistes in ihrem Verstand. Darum nennt auch die Schrift sie mit Recht töricht, weil ihre Tugend fort war, ehe der Bräutigam kam, und deshalb hat er die Unglücklichen vom oberen (himmlischen) Brautgemach ausgeschlossen. Denn er rechnete ihnen den Eifer in der Jungfräulichkeit nicht an, weil die Kraft des Geistes fehlte. Und ganz mit Recht. Denn was nützt ein sorgsam gepflegter Weinstock, wenn keine Früchte da sind, derentwegen der Weingärtner die Mühe auf sich nimmt? Welchen Gewinn bringt Fasten, Beten und Wachen, wenn Friede und Liebe und die übrigen Früchte der Geistesgnade fehlen, die der heilige Apostel aufzählt? Denn wer seine himmlische Heimat liebt, nimmt um dieser willen, durch die der Geist angezogen wird, jede Mühe auf sich. Er erhält Anteil an der heiligen Gnade von dort, trägt Früchte und zieht mit Freude Nutzen von dem Ackerbau, den die Gnade des Heiligen Geistes in ihrer Demut und in ihrem Arbeitseifer besorgt hat. Man muß also die Mühen des Gebetes und des Fastens und der übrigen Werke mit großer Freude und guter Hoffnung auf sich nehmen, die Blüten der Mühen aber und die Früchte für Wirkungen des Heiligen Geistes ansehen. Denn wollte jemand diese sich selbst zurechnen und das Ganze seinen Mühen zuschreiben, so würden einem solchen statt jener reinen Früchte Anmaßung und ein gewisser Hochmut wachsen. Diese Leidenschaften verderben und vernichten wie eine Fäulnis, die in den Seelen der Leichtfertigen entsteht, die Mühen.


Aus: Brief des hl Makarius, BKV

The relice of Saint Herman of Alaska

Freitag, 29. März 2019

Schema-Archimandrit Gabriel Bunge

Heiliger Johannes Klimakos - Über Sanftmut und Einfachheit

 

Über die Tugend der Sanftmut, der Einfachheit und der Güte, die nach weiser Besinnung erworbenen und nicht von Natur aus gegebenen (Auszüge)


1.Dem Sonnenaufgang geht das Morgenlicht voraus wie der Demut die Sanftmut. Doch auch das Licht selbst, Christus nämlich, führt diese (Tugenden) in derselben Reihenfolge an: „Lernt von mir“, so sprach Er, „denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29). Es entspricht der Natur der Dinge, uns vor dem Erscheinen der Sonne vom Morgenlicht erleuchten zu lassen, um uns daraufhin reichlich am Anblick der Sonne zu laben. Denn wahrlich unmöglich ist es, wie uns auch von der Natur aufgezeigt wird, dass einer die Sonne erblickt, das heißt die Demut, bevor er das Morgenlicht, das heißt die Sanftmut, erfahren hat.

2.Die Sanftmut ist ein beständiger Zustand des Geistes, der sich durch Lob oder Verschmähung nicht wandelt. Sanftmut bedeutet, für den Nächsten aufrichtig zu beten, ohne die Zerstreuungen, die dadurch entstehen, als Störung zu empfinden. Die Sanftmut ist wie ein Felsen über dem schäumenden Meer, der unerschütterlich alle Wellen bricht, die auf ihm aufschlagen.

6.Die Einfachheit ist eine Gewohnheit und Seelengesinnung. Ihr Geist ist kein herumwandernder und neigt nicht zu bösen Gedanken. Die Güte hingegen ist ein seelischer Zustand, der (den Menschen) mit geistiger Süße und Freude erfüllt, und vollkommen frei von bösen Gedanken und Argwohn ist.

7.Wichtigstes Merkmal des Kindesalters ist die Einfachheit. Solange Adam diese besaß, sah er weder seine seelische noch seine körperliche Blöße.

19.Die Hinterlistigkeit ist eine Wissenschaft, oder besser gesagt eine Schandtat der Dämonen, der es an Wahrheit fehlt, was sie zu verbergen versucht, um viele hinters Licht zu führen.

20.Heuchelei ist der Zustand, in dem der Leib, das heißt die äußeren Bekundungen, zu der Seele im Gegensatz stehen. Dieser Zustand ist verflochten mit bösen Gedanken aller Art und Lügenwerken.

23.Ein Fall hat schon oft die Bösen und Hinterlistigen ohne eigenen Vorsatz zur Besinnung gebracht und Gutmütigkeit und Erlösung geschenkt.

