Posts mit dem Label Orthodoxe Kirche werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Orthodoxe Kirche werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 29. August 2024

Wie und weshalb mache ich das Kreuzzeichen - heiliger Kosmas der Aitolier

 


„Ihr habt gehört, meine Christen, wie das Kreuz gemacht werden sollte und was es bedeutet. Das Heilige Evangelium sagt uns, dass die Heilige Dreifaltigkeit, Gott, im Himmel mehr verherrlicht wird als die Engel. Was solltest du tun? Du verbindest deine drei Finger mit deiner rechten Hand und da du nicht in den Himmel steigen kannst, um Gott anzubeten, legst du deine Hand an deinen Kopf, weil dein Kopf rund ist und das Himmelszelt symbolisiert, und du sagst mit deinem Mund:

So wie ihr Engel die Heilige Dreifaltigkeit im Himmel verherrlichen, so verherrliche und verehre auch ich als unwürdiger Diener die Heilige Dreifaltigkeit. Und so wie diese Finger drei sind – sie sind getrennt, sie sind auch zusammen – so ist es auch die Heilige Dreifaltigkeit, Gott, drei Personen und doch EIN Gott.

Du senkst nun deine Hand von deinem Kopf, legst sie auf deinen Bauch und sagst: Ich bete dich an und verehre dich, mein Herr, dass du im Schoß der Jungfrau unsere Sünden angenommen und Gottmensch geworden bist. Du legst sie wieder auf deine rechte Schulter und sagst: Bitte, mein Gott, vergib mir und stelle mich auf die rechte Seite der Gerechten. Du legst sie wieder auf die linke Schulter und sagst: Bitte, mein Herr, stelle mich nicht auf die linke Seite der Sünder.

Dann beuge dich zur Erde:

Ich preise dich, mein Gott, ich werfe mich nieder vor Dir und bete Dich an, da Du ins Grab gelegt wurdest, wie auch ich gelegt werde.

Und wenn du wieder aufrecht stehst, bekennst du die Auferstehung und sagst: Ich preise Dich, mein Herr, ich werfe mich vor Dir nieder und bete Dich an, dass Du von den Toten auferstanden bist, um uns ewiges Leben zu schenken. Das ist es, was das Heilige Kreuz bedeutet.“


(Heiliger Kosmas der Aitolier † 24. August)

Donnerstag, 20. Juni 2024

 HEILIGER EUMENIOS DER JÜNGERE (SARIDAKIS)



LAMBROS K. SKONZOU 


Theologe – Professor


Ein immerwährendes Wunder unserer Kirche ist die Hervorbringung von Heiligen, denn dies ist letztlich auch ihre Aufgabe, Sünder in Heilige zu verwandeln. In ihrer zweitausendjährigen Geschichte gibt es keine Epoche, in der sie keine Heiligen hervorgebracht hätte. Ein besonderes Wunder ist das Erscheinen einer Vielzahl von Heiligen selbst in unserer Zeit, in der das Böse im Überfluss vorhanden ist, die Sünde zugenommen hat und die Welt sich in einem beispiellosen moralischen und spirituellen Niedergang befindet. Aber „wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade überströmend geworden“ (Röm 5,20), so Apostel Paulus. Im turbulenten 20. Jahrhundert ist eine Vielzahl von Heiligen entstanden, darunter der heilige Eumenios der Jüngere (Saridakis), ein wahrhaft seliger und geheiligter Mensch, der kürzlich kanonisiert wurde.


Der geheiligte Altvater wurde am Neujahrstag 1931 im Dorf Ethia Monofatsiou in der Präfektur Heraklion auf Kreta geboren. Er stammte aus einer großen und armen Familie. Seine Eltern waren einfache und arme, aber gläubige Menschen. Der Name seines Vaters war Georgios und der Name seiner Mutter war Sophia, und er war das achte Kind in der Familie und sein Taufname war Konstantinos.


Seine Kindheit war sehr schwierig, er erlebte Armut und Waisenschaft. Als er zwei Jahre alt war, erkrankte sein Vater und starb. Er hinterließ eine Witwe und acht verwaiste und schutzlose Kinder, die in unbeschreiblicher Armut aufwuchsen. Dieser heldenhaften und treuen Frau gelang es mit ihrem Glauben an die Vorsehung Gottes, ihren Gebeten an die Gottesmutter und ihrem übermenschlichen Kampf, das Überleben ihrer Familie zu sichern, ihre Kinder großzuziehen, ihnen gleichzeitig Frömmigkeit zu vermitteln und einen tiefen Glauben an Gott in ihnen zu verwurzeln.

Schon als kleines Kind zeigte Konstantin seine besonderen Gnadengaben, unerschütterlichen Glauben an Gott und Respekt vor seiner geliebten Mutter. Er besuchte häufig die Dorfkirche, half dem Priester, betete inbrünstig und ehrfürchtig und hielt, ohne zu klagen, wie ein Erwachsener alle Fastenzeiten des Jahres ein. Er zeigte eine besondere spirituelle Reife und gleichzeitig eine paradoxe und herzliche Liebe zum Mönchtum. Als Jüngling in der Reifezeit äußerte er dann den Wunsch, ein Mönchsleben zu führen. Einmal enthüllte er später: „Ich selbst trat mit siebzehn Jahren ins Kloster ein. Ich lebte sechzehn Jahre lang in meinem Dorf. Ich liebte Gott, natürlich, und dachte oft darüber nach, Mönch zu werden. Eines Tages sagte der Priester zu mir: „Komm, ich mache aus dir einen Neokoros (Tempelwärter).“ Ich stimmte zu. Morgens und abends zündete ich die Ölkerzen an, außerdem las ich bereits viel, ich las alle Bücher, die ich finden konnte. Am Neujahrstag 1944 ging ich nachmittags hin, zündete die Ölkerzen in der Kirche an und ging dann nach Hause. Meine Schwester Eugenia war da. Wir aßen Xerotigana, Pfannkuchen und Nudeln. Während wir aßen, sah ich plötzlich ein grelles Licht wie ein Blitz, dass mich blendete und tief in die Tiefen meiner Seele eindrang. Und sofort rief ich Eugenia zu: „Eugenia, ich werde Mönch.“


Im Alter von nur 17 Jahren erfüllte er sich seinen großen Jugendwunsch. Er trat in das Heilige Kloster Agios Nikitas im Süden Kretas ein, wo er als Novize aufgenommen wurde, wobei er übermäßigen Eifer für das engelhafte klösterliche Leben zeigte und sich mit großer Genauigkeit an die Regeln des Klosters hielt. Nach der dreijährigen erfolgreichen Probezeit erhielt er etwa im Alter von zwanzig Jahren die Mönchsweihe und den Namen Sophronios. Mit Erlaubnis des Abtes besuchte er in den Sommermonaten immer wieder den Berg Athos, um das Mönchtum der Agioriten kennenzulernen und spirituelle Menschen zu treffen.


Am 24. Januar 1954 wurde er in den Wehrdienst einberufen. Er diente in Megalo Pefko in Attika und legte mit großem Bedauern vorübergehend seine Mönchskutte ab.


Schon bald zeigte er sein wohlwollendes Wesen und gewann die Sympathie und den Respekt seiner Vorgesetzten und Mitdienenden.

