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Freitag, 1. Februar 2019

Die Klöster als Schatzmeister und Verwahrer der altgriechischen Literatur

von Theoni Marinou Mpoura,
Theologin-Lehrkraft, MTh in Patrologie

  „Man kann zweifellos behaupten, dass die heutigen Philologen ihre Existenz allein den Mönchen zu verdanken haben, die sich der Aufgabe des Abschreibens widmeten. Der Philologie würde es überhaupt am Gegenstand mangeln, wenn die Mönche nicht unermüdlich dafür gesorgt hätten, dass uns die Werke der alten Griechen bis zum heutigen Tage erhalten blieben“. So ungefähr lautete die Aussage meines Professors und mittlerweile emeritierten Professors der Theologischen Fakultät von Athen, Herrn Spyridon Kontogiannis. Ich muss dabei offen zugeben, dass ich anfänglich, als mir die historischen Tatsachen noch unbekannt waren, die Behauptungen des Professors für übersteigert und für eine Art übermäßiger „Glorifizierung“ der Klöster durch uns Theologen hielt. Doch nach gründlicher Untersuchung dieses Themas möchte ich im Weiteren historische Tatsachen anführen, die den Leser darin unterstützen sollen, eine eigene Meinung zu bilden.

  20.000 Kodizes werden in Bibliotheken auf dem Heiligen Berg Athos verwahrt. Das Kloster Megisti Lavra besitzt 2.242 und befindet sich damit auf Platz drei der handgeschriebenen Werke weltweit, während der erste Platz ebenfalls einem Kloster gebührt, nämlich dem Kloster der heiligen Katarina am Sinai mit 4.500, von denen 75% in griechischer Sprache verfasst sind. Auf dem zweiten Platz steht der Vatikan mit 3500 Werken.
  Im Kloster Megisti Lavra existieren präziser benannt, neben zahlreichen anderen altgriechischen Manuskripten, 4 Schriftstücke von Galenos (Ω69,Ω70,Ω71,Ω72), 2 von Hippokrates „Aphorismen“ Ω68,Ω69, 3 seltene Kodizes von Aëtios von Amida, des persönlichen Arztes von Iustianus, Ω63,Ω64,Ω65, 2 von Thukydides sowie auch das Werk „Parallele Lebensbeschreibungen“ von Plutarch. Im selbigen Kloster wird die „Botanik“ von Dioskuros gehütet, ein Werk, das den Traum eines jeden Pharmazeuten, Botanikers und Giftexperten darstellt und mit sehr gut erhaltenen Illustrationen versehen ist. Das weltweit einzige juristische Dokument mit Verordnungen der Komnenen (13. Jh.) befindet sich in Megisti Lavra. Schriftwerke von Epiktet, Hermogenes und Euklid im Kloster Esphigmenou. Und in der Bibliothek des Klosters Iviron kann der Forscher auf Werke von Euripides, Aischylos, Theokritos, Sophokles und Pindar stoßen, während im Kloster Vatopedi der Codex der Geographen Ptolemäus und Strabon (Nr.655) aus dem 13. Jh. aufbewahrt wird.   

  Nicht zufällig werden all diese handschriftlichen Werke in Klöstern verwahrt, denn die Mönche dieser Klöster entschieden sich einst bewusst dafür, unermüdlich und ohne Bezahlung oder religiöse Verpflichtung die alten griechischen Werke vor dem Zerfall zu retten und durch Abschrift an die folgenden Generationen der Geisteswelt allerorts als griechisches Erbe zu überliefern, um sie zu bereichern. Der heilige Athanasios von Athos beispielsweise war Asket und liebte Bücher, sodass er seine eigenen mitbrachte, als er von Konstantinopel auf den Heiligen Berg zog und dort ein Kloster gründete. Im Kloster Megisti Lavra existierte seinen Wünschen gemäß auch ein Scriptorium, über das er keine zufällige Personen, sondern den Besten der Kalligraphen Ioannis und den Bibliothekar Michael verantwortlich hieß. Die Abschrift der Kodizes setzte sich durchgängig fort, sodass im Jahr 1759 im selbigen Kloster auch die erste Druckerei Griechenlands entstand.
   Der selige Theodoros Studites ließ eine Bibliothek im Studionkloster in Konstantinopel erstellen und mit einer großen Sammlung von Kodizen nicht nur christlicher, aber auch heidnischer Autoren befüllen, um damit ihre Bewahrung, Veröffentlichung und Überlieferung sicherzustellen. 
 