24.Bemühe dich darum, deine Vernunft und dein Urteil als verblendet anzusehen, um Erlösung und Aufrichtigkeit in unserem Herrn Jesus Christus zu finden. Amen.


Übersetzung aus dem Griechischen: Alexia Ghika-Kyriazi
Heiliger Johannes Klimakos - Die Himmelsleiter (Klimax)

Donnerstag, 28. März 2019

St John of the Ladder

To Western eyes, the monk, increasingly, is a figure of yesterday, and the commonest images of him are of the kind to make easy the patronizing smile, the confidently dismissive gesture, or that special tolerance extended to the dotty and the eccentric. Around Friar Tuck, with his cheerful obesity, and Brother Francis, harming no-one as he talks to birds and animals, vaguer ghosts manage to cluster, gaunt, cowled, faintly sinister, eyes averted or looking heaven-wards, a skull clutched in a wasted hand, with gloom arising, and laughter dead.

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Somewhere in the background there are bells and hymns, and psalms chanted well after midnight; and, as if to confirm that these are only the leftovers of a past surely and mercifully gone, there is the dumb presence of all those European monasteries visited for ten scheduled minutes during a guided tour, or else sought out on warmer evenings by courting couples.
But for Christians, that is, for someone who believes that there is a God, that God has manifested Himself in historical surroundings in the person of Christ, and that insights and obligations are thereby held up to everybody, the monk cannot easily be shrugged off…
       A linguistic usage, so long employed by Christians that it has the look of being quite simply “natural” surrounds the individual monk with a wall of venerable words, a wall more solid and endurable than any that may set the boundaries of the area where he actually lives. For the talk is of  “withdrawal” from “the world”, of “renunciation”, of a “monastic life” in contrast with the way other people happen to live, of being “apart from”, “away from” the rest of mankind, of pursuing a “dedicated” and “consecrated” path. And this language, with its emphasis on the difference between the monk and all others, very quickly begins to generate something more than a set of descriptions. It begins to imply a value system, a yardstick of achievement and worth until at last, and not surprisingly, there grows the irresistible urge to speak of a “higher”, “fuller”, and “more perfect” way of life…
       Given those circumstances, it is reasonable to wonder how a Christian may now cope with the vast literature to which he is heir. It is also reasonable to anticipate that he will approach it with something less than automatic deference. And amid all the competing voices, his capacity to deploy a commitment and a sustained interest may well diminish as he strives to assemble for himself and for his friends criteria of evaluation that make some kind of accepted sense. How, for instance, is he to approach a work like The Ladder of Divine Ascent by John Climacus?
       The setting at least can be readily established. The Ladder is a product of that great surge of monasticism which appeared first in Egypt during the third century, spread rapidly through all of Christendom, and eventually reached the West by way of the mediating zeal of figures such as John Casssian. The general history of this most influential development in the life of the early Church is well known, even if details and certain interpretations continue to preoccupy scholars, and there is no need to attempt here a sketch of what has been so well described by others…
       That many of the first monks had glimpsed a connection between the experience of hardship and an enhanced spirituality is evident in the writings of the early Church. And in the neighborhood of that perceived connection were other sources of the resolve to enter on a monastic life. There was, for instance, the belief that, given the right conditions and preparation, a man may even in this life work his passage upward into the actual presence of God; and there, if God so chooses, he can receive a direct and intimate knowledge of the Divine Being. Such knowledge is not the automatic or the guaranteed conclusion of a process.
It is not like the logical outcome of a faultlessly constructed argument. There is no assurance that a man will come to it at the end of a long journey. But to many it was a prize and a prospect so glittering that all else looked puny by comparison; and, besides, there were tales told of some who, so it seemed, had actually been granted that supreme gift of a rendezvous…
       There is now in the consciousness of the West a terminology and set of value judgments centered on the person. From the era of the Renaissance and the Reformation up to the present time, there has been a steady progress in the insistence on the reality and the inherent worth of the individual. Some philosophers, of course, would argue that man the word-spinner has in this merely demonstrated once again his capacity to sublimate reality and has only succeeded in hiding from himself that he is no more – and no less- than a very complex organism.
But this is not a widely shared view. Instead, there is much talk of human rights, of one man’s being as good as another, of the right of the poor to share in the goods of the world, of one-man-one-vote. What all this has done to a belief in God is a theme of major import. However, on a more restricted plane, a difficulty for anyone today reading The Ladder of Divine Ascent or similar texts is that in these a somewhat different view of the person is at work. If modern Christianity has invested heavily in the notion of the value of the individual person, it has been at the cost of a seeming incompatibility with much that was felt and believed in the early Church.