Doch leider erkrankte er während dieser Zeit an der Infektionskrankheit Lepra, der sogenannten Hansen-Krankheit, wie sie wissenschaftlich genannt wird, die damals noch schwer zu heilen war und viele Menschen befiel. Abgesehen von den Schmerzen und dem schrecklichen Juckreiz tötet sie das Gewebe ab und entstellt die Patienten schrecklich. Darüber hinaus ist sie hoch ansteckend. Aus diesem Grund wurde er aus der Armee entlassen und in das Krankenhaus für Infektionskrankheiten von Athen in Agia Varvara Ägaleo, Attika, eingeliefert, wo er zusammen mit den anderen Leprapatienten behandelt und in der Einrichtung verharren musste, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Sophronios ertrug mit bewundernswertem Mut und Gottesglauben seine schmerzhafte Prüfung und zeigte Geduld während der obligatorischen Isolation in der Einrichtung, abgeschnitten von seiner Familie und seinem sozialen Umfeld. Aber seine innigen Gebete und der erfolgreiche Krankenhausaufenthalt hatten ein glückliches Ergebnis: Er wurde vollständig von der Krankheit geheilt, ohne dass sie irgendwelche körperlichen Mängel oder Spuren hinterließ.


Sein Aufenthalt im Lepra-Krankenhaus und sein Kontakt mit menschlichem Leid weckten in ihm den Wunsch, in der Einrichtung zu bleiben und seinen Mitmenschen, die an dieser schrecklichen Krankheit litten, so gut er konnte zu helfen; seine Dienste den kranken Aussätzigen anzubieten, als „seinen Leuten und Freunden“, wie er zu sagen und zu meinen pflegte, da diese unglücklichen Menschen außer der schmerzhaften Krankheit auch soziale Ablehnung erfuhren. Ihre Verwandten ließen sie dort zurück, aus Angst vor einer Übertragung des gefährlichen Virus, aber auch wegen ihrer schrecklichen körperlichen Missbildungen. Dieser Mann Gottes betrachtete seine kranken Mitmenschen als Bilder Gottes, die wir ehren und denen wir dienen müssen. Darüber hinaus fühlte er sich als Zeichen der Dankbarkeit gegenüber Gott für seine eigene Heilung dazu verpflichtet, diesen unglücklichen Menschen zu dienen.

Die Verwaltung der Einrichtung nahm seine Bitte an und gewährte ihm eine kleine Zelle neben der Kapelle des Krankenhauses, die den heiligen Anargyri (die heiligen Geldverächter) geweiht war. Dort lebte er allein, betete, half und tröstete die Patienten.


Als das Leprakrankenhaus von Chios geschlossen wurde, kam Nikephoros Tzanakakis, der spätere Heilige Nikephoros der Aussätzige, blind, fast gelähmt und entstellt, aber voller tiefem Glauben an Gott und seltener Tugenden in das Athener Leprakrankenhaus. Sophronius mochte ihn, schätzte ihn und stellte sich in seinen Dienst. Die beiden Männer verband bald eine seltene brüderliche Freundschaft, und Sophronius ernannte Nikephoros zu seinem geistigen Vater, bis der Zweite einschlief (4. Januar 1964).

1975, im Alter von 44 Jahren, wurde Sophronios auf dem Namen Eumenios zum Presbyter geweiht und zum Priester des Athener Krankenhauses für Infektionskrankheiten ernannt. Sein Eintritt in das Priestertum war für ihn ein besonderes Erlebnis und ein Segen. Als Priester wurde er zum geistlichen Beichtvater der Kranken, aber auch tausender Gläubiger, die ihn, als seine geistliche Reife bekannt wurde, in der Krankenhauskapelle und in seiner bescheidenen Zelle aufsuchten. Im Laufe der Zeit wurde der charismatische Altvater immer bekannter, sowohl im Attikabecken als auch anderswo, und Tausende strömten zu ihm, um zu beichten, tröstende Worte zu hören und geistlichen Nutzen zu ziehen. Sie schätzten besonders seine Demut, seine Freundlichkeit, seine Sanftmut und das aufopferungsvolle Beispiel seines Lebens. So ist die Kapelle der heiligen Anargyri des Krankenhauses zu einem wichtigen Zentrum der Beichte wie auch spiritueller, pastoraler, katechetischer und missionarischer Arbeit in West-Attika geworden.


Der heilige Altvater empfing jeden mit Freundlichkeit und Liebe, redete mit den Menschen stundenlang unermüdlich, belehrte und unterstützte sie. Tausende, Kleriker und Laien, Kranke und Gesunde, fanden in seiner Nähe eine spirituelle Oase, einen festen Zufluchtsort. Er war ein wahrer gütiger Geistlicher, der sie tröstete und von den schweren Bürden des Lebens entlastete.

Und nach den stundenlangen Besuchen betete er in seiner bescheidenen Zelle weiterhin inbrünstig für die Erlösung und Hilfe der Kranken, seiner Besucher und aller Menschen und empfand es als seine grundlegende Verpflichtung, für die gesamte Menschheit und insbesondere für die Leidenden zu beten. Seine Gebete erstreckten sich bis in die frühen Morgenstunden und beschränkten die Ruhe- und Schlafstunden auf ein Minimum.


Gleichzeitig lebte er selbst als Asket, hielt sich strikt an die klösterlichen Regeln, betete unaufhörlich, fastete und unterwarf sich einem strengen asketischen Programm, von dem er nie abwich, er vernachlässigte niemals seinen persönlichen Kampf. Der heilige Porphyrios von Kavsokalyvia, der als Priester in der Poliklinik in Athen diente, sagte über den Altvater Eumenios: „Geht und empfangt den Wunsch des Altvaters Eumenios, denn er ist der verborgene Heilige unserer Tage. Alle zweihundert Jahre findet man jemanden wie den Altvater Eumenios!“

Seine strenge Askese und sein mühsamer spiritueller und physischer Dienst in der Einrichtung zermürbten ihn körperlich. Er erkrankte und wurde für einen langen und schmerzhaften Krankenhausaufenthalt in das Evangelismos-Krankenhaus von Athen eingeliefert. Zwei Jahre lang lag er auf der Station 653 im 6. Stock des Krankenhauses. Er verwandelte sein Leidenszimmer in eine Klosterzelle, in der er trotz seiner schmerzhaften Krankheit und oft im Bett liegend seine monastischen Gebote, die 24-Stunden-Gebete und Gottesdienste, treu ausführte. Das medizinische und pflegerische Personal umarmte ihn mit Liebe und Respekt und erkannte in ihm einen tugendhaften und heiligen Mann. Viele Patienten erfuhren über seine Anwesenheit dort und besuchten ihn, um seinen Segen und seine Unterstützung für ihre eigenen Probleme zu erhalten. Sein Krankenzimmer war zu einem Treffpunkt für viele Menschen geworden, was zu Überfüllungsproblemen auf dieser Station führte. Aber das Krankenhauspersonal war tolerant, da es wusste, dass sich die Begegnung der Patienten mit dem heiligen Altvater positiv auf ihre Behandlung auswirkte.


In den letzten zweiundzwanzig Tagen seines irdischen Lebens begann sich sein Gesundheitszustand zu verschlechtern und alles deutete auf seine baldige Entschlafung hin. Er war ins Koma gefallen und konnte weder sprechen noch sich bewegen. Alle seine lebenswichtigen Organe, einschließlich Nieren, Herz und Leber, funktionierten nicht mehr. Die Ärzte unterzogen ihn einer Dialyse mit künstlicher Niere, doch leider ohne postives Ergebnis, sein Blut wurde alle zwei Stunden verunreinigt und er fiel in ein septisches Koma.