Patmos
  Signifikante Kodizes aus der antiken griechischen Literatur werden in der Klosterbibliothek des heiligen Johannes des Theologen auf Patmos aufbewahrt, welche zu den wichtigsten des Ostens zählt und wo sich seltenste Dokumente, beispielsweise die Tragödien „Hekabe“, „Orestes“, „Ajax“, „Elektra“, u.a. befinden. Das älteste Buch ist die „Anthologia epigrammatum Graecorum” (Florenz 1494). Im Kloster Zavordas existiert zwischen vielerlei anderen Kodizes auch der Codex des Lexikons des Patriarchen Photios, von dem nur noch 3 Abschriften existieren: eine in der Bibliothek der Universität von Cambridge in England, eine in der Zentralbibliothek von Berlin und eine im Kloster Zavordas, die den anderen überlegen ist, da vollständig. Der Professor Linos Politis von der Universität von Thessaloniki entdeckte ihn im Jahr 1959. Er beinhaltet Ausschnitte aus Werken antiker griechischer Autoren, die separat nicht überliefert geblieben sind, aber zur Zeit des Photios noch erhalten waren, z.B. antike Komödien von Kratinos, Eupolis, aber auch antike griechische Dichtung und historische Texte. Durch Photios und das Kloster Zavordas wissen wir außerdem von Ktesias, Konon, Memnon und die verlorenen Werke des Diodoros.
  Im Kloster Pammakaristou in Konstantinopel wurde ein Zentrum für Recherche und Abschrift gegründet. Im Kloster Megalou Meteorou wiederum werden Schriftstücke von Homer, Hesiod, Sophokles, Demosthenes, sowie auch Aristoteles aufbewahrt, aber auch kostbare Originalausgaben venezianischer Editionen von Aldus Manutius (1495) folgender Werke: „Idyll“ von Theokritos, „Gnomen“ von Theognis, „Theogonie“, „Werke und Tage“ und „Der Schild des Herakles“ von Hesiod u.a..
  Einen wichtigen Beitrag für die Bewahrung der antiken griechischen Literatur leisteten ebenfalls Klöster Süditaliens1, in denen die griechische Sprache gesprochen wurde. In Apulien, in Corigliano, existierte bereits seit dem 10. Jahrhundert das blühende orthodoxe Kloster des heiligen Nikolaos, in dem man seit dem 15. Jahrhundert altgriechisch und Latein lehrte und wo außerdem Abschriften antiker Texte fertiggestellt wurden.
  Die Mönche investierten offensichtlich viel Eifer und Liebe in die Abschrift und die Bewahrung der antiken griechischen Autoren, denn sie schrieben die Schriftstücke nicht einfach nur ab, sondern taten dies kalligraphisch und mit verschiedenen Verzierungen, wobei sie weder Mühen noch Kosten scheuten. Teuer waren nicht allein die Tinte, sondern auch die Farben und ebenfalls die Beschreibmaterialien (Papyrus, Pergamente). Diese Kosten übernahmen sie bereitwillig für die Erhaltung der antiken Werke. Die Klöster bewahrten, verzierten und passten die Texte, so könnte man sagen, dem Fortschritt der damaligen Zeit an, da sie diese nicht mit der zuvor verwendeten Majuskeln abschrieben, sondern in modernerer Minuskel-Handschrift. Die Minuskel-Handschrift, die sich aus der byzantinischen Unzialschrift entwickelte, erfuhr ihre Vervollkommnung im Studionkloster in Kostantinopel durch den Mönch und späteren Klosterabt Nikolaos, der das erste überlieferte Schriftstück in Minuskelschrift verfasste, das datiert werden konnte, das „Uspenskij“ (Codex Petropolitanus 219). 
 