Am 23. Mai 1999, einem Sonntag, entschlief er friedlich, was dem medizinischen und pflegerischen Personal, das den heiligen Patienten überaus zu schätzen gelernt hatte, großen Kummer bereitete. Seine ehrwürdigen Reliquien strahlten ungewöhnlich friedvoll und hell, zum Zeugnis seiner Heiligkeit.


Es wurde in die Kirche der heiligen Anargyri des Krankenhauses für Infektionskrankheiten überführt, wo das Trisagion der Totenmesse gebetet wurde. Die Gläubigen erwiesen ihm die letzte Ehre. Seine Entschlafung wurde unter den Tausenden von Bewohnern von Attika bekannt, die ihn gekannt hatten, und sie eilten in der Nacht des 23. Mai herbei, um seine seligen Reliquien zu verehren, seinen letzten Segen zu empfangen und ihm Lebewohl zu sagen. Sein Körper war warm, hell, weich und geschmeidig und erweckte den Eindruck, als würde er schlafen, und so blieb es bis zum Ende. Es war ein Wunder, ein zusätzlicher Beweis seiner Heiligkeit.

Die Totenmesse hielt der Metropolit von Nicäa, Herr Alexios ab, begleitet von Dutzenden Priestern und mit der Teilnahme Tausender Gläubiger. Er wurde seinem Wunsch entsprechend an seinem Geburtsort, in Ethia, Heraklion, beigesetzt.


Das gläubige Volk Gottes, der Klerus und das Volk, die das kollektive Gedächtnis und den Ausdruck der Gnade des Heiligen Geistes bilden, betrachteten Altvater Eumenius von Anfang an als Heiligen und verehrten ihn in gleicher Weise, als er noch lebte. Der Glaube an seine Heiligkeit hielt auch nach seinem Abschied von dieser eitlen Welt an. Unsere Kirche zögerte nicht, der weit verbreiteten Forderung nach seiner Kanonisierung und Einreihung in den Chor der Heiligen nachzukommen. Daher forderte auch die Heilige Provinzialsynode der Kirche von Kreta nach sorgfältiger Prüfung seines Lebens das Ökumenische Patriarchat auf, ihn in das Hagiologion der Orthodoxen Kirche aufzunehmen.


Die Heilige Synode des Ökumenischen Patriarchats ordnete ihn nach Prüfung der entsprechenden Akte und Feststellung seiner Heiligkeit am vom 14. April 2022 den Heiligen zu und legte fest, dass sein Andenken am 23. Mai eines jeden Jahres gefeiert werden soll, Tag des seligen Entschlafens des Heiligen.

Die Heiligen sind für uns Gläubige unsere Vorbilder, unsere spirituellen Leuchttürme, die lebendigen Ebenbilder Gottes in der Welt. Der neuerschienene heilige Eumenios stellte zweifellos eine helle Fackel in der spirituellen Dunkelheit des geschäftigen und turbulenten Athens dar, er lebte in Heiligkeit und strahlte diese auf diejenigen aus, die das Glück hatten, ihn zu kennen. Mögen uns seine Gebete am Thron der Majestät unseres Gottes ewiglich begleiten!

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Weihnachten: Mythos und Wahrheit