  In Klosterbibliotheken (Athos, Meteora, Kloster Dousikou, Patmos etc.) werden liebe- und respektvoll die ersten seltenen, gedruckten und kostbaren Editionen antiker griechischer Autoren verwahrt, bei denen es sich hauptsächlich um venezianische handelte, wie Originaldrucke von Aldus Manutius (editions aldinae, incunabula) aus dem späten 15. Jahrhundert und Anfang des 16. Jahrhunderts; Hesiod, Platon, Theokritos, Tragödiendichter, Aristoteles, Demosthenes, Aristophanes, Lukian, Strabon u.v.m.. Darüber hinaus Lexika der altgriechischen Sprache, das „Etymologicum Magna“ (Venedig 1495) Varinus Favorinus (Rom 1523), Die „Syntax von Apollonios von Alexandria dem Grammatiker“ (Venedig 1495) u.a.. Das Erwerben solcher Werke stellte für die Klöster eine kostspielige Angelegenheit dar, da die Erstausgaben gedruckter Bücher in der damaligen Zeit stets sehr teuer war.
  Aus welchem Grund zeigten christliche Mönche antiken griechischen Werken gegenüber solche Hingabe? Eventuell besteht ein Zusammenhang zum Großen Basilius, dem Gründer des koinobitischen Mönchtums, der junge Menschen dazu aufforderte, die Werke der antiken Griechen wie Homer, Platon und Sokrates zu studieren. Vielleicht lag es auch daran, dass die großen Kirchenväter Basilius von Cäsarea, Johannes Chrysostomos, der Große Athanasios, Gregor der Theologe und Gregor von Nyssa überaus vertraut waren mit der altgriechischen Literatur und auch Fachbegriffe aus der altgriechischen Philosophie benutzten. Gregor von Nazianz verfasste „Epen“ nach Beispielen aus der griechischer Dichtung. Der große Historiker Paparregopoulos schreibt über sie, dass sie „in Redegewandtheit und wissenschaftlichem Wissen allen damals lebenden heidnischen Weisen überlegen waren und ebenso den Weisen vor Plutarch, eine neue und glorreiche Epoche der Sprache für das Menschengeschlecht einläutend. Basilius und Gregor waren die ersten herrlichen Vorbilder frommer und kundiger Redegewandtheit, mit der das Volk unterwiesen wurde“. 
  Dieselbe Liebe und Interesse für die antiken Texte teilte auch der heilige Arethas aus Patras (ca. 850-944), der vom Diakon im Jahr 904 zum Metropoliten von Cäsarea in Kappadokien aufstieg. Er führte ausgezeichnete Hypomnemata, war ein kluger Philologe und Abschreiber handschriftlicher Kodizes antiker griechischer Autoren wie Platon, Aristoteles, Euklid, Lukian, Aelius Aristides; seine Forschung richtete er dabei stets auf die Quellen der antiken Paideia und Denkweise sowie auch des griechischen Geistes aus. Er veröffentlichte die meisten der platonischen Dialoge, mit Kommentaren und Prologen angereichert, von Aristoteles unter anderem die „Kategorien“. Darüber hinaus schrieb er Werke von Euklid, Lukian, Dion Chrysostomos, Aelius Aristides, Pausanias ab, aber auch das „Lexikon“ von Polydeukes und die „Lebensbeschreibung des Apollonius“ von Philostratus. Zur Kultivierung entsprechender Atmosphäre und Resonanz in den Klöstern trug wahrscheinlich auch der heilige Eustathios bei, der Erzbischof von Thessaloniki, der für seine exzellente Beschäftigung mit den homerischen Texten und als gelehrter Metropolit bekannt war. Er stellte mit seinen hochgeschätzten Kommentaren zu Homer, Ilias, Odyssee, den Komödien von Aristophanes, Pindar, Dionysios Periegetes u.a. die tragende Figur in der Renaissance der klassischen Studien dar. Es ist erstaunlich, dass einer der größten Erforscher von Homer weltweit ausgerechnet ein christlicher Bischof und Heiliger wie der heilige Eustathios war.
  Die antiken griechischen Werke werden für die Forscher und Wissenschaftler nicht nur in Klöstern aufbewahrt (im Kloster Megisti Lavra sogar mit drei Türschlössern gehütet) und auch nicht nur in Klosterbibliotheken; durch die kostbare Kunst der Mönche, die Ikonenmalerei, wird für sie „kostenfrei geworben“. Auf Kirchenwänden im Kloster Megalou Meteorou sind antike Griechen abgebildet, die Schriftrollen mit Auszügen aus ihren Werken halten und an besonders herausragender Stelle platziert sind. Es handelt sich um die antike Philosophin Sibylla, den Griechen Solon den Weisen und Gesetzgeber, den Griechen Pythagoras den Philosophen und Mathematiker, den Griechen Thukydides den Historiker, den Griechen Aristoteles den Philosophen, den Griechen Platon den Philosophen, den Griechen Homer den Dichter, den Griechen Plutarch den Vater der Geschichtsschreibung, den Griechen Sokrates den Philosophen. Auf diese Weise wird zumindest etwas von den Weisen der Antike an die Besucher des Klosters Megalou Meteorou weitergegeben, die auch aus anderen Ländern stammen. Die Abbildung des weisen Aristoteles ist auf einer alten Wandikone im Kloster Philanthropinon auf der Insel von Ioannina vorherrschend. 
  Heute konzentriert sich das Interesse der Mönche an antiken Texten nicht mehr auf deren Abschrift von der Magisterschrift in die Minuskelschrift, sondern den gegenwärtigen Umständen entsprechend darin, den Forschern den Zugang mittels moderner Technologie zu erleichtern. Dies wird unter anderem daraus deutlich, dass sich die Patriarchale Institution für Patristische Forschung im Kloster Vlatadon (Thessaloniki) die Zusammenstellung einer vollständigen Auflistung und die Erfassung der Werke mithilfe der Mikrophotographie (Mikrofilm) aller handschriftlicher Kodizes zur Aufgabe gemacht hat.
  Der Bibliothekar des Klosters Megisti Lavra, Priestermönch Nikodemos, erklärt: „Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie es heute um die Menschheit stehen würde, wenn das Wissen aus der Antike nicht durch Abschriften der byzantinischen Klöster, besonders jene auf dem Heiligen Berg, überliefert worden wäre. Wahrscheinlich hätte die westliche Renaissance einige Jahrhunderte später stattgefunden“. Die Schlussfolgerungen bleiben Ihnen überlassen.

Quellen:
Lekkos Evangelos P., “Τὰ ἑλληνικὰ μοναστήρια”, Athen 1995, S. 25-26.
Zeitschrift “Ἱστορικὰ Θέματα”, Artikel «Βυζάντιο καὶ Ἀφροκεντρισμός», Agni Vasilikopoulou, Prof. für Vyzantinische Philologie d. Universität v. Athen, Ausg.6, S.44
Zeitschrift „Ἱστορικὰ Θέματα”, Artikel «Οἱ ἑλληνόφωνοί της Κάτω Ἰταλίας, ἡ κιβωτὸς τῆς Μεγάλης Ἑλλάδας», Themistoklis F. Pertesis, Philologe-HIstoriker, Ausg.20, S.20
Dimitrios Z. Sophianos, «Ὀρθοδοξία καὶ Ἑλληνισμός», Heilige Meteora 2007, S. 17-19, S.21.
Stylianos G. Papadopoulos., Patrologie II, Athen 1990, S. 361.
Gesammelte Werke des Großen Basilius von Cäsarea, griech. Ausg. Band 7, S.320
Dimitrios Z. Sophianos, «Ὀρθοδοξία καὶ Ἑλληνισμός», Heilige Meteora 2007, S.19.
Zeitschrift “Ἰχώρ”, Band 44, Artikel «Τὰ κρυμμένα ἀρχαῖα ἑλληνικὰ χειρόγραφά του Ἁγίου Ὅρους, ἕνας ἀρχαιοελληνικὸς θησαυρὸς κρυμμένος στὶς μοναστηριακὲς βιβλιοθῆκες τοῦ Ἄθω», Georgios Stamkos, S. 50-64.
G. Stamkou, «Μυστικὴ Ἑλλάδα», 1999.
G. Stamkou «Ἀνοίγοντας μία κιβωτὸ γνώσεων», Zeitschrift „Τρίτο Μάτι”, Band 39, Sept.1994.
Priestermönch Nikolaos Lavriotis, «Τὰ χειρόγραφά του Ἁγίου Ὅρους», ΑΝΤ1, 1991.
www.katakali.net
www.apologitis.com
www.impantokratoros.gr

1s. Magna Grecia, Anm. der Üb.