Erzpriester Dr Georgios Metallinos
Univ. Prof. Em, Universität Athen


Mit Seiner Menschwerdung und Geburt hat der Gottmensch Jesus Christus das Ziel der Schöpfung des Menschen vollendet, nämlich das Erscheinen des Gottmenschen in der Geschichte. Es geschieht die Vereinigung des Geschöpfs mit seinem unerschaffenen Schöpfer. Der Zweck der Menschwerdung ist die Vergöttlichung des Menschen. „Gott wird Mensch, damit Adam zum Gott erschaffen wird“ (Troparion von Weihnachten). „Er wurde Mensch, damit wir vergöttlicht werden“(Hl. Athanasius der Große). „Denn Gott wurde Mensch und der Mensch Gott.“ (Hl. Johannes Chrysostomos). In der Logik eines Moralisten ist der Ausdruck „damit wir vergöttlicht werden“, den die Kirchenväter wie der Heilige Athanasius der Große verwenden, ein Skandal. Deshalb spricht man öfters von einer „ethischen Vergöttlichung“. Denn man fürchtet sich davor zu akzeptieren, dass sich das mit der Vergöttlichung „durch die Gnade Gottes“ verwandelt, was der Dreieinige Gott gemäß „seinem Dasein“ tatsächlich ist (nämlich unerschaffen, anfangslos, unsterblich). Daher ist Weihnachten unmittelbar mit der Kreuzigung und der Auferstehung, aber auch mit der Himmelfahrt und mit Pfingsten verbunden. Der Gottmensch Jesus Christus öffnet den Pfad, dem jeder zu erlösende Mensch berufen ist zu folgen, indem er mit Ihm vereint ist. Das Fest der Verkündigung der Jungfrau Maria und Weihnachten führen uns zu Pfingsten, dem Ereignis der Vergöttlichung des Menschen in Christus, mittels des Leibes Christi. Wenn Weihnachten die Geburt Gottes als Mensch ist, ist Pfingsten die Vollendung des Menschen als Gott durch die Gnade Gottes. Durch unsere Taufe nehmen wir Anteil an der Fleischwerdung Christi, an seinem Tod und an seiner Auferstehung, auch wir erleben „unser Weihnachten“, unsere abermalige Schöpfung. Die Heiligen, die die Vereinigung mit Christus erlangen, also die Vergöttlichung, nehmen Anteil an Pfingsten und erreichen dadurch die Vollendung und Vervollständigung des in Christus wiedergeborenen Menschen. Dies bedeutet aus kirchlicher Sicht die Verwirklichung des Menschen, also die Erfüllung des Zweckes seines Daseins.
Auch wenn dieses theologische Wort ermüdend ist, besonders für den zeitgenössischen, theologisch nicht eingeweihten Menschen, drückt es nichts anderes als die Wirklichkeit der Erfahrung unserer Heiligen aus. Allein durch diese Erfahrung ist es möglich, Weihnachten aus kirchlicher Sicht, das heißt auf Christus zentriert, zu begreifen. Im Gegensatz dazu hat das Unvermögen des nicht in Christus wiedergeborenen Menschen, Weihnachten sinngemäß zu deuten, zu manchen Mythen bezüglich des Weihnachtsfestes geführt. Die über das geistige Leben keine Kenntnis besitzenden Menschen erschaffen Mythen über Weihnachten im Rahmen der eigenen Fantasie und Mythenbildung, weil sie Weihnachten nicht leben können und dessen wahrhaftigen Sinn verloren haben. Wie wir noch sehen werden, ist diese Orientierungslosigkeit nicht immer mit der Ablehnung des Mysteriums verbunden, sondern mit dem Unvermögen, das Mysterium zu leben und zu erleben, was unvermeidlich zu dessen falscher Auslegung führt.
Eine erste mythologische Antwort zur Frage über Weihnachten findet man bei den Häretikern, bei einer stochastischen und unangemessenen, d. h. unerfahrenen, theologischen Abhandlung. Der Doketismus, eine der schlimmsten Häresien aller Zeiten, nahm auf der Basis einer Fantasie den Tod des Logos Gottes an. Es wurde also behauptet, dass es sich um eine scheinbare Existenz Gottes in der irdischen Realität handelte. Aus welchem Grund könnte man nun fragen. Die Doketen jedweder Epoche können im Rahmen ihrer begrenzten Logik die Fleischwerdung und die Geburt Gottes als Mensch nicht akzeptieren. Sie erklären sich zu selbstberufenen Verteidigern der Glaubwürdigkeit Gottes und schämen sich, etwas anzunehmen, was Gott selbst für unsere Rettung ausgewählt hat, nämlich den Weg der Mutterschaft. Dass also Jesus Christus als Gottessohn von einer Mutter geboren wurde, selbst wenn diese nicht weniger als eines der allreinsten Geschöpfe der gesamten Menschheitsgeschichte ist, die allheilige Jungfrau. All diese Menschen halten sich oft für „überaus“ Orthodox (gemäß dem Heiligen Gregor von Nazianz). Denn der Doketismus führte zum Monophysitismus, zur Verneinung der menschlichen Natur Jesu Chrisi. Es handelt sich um die Konservativen, die Formalisten, die Skandalisierten. Für all diese sind die Wahrheit, die Realität und die Geschichte ein Skandal. Während andere die Göttlichkeit Christi verneinen, lehnen diese Seine menschliche Natur ab. Aber die Orthodoxie und das Christentum in seiner authentischen Art ist die „historischste Religion“ wie der unvergesslichen Vater Georg Florovsky sagt. Sie lebt in der Realität der göttlichen Energien zu unserer Rettung und zeigt sich im Realismus der Gottesgebärerin: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort!“ (Lk 1,38). „Auch noch Pilatus im Glaubensbekenntnis“ sagt ein serbisches Sprichwort. Denn Pilatus, der willensschwächste Offizier der Geschichte, bestätigt als reale historische Person die geschichtliche Zuverlässigkeit des Evangeliums. Den Doketen zum Trotz ist doch „das Wort Gottes Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben Seine Herrlichkeit gesehen (das unerschaffene Licht Seiner Göttlichkeit)“ (Joh 1,14). „Denn in Ihm allein wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes“ (Kol 2,9), d. h. er ist ganz Gott und ganz Mensch.
Die Fleischwerdung und die Geburt des Gottmenschen ist ein Skandal für die menschliche Weisheit, welche sie sich selbst abschafft und widerlegt, indem sie versucht, das Mysterium Christi als „Torheit“ zu bezeichnen, welche durch den Tod am Kreuz vollendet wird (1 Kor 1,23). Ist es möglich, dass Gott jenen Bereich der Kenosis (Entäußerung) erreicht, dass Er am Kreuz als Gottmensch stirbt? Dies ist der Skandal für die Weisen dieser Welt. Ihrer Ansicht nach opfern die „Götter“ dieser Welt üblicherweise die Menschen für sich selbst und opfern nicht sich für die Menschen. Wie könnten sie also diese göttliche Uneigennützigkeit und Selbstlosigkeit annehmen? „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, […] damit die Welt durch ihn gerettet wird“ (Joh 3,16. 17). Im Rahmen einer „logischen“ oder „naturgemäßen“ theologischen Abhandlung verliert sich das Göttliche in der Person Christi und es bleibt das Menschliche, und auch dieses missverstanden und verfälscht, weil es historisch keinen Menschen Christus gibt, sondern den Gottmenschen. Die Vereinigung Gottes und des Menschen in der Person des Göttlichen Logos ist „unvermischt“, aber auch „ungeteilt“. Die „logischen“ Auslegungen der Person Christi erweisen sich als unvernünftig, weil sie nicht imstande sind, mit der Logik zu begreifen, was über der Logik steht.
Auch das juristische Bewusstsein ist Teil des Skandals um Jesus Christus. Es sucht eine soziale Ursache in der Fleischwerdung und endet ebenfalls in einem Mythos, wenn es sich nicht auf das göttliche Wort verlässt. Die Franken entwickelten mittels des bekannten Scholastikers Anselm (11. Jh.) den Mythosder „Genugtuung dergöttlichenGerechtigkeit.“Der Göttliche Logos nahm Fleisch an, um gekreuzigt und geopfert zu werden und so eine Genugtuung für die Lästerung zu geben, die die menschliche Sünde Gott zugefügt hat. Die vorherrschende mythologische Meinung in der damaligen fränkischen Feudalgesellschaft über Gott zeigt sich darin, dass Er in der fränkisch-deutschen Vorstellung die Position eines über allem stehenden Allherrschers einnimmt. Auch wenn Johannes rief: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab“ (3,16), oder auch Paulus: „Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren“ (Römer 5,8). Vergebens! „Damit er für sich Rache nimmt“ und damit er „Genugtuung fordert“ wird der westliche oder verwestlichte Mensch lernen zu rufen.
Dadurch wurde ein „Christentum“ in einer anderen Gestalt erschaffen, welches sich nicht von der Mythologie unterscheidet und abgrenzt, sondern auf Gott unsere Fantasien und unsere Aberglauben projiziert. Die Rationalisierung und Vergesetzlichung des Mysteriums des Gottmenschen stellt die größte Gefahr für das Christentum in der Geschichte dar.
Das religiöse (formalistische) Bewusstsein erlebt einen „Skandal“ der Menschwerdung, indem es in die Erschaffung des Glaubens flüchtet. Es verlässt den Sinn von Weihnachten zugunsten von Feierlichkeiten und verliert den wahren Zweck, welcher die „Adoption“ (Vergöttlichung) ist: „Damit wir an Kindes statt angenommen würden“ (Gal. 4,5). Sonst handelt es sich um den Skandal des Pharisäertums, auch wenn man es Christentum nennt.
Es sind jedoch die Feinde des „Kindes“, die den Skandal der Macht leben. Der Herodismus! Die Herrschenden, oder besser gesagt diejenige, „die behaupteten, dass sie herrschen“ (Mk 10,42; glauben, dass sie herrschen), wie Herodes, sehen im neugeborenen Jesus Christus eine Konkurrenz und eine Gefahr ihrer Interessen. Deswegenhabensie „demKindnachdemLebengetrachtet“ (Mt 2,20). Sie missverstehen auf diese Weise den wahren Charakter der Herrlichkeit Christi, die „kein Ende hat“. Christus als der König der Schöpfung ist deren einziger wahrhafter Herr, deren Schöpfer und Retter, und nicht die Heroden dieser Welt, die entschlossen morden, um ihre Herrschaft beizubehalten.
Der Heilige Gregor von Nazianz (E.P 36,516) bietet uns die Möglichkeit, einer richtigen Annäherung an Weihnachten, also eine mit dem Heiligen Geist erfüllte: „Denn wir feiern nicht festlich, sondern göttlich; nicht weltlich, sondern himmlisch; nicht unseretwegen sondern wegen des unseren (d. h. wegen Christus). Allerdings wegen unsers Herrn. Nicht wegen der Schwächen, sondern wegen der Heilung; nicht wegen der Schöpfung, sondern wegen der Wiedererschöpfung“.

Quelle und Dank an:  www.metropolisvonaustria.at

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Erstes rumänisch-orthodoxes Kloster in der Schweiz geweiht


 In der Schweiz wurde das erste rumänisch-orthodoxe Kloster eingeweiht. Der Kovent derzeit von vier Nonnen unter der Äbtissin Antonia (Peleanu). Die Weihe des Klosters in dem Ort Les Sciernes d ‘Albeuve im Kanton Fribourg nahm der in Paris residierende rumänisch-orthodoxe Metropolit für West und Südeuropa Iosif (Pop) vor, der mit drei weiteren rumänisch-orthodoxen Bischöfen konzelebrierte. Nach der Weihe wurde die neue Äbtissin Antonia Peleanu offiziell in ihr Amt eingeführt, die sich seit 2013 dem Aufbau des Klosters widmet. Ein rumänisch-orthodoxer Priestermönch fungiert als geistlicher Vater. Die Gottesdienste werden auf rumänisch und französisch gehalten.