Freitag, 23. Dezember 2016

Die ehrwürdigen Gaben der drei Könige bzw. Weisen in Griechenland

Allbekannt ist, dass die sogenannten drei Könige oder Weisen durch einen besonderen Stern (der orthodoxen Überlieferung nach handelte es sich um einen Engel) auf die Geburt, dem Fleische nach, unseres Herrn Jesus Christus aufmerksam wurden und diesem Stern folgten, um den jungen "König", wie sie meinten, zu verehren und Geschenke darzubieten: Gold Weihrauch und Myrrhe.
Weniger bekannt in nicht-orthodoxen Ländern ist, dass diese Gaben uns Menschen mit Gottes Segen erhalten geblieben sind und im Kloster Heiliger Paulos auf dem Heiligen Berg bis heute aufbewahrt werden.
Gestern, den 22.12.2016, sind die heiligen Gaben, die durch ihren Kontakt mit unserem Erlöster Jesus Christus und der Allheiligen  Gottesgebärerin mit göttlicher Gnade durchtränkt sind, nach Thessaloniki, in die Kirche der hl Anastasia übergeben worden, wo sie den Gläubigen während der kommenden Festtage Kraft und Andacht schenken sollen.

Die Geschichte der ehrwürdigen Gaben, wie sie nach Griechenland kamen

Die Geschichte, wie die Gaben nach Griechenland kamen, ist eine ganz besondere, die wieder einmal die unbeschreiblichen und unvorhersehbaren Wege Gottes verdeutlicht, Seine Vorsorge und Fürsorge, die uns stets begleitet, selbst wenn wir uns verlassen fühlen.

In der großen Stadt Konstantinopel wurden über viele Jahrhunderte hinweg viele Schätze des Christentums aufbewahrt, wie u.a. das Kreuz des heiligen Konstantin und der Stab Mose. In der Kirche der Allheiligen (der sogenannten des Pharos), die sich im südlichen Teil des Palastes befand, der seinerseits auf dem südlichen Ende der Halbinsel von Konstantinopel am Bosporus erbaut worden war, befanden sich besonders sorgfältig geschützt heilige Gebeine der heiligen Unschuldigen Kinder (die von Herodes ermordet wurden), ein Teil der Tuches, in das Jesus Christus als Neugeborenes Kind gewickelt war (dieses wurde um 1205 dem König von Frankreich Philipp II. übergeben, der es nach Paris brachte). Die ehrwürdigen Gaben wurden hingegen in der Kirche Hagia Sophia aufbewahrt, im damaligen Zentrum des Orthodoxen Christlichen Glaubens.

Der heiligen Überlieferung der Kirche nach hatte die Allheilige Gottesmutter vor ihrer Entschlafung die Gaben an die Kirche von Jerusalem übergeben, zusammen mit anderen wichtigen Reliquien, wie u.a. dem ehrwürdigen Gürtel der Gottesgebärerin und ihrem Gewand, wo sie auch bis zum Ende des 4. Jh blieben. Kaiser Arkadios überführte daraufhin die Reliquien nach Konstantinopel.