Ein Tag der Freude im Herrn für die Schweiz und die gesamte Orthodoxe Kirche.

Dienstag, 3. September 2019

Das Ungeschaffene Licht - Archimandrit Georgios Kapsanis




Gemäß dem großen Erleuchter der Kirche, dem heiligen Gregor Palamas, gibt es drei Arten von Theologien: 
1. Die zuverlässige und mystische der gottschauenden Theologen, die aus persönlicher Erfahrung und Gemeinschaft mit dem Lebendigen Gott sprechen.
 2. Die philosophische Theologie derjenigen, die keine persönliche Erfahrung der Gottesschau haben, doch in Demut die Erfahrungen und Gottesschau der Heiligen akzeptieren und in Übereinstimmung mit denselben theologisieren. Diese Theologie benutzt die beweisführende Methode, das heißt jene, die die theologischen Thesen beweist durch Folgerungen aus der göttli-chen Offenbarung und den schriftlich niedergelegten Erfahrungen der Heiligen.  
3. Die neue Theologie der dreisten Theologen, die die Erfahrungen der Heiligen verwerfen und dialektisch theologisieren entsprechend ihren eigenen philosophischen Grundsätzen. Repräsentant dieser dialektischen Theologie war zur Zeit des heiligen Gregor Palamas der westliche Mönch Barlaam. Der beweisführenden Methode folgten auch die Väter des Heiligen Bergs, die den Hagioritischen Tomosdes Jahres 1340 verfaßten, in welchem sie abschließend festhalten: "Dies haben uns die Heiligen Schriften gelehrt, dies haben wir von unseren Vätern empfangen, dies haben wir aus unserer eigenen kleinen Erfahrung erkannt." (...)

Das Ungeschaffene Licht - Licht der Gottheit
 Den Reichtum der Erfahrung und der Theologie des Ungeschaffenen Lichts verdanken wir den heiligen Mönchen. Deshalb werde ich im Folgenden heilige Mönche zu Wort kommen lassen, solche der alten Zeit und solche neuerer Zeiten, welche den Glauben der Kirche bezüglich des Ungeschaffenen Lichts mit Genauigkeit dargelegt haben. Daraus wird man ersehen können, dass die Erfahrung des Ungeschaffenen Lichts im Bereich des orthodoxen Mönchtums gelebt wird und dass die diesbezügliche Theologie hier formuliert worden ist. Gott ist Licht, wie der heilige Johannes der Theologe sagt: "Und dies ist die Botschaft, die wir gehört haben von Ihm und euch verkünden, dass Gott Licht ist, und keinerlei Finsternis ist in Ihm" (1 Joh 1,5). In seinem Kommentar zu diesem Passus schreibt der heilige Nikodemos vom Hl. Berg: "Licht mithin ist Gott, das wahre Licht, und im Vergleich zu Seinem Glanz sind die Sonne und alle anderen geschaffenen Lichter bloß Pseudo-Lichter. Gott ist Licht, schreibt auch Dionysios derAreopagit, und Er erfüllt mit noetischem Licht jeden überhimmlischen Geist.4Er vertreibt jede Unwissenheit und Verblendung aus den Seelen jener, die Er mit Seinen Strahlen erleuchtet, und schenkt ihnen heiliges Licht.5Geistiges Licht ist Gott, sagen Theophylaktos und Oekumenios, denn Er wendet die Augen der Seele zu Sich hin und die Augen des Geistes weg von allem Materiellen. Er zieht das Verlangen und Begehren des Menschen auf Sich Selbst, sodass dieserfortan nur noch Gott liebt mit glühender Sehnsucht." (...)
 
An anderer Stelle präzisiert der heilige Nikodemos: "Es sei darauf hingewiesen, dass die Jünger auf dem Berg das Ungeschaffene Licht der Göttlichkeit des Herrn nicht nur mit dem Geist sahen, der das Auge der Seele ist, sondern auch mit den sinnlichen Augen des Leibes. Doch wie sahen sie es? Indem sie innerhalb der Grenzen ihrer natürlichen Kraft verblieben? Gewiß nicht, sondern indem die verändert wurden zum Höheren und Göttlicheren und Kraft empfingen von der Kraft jenes Lichts. Denn geschaffene und sinnliche Augen sind unfähig, das die Sinne und das Denken übersteigende Licht zu fassen. Gestärkt mithin und gekräftigt durch jenes Licht und über die Grenzen ihrer eigenen Natur hinausgehoben, vermochten die sinnlichen Augen der Apostel jenes übernatürliche und ungeschaffene und vom göttlichen Wesen ungetrennte Licht zu sehen, gemäß der gemeinsamen Ansicht der heiligen Theologen." 19 Bekanntlich betonen sowohl die heiligen Hymnen unserer Kirche als auch die heiligen Väter, dass das auf dem Thabor aufstrahlende Licht nicht das Wesen Gottes ist, noch auch ein geschaffenes Licht oder irgendeine Lichterscheinung, sondern das Ungeschaffene Licht Gottes -ungeschaffene, göttliche und vergöttlichende Energie.(...)


 2. Die Auswirkungen der Erleuchtung durch das göttliche Licht 

Der vom ungeschaffenen göttlichen Licht erleuchtete Mensch empfängt viele göttliche und übernatürliche Gaben. Die Auswirkungen der Erleuchtung durch dieses Licht sind nicht bloß ethischer, sondern in erster Linie ontologischer Natur. Die Gegenwart des ttlichen Lichts ist die Quelle von geistigen Gnadengaben, die über der Natur sind. Das Ungeschaffene Licht wird von den heiligen Vätern als enhypostatisches Lichtcharakterisiert, denn es ist nicht ein Licht, das kommt und geht wie die geistigen Einsichten, sondern es bleibt und erleuchtet die Seele ununterbrochen. Der heilige Makarios der Ägypter sagt hierüber: "Dieses Strahlen des Heiligen Geistes ist nichtbloß wie eineOffenbarung von Einsichten, eine Erleuchtung durch die Gnade, wie schon gesagt, sondern einbeständiges u nd unaufhörliches Strahlen des hypostatischen Lichts in den Seelen." (...)


Im göttlichen Licht, schreibt Altvater Sophronios, wobei er dem heiligen Gregor Palamas und den anderen Vätern folgt, wird der Mensch irgendwie anfanglos: "Als anfanglose Energie Gottes kommt dieses Licht in uns durch Seine Kraft, und so werden wir anfanglos, nicht unserer Natur nach, gewiß, doch der Gnade nach, denn das Leben ohne Anfang wird uns wirklich mitgeteilt." Der heilige Gregor Palamas sagt: "Im künftigen Äon werden alle Gerechten einander erkennen im selben Ungeschaffenen Licht der Gottheit, selbst wenn sie sich im Leibe nie begegnet sind."


 Quelle: www.prodromos-verlag.de

Theologie wie Astronomie - Auszug von Vt. I. Romanides


Zunächst muss erneut betont werden, dass die Tradition der Kirche die Erfahrung der gottschauenden Heiligen, Propheten, Apostel und Väter darstellt, derer sie durch eine Offenbarung Gottes teilhaftig wurden und ihren geistigen Kindern überlieferten, sowie auch niederschrieben. Auf diese Weise haben wir eine Vereinigung dreier Faktoren, d.h. die gottschauenden Heiligen, ihr erleuchteter Geist, mit dem sie der offenbarten Erfahrung teilhaftig werden, als wie auch ihre Schriften, die von ihren Erfahrungen, mithilfe von erschaffenen Worten und Inhalten, zeugen. Die vergöttlichten Heiligen stellen demnach einen grundlegenden Faktor der Tradition dar, da sie die Träger der Tradition sind.
Die Väter unserer Väter im Alten Testament, die Propheten, erlebten die Theosis ohne die menschliche Natur Christi. Später jedoch erreichten die Apostel die Theosis nach (der Erscheinung) der menschlichen Natur Christi. Nach dem Pfingstereignis gibt es noch eine Form der Theosis, durch die erlebten Erfahrungen nach der Theosis. In der Kirche findet das gleiche Pfingstereignis immerfort statt, da es kein Ende hat. Und da es niemals endet, machen die Bischöfe die gleichen Erfahrungen und wissen daher wovon sie sprechen.
Infolge der ununterbrochenen Überlieferung ließe sich die Orthodoxe Vätertheologie u.a. mit der heutigen Biologie, Chemie, Astronomie, oder Medizin vergleichen, denn die Tradition der Kirche wird ebenfalls empirisch fortgesetzt. Doch was ist mit empirisch gemeint? Es bedeutet, dass die Therapien und die Heilungen der Menschen immerfort stattfinden. Die Menschen lernen immer noch die Wahrheit von der Astronomie, der Medizin, der Biologie etc., das heißt durch die Erfahrung der Katharsis (Reinigung), der Erleuchtung, welche die Heilung der menschlichen Persönlichkeit bedeutet und durch die Erfahrung der Theosis (Vergöttlichung), bei denen es sich um eine Art Teleskop und Mikroskop der Orthodoxen Theologie handelt. Aus diesen Gründen sind wir der Überzeugung, auf dem rechten Pfad zu wandern und uns innerhalb der Tradition zu bewegen“.

Die Gottschauenden gleichen den Astronomen, diesen Wissenschaftlern, die den Sternenhimmel beobachten und mit ihrem Teleskop Himmelskörper entdecken, die mit bloßem Auge unsichtbar sind. Ihre Beobachtungen schreiben sie nieder. Die Heiligen tun es genauso.
Die Tradition findet man in den Schriften aller Väter, aber insbesondere in denen des heiligen Symeon des Neuen Theologen, seinen Schülern, und den so genannten Hesychasten, wieder. Doch was ist diese Tradition eigentlich? Sie ist einfach, sehr einfach“.
Es handelt sich um die Gottesschau der Unerschaffenen Energie Gottes und die Führung des Menschen aufgrund dieser Erfahrung. Die Schau der unbeschreiblichen Wirklichkeit geschieht durch ein spezielles Organ, dem Nous (Geist), der erleuchtet wird, durch den Heiligen Geist. Die Gottschauenden sind Erleuchtete, welche die Theosis erreichen, des Lichtes teilhaftig werden und das Licht erblicken. „In Deinem Lichte erblicken wir Licht“. In diesem Punkt gleichen sie den Astronomen, die Sterne sehen, die unsichtbar sind für das bloße Auge, indem sie spezielle Geräte benutzen, die Teleskope genannt werden. Und wer die Ausführungen der Astronomen überprüfen will, muss ebenfalls so ein Gerät benutzen. Daraus folgt, dass auch ein Christ, der den Wahrheitsgehalt der Erfahrungen der gottschauenden Heiligen überprüfen will, zunächst einen erleuchteten Geist erlangen muss.

Zunächst muss erneut betont werden, dass die Tradition der Kirche die Erfahrung der gottschauenden Heiligen, Propheten, Apostel und Väter darstellt, derer sie durch eine Offenbarung Gottes teilhaftig wurden und ihren geistigen Kindern überlieferten, sowie auch niederschrieben. Auf diese Weise haben wir eine Vereinigung dreier Faktoren, d.h. die gottschauenden Heiligen, ihr erleuchteter Geist, mit dem sie der offenbarten Erfahrung teilhaftig werden, als wie auch ihre Schriften, die von ihren Erfahrungen, mithilfe von erschaffenen Worten und Inhalten, zeugen. Die vergöttlichten Heiligen stellen demnach einen grundlegenden Faktor der Tradition dar, da sie die Träger der Tradition sind.
Die Väter unserer Väter im Alten Testament, die Propheten, erlebten die Theosis ohne die menschliche Natur Christi. Später jedoch erreichten die Apostel die Theosis nach (der Erscheinung) der menschlichen Natur Christi. Nach dem Pfingstereignis gibt es noch eine Form der Theosis, durch die erlebten Erfahrungen nach der Theosis. In der Kirche findet das gleiche Pfingstereignis immerfort statt, da es kein Ende hat. Und da es niemals endet, machen die Bischöfe die gleichen Erfahrungen und wissen daher wovon sie sprechen.
Infolge der ununterbrochenen Überlieferung ließe sich die Orthodoxe Vätertheologie u.a. mit der heutigen Biologie, Chemie, Astronomie, oder Medizin vergleichen, denn die Tradition der Kirche wird ebenfalls empirisch fortgesetzt. Doch was ist mit empirisch gemeint? Es bedeutet, dass die Therapien und die Heilungen der Menschen immerfort stattfinden. Die Menschen lernen immer noch die Wahrheit von der Astronomie, der Medizin, der Biologie etc., das heißt durch die Erfahrung der Katharsis (Reinigung), der Erleuchtung, welche die Heilung der menschlichen Persönlichkeit bedeutet und durch die Erfahrung der Theosis (Vergöttlichung), bei denen es sich um eine Art Teleskop und Mikroskop der Orthodoxen Theologie handelt. Aus diesen Gründen sind wir der Überzeugung, auf dem rechten Pfad zu wandern und uns innerhalb der Tradition zu bewegen.

Die Gottschauenden gleichen den Astronomen, diesen Wissenschaftlern, die den Sternenhimmel beobachten und mit ihrem Teleskop Himmelskörper entdecken, die mit bloßem Auge unsichtbar sind. Ihre Beobachtungen schreiben sie nieder. Die Heiligen tun es genauso.
Die Tradition findet man in den Schriften aller Väter, aber insbesondere in denen des heiligen Symeon des Neuen Theologen, seinen Schülern, und den so genannten Hesychasten, wieder. Doch was ist diese Tradition eigentlich? Sie ist einfach, sehr einfach.
Es handelt sich um die Gottesschau der Unerschaffenen Energie Gottes und die Führung des Menschen aufgrund dieser Erfahrung. Die Schau der unbeschreiblichen Wirklichkeit geschieht durch ein spezielles Organ, dem Nous (Geist), der erleuchtet wird, durch den Heiligen Geist. Die Gottschauenden sind Erleuchtete, welche die Theosis erreichen, des Lichtes teilhaftig werden und das Licht erblicken. „In Deinem Lichte erblicken wir Licht“. In diesem Punkt gleichen sie den Astronomen, die Sterne sehen, die unsichtbar sind für das bloße Auge, indem sie spezielle Geräte benutzen, die Teleskope genannt werden. Und wer die Ausführungen der Astronomen überprüfen will, muss ebenfalls so ein Gerät benutzen. Daraus folgt, dass auch ein Christ, der den Wahrheitsgehalt der Erfahrungen der gottschauenden Heiligen überprüfen will, zunächst einen erleuchteten Geist erlangen muss. 

Auszug aus:  
"Εμπειρική Δογματική τής Ορθοδόξου Καθολικής Εκκλησίας κατά τις προφορικές παραδόσεις του π. Ιωάννου Ρωμανίδη". Τόμος Α' (Empirische Dogmatik der Orthodoxen Katholischen Kirche nach mündlicher Überlieferung des Vt. I. Romanides, Band 1)

Montag, 18. März 2019

Uneinige autokephale oder vereinte Brüder? Kommentar des Metropoliten von Mesogaia und Lavreotiki Nikolaos zum aktuellen ukrainischen Konfliktthema

  

In den letzten Monaten sind wir Zeugen einer äußert gefährlichen und oberflächlich betrachtet unbegründeten Krise im Innern unserer Kirche geworden, die durch die bevorstehende Anerkennung der Unabhängigkeit der Ukrainischen Kirche, oder wohl besser gesagt Erschaffung einer autokephalen Kirche in der Ukraine, ausgelöst wurde. Es scheint so, als stellten die interorthodoxen Beziehungen in der heutigen Zeit ein signifikantes Problem dar, während die Einigkeit mit heterodoxen begrüßt und gefördert wird. Die Orthodoxen bekunden sich zwar gegenseitig ihre Zuwendung, aber sie richten sie in der Praxis zugrunde; sie beteuern die gegenseitige Verbindung im Sinne der Koinonia, doch mit ihren Handlungen beweisen sie das Gegenteil. Das Pleroma indes kann nur beobachten, wie auf den Gipfeln der Hierarchie mit juristischen Argumenten debattiert wird, wie befeindete Lager und Gruppen von „Gefolgsmännern“ geschaffen werden, anstatt die Gläubigen zu vereinen. Es ist ein Jammer! In diesem Konflikt gibt es einen Vorwand und eine tatsächliche Ursache. Vorwand ist die Notwendigkeit einer Unabhängigkeit der Ukrainischen Kirche. Ursache hingegen das Recht auf Gewährung und Anerkennung. Denn es geht in Wirklichkeit allein darum, wem dieses Recht zusteht.
  Die Worte, die man dabei oft vernehmen kann sind historische Privilegien, Rechte und Kirchenkanonen. Leider hört man niemals das Wort Evangelium. Die erste Frage lautet: Ist die Unabhängigkeit tatsächlich spirituell so unabdingbar? Und wenn ja, hätte man dann nicht noch ein bisschen warten können? Zweitens: Sind unsere Rechte wirklich so wichtig, dass wir sie verteidigen sollten, indem wir die Rechte unserer Brüder außer Acht lassen oder sie sogar bekämpfen, sodass unsere tausendjährige Koinonia mit ihnen jäh unterbrochen wird? Und drittens: Ist das Heranziehen von historischen Rechten und Kirchenkanonen wesentlicher als die Botschaft des Evangeliums?
  Konstantinopel nennt die bis dato Brüder aus Russland nunmehr nur noch „Freunde“, während Russland die Anerkennung der Ökumenizität des Patriarchats von Konstantinopel verweigert. Auf diese Weise werden die grundlegenden Fundamente der Einheit der Kirche ruiniert: die Brüderlichkeit, die in der panorthodoxen Koinonia Ausdruck findet, die Ökumenizität, deren Garant, den Kirchenkanonen und der historischen Überlieferung nach, Konstantinopel darstellt.

  I.In Wahrheit stellt die Unabhängigkeit der Ukraine keine dringende Notwendigkeit dar, sondern ist vielmehr eine Frage von Rechten und trotzigen politischen Forderungen, im Gegensatz zur Einheit der Kirche, bei dem es sich um ein evangelisches Gebot handelt, das nicht verhandelbar ist. Was muss als wichtiger erachtet werden: die Unabhängigkeit einer örtlichen Kirche oder die Einheit aller in „Einer, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche“?
  Welche Personen fordern diese Unabhängigkeit überhaupt? Ist es möglich, dass ein weltlicher Präsident von zweifelhafter Spiritualität und ein Mann mit bedenklichen ekklesiologischen Interessen, der bis heute als schismatisch angesehen wurde und sich selbst zum „Patriarchen“ ernannte, die adäquaten Personen sind, um im Heiligen Geist der Notwenigkeit und den Willen Gottes, wie auch den Sorgen der Kirche in der Ukraine Ausdruck zu verleihen?
  Obwohl man die Stimmen derjenigen nicht zu hören beliebt, die sich gegen die Autokephalie aussprechen, wird die Hoffnung auf Einheit auf jene gestützt, die bereits seit vielen Jahren ein Schisma verursacht haben und allen „heimatlosen“ Altkalendariern Griechenlands, und nicht nur Griechenlands, Zuflucht bieten.
  Wenn Philaret im Jahr 1990 zum Patriarchen von Moskau gewählt worden wäre, wie er es sich gewünscht aber nicht erzielt hatte, würde er wohl heute kaum darum bitten, zum Metropoliten der autokephalen Ukrainischen Kirche ernannt zu werden. Und zwar von wem? Von der Moskauer Synode, an deren Spitze er gestanden hätte, oder aber von Konstantinopel, dem er heute angeblich Ehre zollt und vor dem er demütig sein Haupt neigt?

  II.Der christlichen Denkweise nach bekommt nicht derjenige Recht, der nur an seine eigenen Interessen denkt, sondern derjenige, der sie beschützt, ohne aber das Gleichgewicht der Liebe, des Friedens, der Geduld, der Vergebung und der Versöhnung außer Acht zu lassen. Denn nur auf diese Weise können die „Rechte Gottes“ beschützt werden. Unser Heil fundiert auf der größten Ungerechtigkeit: „Die Strafe des gerechten Urteils wurde aufgehoben durch das ungerechte Urteil des Gerechten“1. Ein Glück, dass der Herr sich nicht auch auf seine Rechte berief!
In der gegenwärtigen Situation wird der Konflikt im Hinblick auf die Rechte der die Autokephalie der Ukraine Gewährenden betrachtet, d.h. des Phanar und Moskaus und ihre historische oder politisch-ökonomische Macht, und nicht etwa der evangelischen Botschaft oder zumindest der existenten Bedürfnisse der Ukraine. Darüber hinaus zeichnen sich im Horizont mächtige politische Interessen, Anweisungen und Druck ab. Man könnte sagen, dass von der Frohen Botschaft allein „der Titel“ erwähnt wird.

 III.Wie kann sich all dies nur vereinbaren lassen mit der Botschaft des gekreuzigten Gottes, dem Ethos der Seligpreisungen und der Bergpredigt, mit dem linteum des Letzten Abendmahles, mit den Überlieferungen des Herrn bezüglich der Diakonie und der ehrenwerten Stellung des Letzten, mit dem hohepriesterlichen Gebet des Herrn „auf dass sie alle eins seien“, mit der Lehre und dem Geist von Apostel Paulus, mit den Sonntagspredigten und den Rundschreiben, die bei großen Kirchenfesten verlesen werden? Kann es sein, dass durch die Anwendung der Kirchenkanonen das Evangelium ersetzt wird?
Es ist vollkommen unverständlich, wie sich Kirchen, die seit tausend Jahren verbrüdert sind, jeweils über die Entdeckung von Fehlern und Missständen beim jeweils anderen freuen. Kann es sein, dass die Spannung, die jetzt besteht, ein Hinweis darauf ist, dass auch in der Vergangenheit die Liebe auf keinem festen Fundament stand? Wie lässt sich sonst erklären, dass Kirchenoberhäupter mit Inbrunst den interchristlichen und iterreligiösen Dialog verteidigen, während sie sich untereinander der Kommunion verweigern? Warum fällt es ihnen so schwer zu akzeptieren, dass die Gnade Gottes die andere Seite eventuell auf eine etwas andere Art und Weise erleuchtet hat? Steht uns etwa das ganze Licht zu? Fällt kein einziger Strahl auf die anderen, die bis heute unsere Brüder waren? Ist nicht gerade darin die Essenz der Kommunion zu finden, dass man gegenseitiges Verständnis aufbringt?
Außerdem werden die Folgen eines drohenden Schisma überhaupt nicht bedacht. Die Gläubigen, die keine Schuld trifft, werden von den heiligen Stätten der anderen ausgeschlossen. Warum sollten die Russen auf eine Pilgerreise auf dem Heiligen Berg oder auf Patmos verzichten, oder die Griechischsprachigen auf eine Pilgerreise zum heiligen Seraphim von Sarof, den Höhlen von Kiew, Valamo oder anderen russischen Neumärtyrern? Ist die göttliche Gnade nicht global und muss sie nicht geteilt werden können? Wenn uns der gleiche Glaube und die Dogmen vereinen, ist es dann nicht falsch, einen Zwiespalt aufgrund einer Uneinigkeit in der Verwaltung entstehen zu lassen?
Für wen wurde das Evangelium der Liebe, der Vergebung, der Einheit letztendlich geschrieben und zu welchem Zweck? Betrifft es nicht auch uns und die Herausforderungen unserer Zeit?

IV.Welches wird zudem in Zukunft das Orthodoxe Bekenntnis in der Diaspora oder in den zu missionierenden Ländern sein? Welchen Christus werden noch wir predigen und bekennen können? Diesen, der uns „alle zur Einheit rief“, aber dessen Worte wir mit unserem eigenen Leben verwerfen und der seit nunmehr zweitausend Jahren nicht einmal seine Gläubigen vereinigen konnte? Die Zufriedenheit aus der Anerkennung der Autopkephalie ist kurzweilig und wird nur von wenigen empfunden. Die Beunruhigung der Gläubigen und der ganzen Welt ist unvergleichbar größer und betrifft die Allgemeinheit. Die Sünde des Schisma ist eine unheilbare, die niemals vergeben wird.
V.Aber ich frage mich auch, ob es richtig ist, dass Moskau seine Kleriker und Gläubigen dafür tadelt, wenn sie auf dem Heiligen Berg und eventuell später auch in Jerusalem und Griechenland an der heiligen Kommunion teilnehmen. Kann es sein, dass die heilige Kommunion als politisches Druckmittel und Drohung benutzt wird? Haben wir aus unserer tausendjährigen Kommunion nicht Kostbareres schöpfen können? Vielleicht wäre eine vorläufige Unterbrechung des Gedenkens auf der patriarchalischen Ebene denkbar, als ein starkes Zeichen von Protest, aber keinesfalls die Unterbrechung der Kommunion der Gläubigen. Die Kirche hat auch zur Aufgabe, das Volk Gottes an die Heiligkeiten heranzuführen; stattdessen werden sie sich dadurch von ihnen und der heiligen Gnade trennen müssen. Wäre es nicht vielleicht klüger, den Glauben des Volkes zu stärken, damit es seine Hierarchen zur Besinnung bringt, anstatt ihren Glauben zu schwächen?
Wir hoffen, dass der Patriarch seine ökumenische Umarmung so sehr öffnen kann und wird, dass auch die Russen dort einen Platz finden. Aber auch die Ukrainer werden sich ekklesiologisch nicht vereinen können, wenn sie nicht vorher lernen, innerhalb der Kirche den Russen zu vergeben und sich mit ihnen zu vereinen. Die Kirche ist dann wirklich Kirche, wenn sie keine Feinde kennt. Die weisen Worte des erst kürzlich vom Patriarchen heiliggesprochenen seligen Amphilochios von Patmos könnten nicht aktueller sein: „Wollt ihr euch an denjenigen rächen, die euch schaden? Die beste Rache heißt Liebe. Selbst Ungeheuer können durch die Liebe verwandelt werden“.

  Ich erwarten aber, dass auch unsere heiligen Väter in Russland, denen das Volk am Ende jeder Gebetsfolge gedenkt, verstehen werden, dass sie die Kirche mithilfe der heiligen Gnade vereinen und die Herzen aller Orthodoxen gewinnen können, wenn sie in Demut und nicht mit der Gesinnung von Eroberern handeln. Es besteht kein Grund für ein weltliches „Drittes Rom“, aber sicherlich für ein spirituelles „Erstes und Heiliges Moskau“. Sie können in unserem Herzen den ersten Platz einnehmen. Mit dem Duft der Erfahrungen aus den jüngsten unerbittlichen Verfolgungen und der Schar an Neumärtyrern erwarten wir, dass sie die Kirche mit dem wunderbaren Bekenntnis der Einheit beschenken werden. So schlecht der Hochmut des Kleinen und Schwachen ist, so groß ist die demütige Weisheit des Mächtigen und Starken. Diese Not teilen wir alle, denn letztendlich interessiert uns kaum, wer die Macht oder das Recht auf seiner Seite hat, sondern wer im Heiligen Geist handelt und Seine Gnade übertragen kann.
Die inspirierte Aufforderung von Apostel Paulus „So ihr euch aber untereinander beißet und fresset, so seht zu, daß ihr nicht untereinander verzehrt werdet” (Gal 5,15) zeigt uns allen den rechten Weg. In den ekklesiologischen Konflikten zwischen Brüdern kann es keine Gewinner geben. Alle sind im Grunde Verlierer. Wenn wir uns aber versöhnen, gibt es keine Verlierer. Alle sind Gesegnet.
Selbst Nordkorea konnte sich mit Südkorea versöhnen, aber wir können nicht zur Übereinstimmung kommen, obwohl wir täglich das „Vater unser“ mit unserem Herzen und unseren Lippen beten.
  Innig bete ich darum, dass der Herr uns „mit der Versuchung auch den Ausgang“ beschert und uns bald zur Reue und Frieden führt. Amen.
________________________________
1 Aus dem Doxastikon der Vesper zum Fest der Kreuzverehrung. Das ganze Troparion (in freier Übersetzung): Kommet alle Völker und verneigt euch vor dem seligen Holz (des Kreuzes), durch welches die ewige Rechtfertigung (Erlösung) des Menschen stattfand. Denn er (der Satan), der den Vorvater Adam durch das Holz (der Baum des Lebens) täuschte, wird durch das Kreuz irregeführt; und er fiel mit Wucht wie eine bemitleidenswerte Leiche, er, der zuvor über den Menschen wie ein Tyrann herrschte. Mit dem Blut Gottes wurde das Schlagengift ausgewaschen. Auch der Fluch wurde gelöst, der gerechte Strafe war, durch die ungerechte Strafe und das Urteil über den einzig Gerechten (Christus). Denn durch das Holz (das Kreuz) sollte die Sünde des Holzes (Der Baum des Ungehorsams) geheilt werden und mit Leiden (dem Kreuzopfer) des Leidenschaftslosen sollten die (menschlichen) Leidenschaften des verurteilungswürdigen Menschen, die durch das Kosten der verbotenen Frucht entstanden war, beseitigt werden. Dir gebührt Lob, Christus König, wegen Deiner unvorstellbaren und vortrefflichen Oikonomie, die Du für uns vorausschauend ausarbeitetest und durch die Du uns alle als Gütiger und Menschenliebender errettetest.

 Übersetzung: Alexia Ghika- Kyriazi