Nach dem Überfall und der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzritter wurden die Reliquien aus Angst vor Diebstahl in die vorläufige Hauptstadt, nach Nicäa in Bithynien (griechisch Βιθυνία), gebracht. Nach der Zurückeroberung der Stadt Konstantinopel durch Kaiser Michael dem Palaiologen wurden sie erneut in der Hagia Sophia aufbewahrt, bis die Osmanen Konstantinopel eroberten.
Nach dem Fall Konstantinopels geschah folgendes: Maro (Despoina) Branković (auch Despina Hatun), die Gattin von Sultan Murad II. (1421-1451) und Stiefmutter von Mehmet II., war serbische Prinzessin und orthodoxe Christin, Tochter des serbischen Herrschers Durad od. Georgios Branković. Ihr Bruder hatte als Mönch auf dem Hl Berg gelebt, im hl Kloster Hilandariou, das sie großzügig unterstützte, wie auch das Kloster hl Paulos, wie bereits vor ihr ihr Vater, Georgios. So übergab sie im Jahre 1470 die ehrwürdigen Gaben der drei Weisen dem Kloster Heiliger Paulos auf dem Heiligen Berg. Maro war gottesfürchtig und der Sultan ließ sie ihren Glauben ohne Einschränkungen praktizierten. Ihr standhaftes, kluges und liebenswürdiges Wesen sorgten dafür, dass sie von allen, auch den Muslimen, vor allem von ihrem Stiefsohn Mehmet II., allzeit respektiert wurde. Solange sie lebte wurden die Rechte der Christen in höherem Maße respektiert.
Doch es gibt noch eine Überlieferung, eine Geschichte davon wie Maro die Gaben dem Kloster auf dem Heiligen Berg übergab: Die Gütige wollte, aus Unkenntnis darüber, dass es Frauen nicht gestattet ist, den Heiligen Berg zu betreten, die ehrwürdigen Gaben eigenhändig dem Klosterabt überbringen. Sie schickte dem Abt einen Breif und informierte ihn über ihr Kommen. Der Abt wusste sich nicht zu helfen, er zögerte, ihr eine Absage zu schicken oder sie zurechtzuweisen, sodass alle Mönche sich im Gebet an Gott wendeten und Ihn um Beistand baten. Als ihr Schiff anlegte stieg sie aus, in ihren Händen die Gaben tragend, während die Mönche ihr entgegenkamen. Plötzlich ertönte eine furchterregende Stimme, die sprach: "Maria, gehe nicht weiter". Sie erschrak udn der Klosterabt erklärte ihr, dass es den Frauen nicht gestattet sei, den Heiligen Berg zu betreten. Sie bat die Allheilige Gottesmutter demütig um Vergebung. An der Stelle, wo sich dieses zutrug, steht heute ein Kreuz zur Erinnerung, der "Kreuz der Königin" genannt wird.

Kloster Heiliger Paulos - Heiliger Berg 

 

Die ehrwürdigen Gaben

Photographien der ehrwürdigen Gaben

















Freitag, 9. Mai 2014

Flugblätter der Weißen Rose

Vom Mai 1942 an fanden sich in verschiedensten Teilen Münchens immer wieder "Flugblätter der Weissen Rose". Das waren mit Schreibmaschine getippte Texte, die die Bürger Deutschlands zum Widerstand gegen die Regierung Hitlers aufriefen und dazu, allen Maßnahmen der Nazis mit "passivem Widerstand" zu begegnen, sie generell und in jeder Weise zu sabotieren, und so "den Boden für einen Sturz dieser 'Regierung' reif zu machen". Die Menschen fanden diese Flugblätter, die sich gegen eine "verantwortungslose und dunklen Trieben ergebene Herrscherclique" richteten, auf Anzeigetafeln und in Telefonzellen, in Toreinfahrten und sogar den Theken von Einkaufsläden. Nach einiger Zeit erhielten Tausende von Adressaten auf dem Territorium des Reichs diese Sendschreiben der geheimnisvollen "Weissen Rose".
Der hohe Stil, die Zitate aus Aristoteles und Lao-Tse, zeigten deutlich, dass die Autoren aus der intellektuellen Schicht stammen mussten. Aber es kann wohl niemand darauf, das sich diesem Krieg auf Gedeih und Verderb gegen Hitler in der Stadt, die die stolze Bezeichnung "Hauptstadt der Bewegung" trug, junge Leute verschrieben haben, die vor kurzem noch in die Schule gingen – Studenten der Medizin aus der Münchner Universität.
Es vergingen viele Jahre, Jahrzehnte sogar, bis das Werk Alexander Schmorells die wohl verdiente Einschätzung erhielt. Und es verging ein halbes Jahrhundert, bis man über ihn in Orenburg erfuhr – der Stadt, in der er geboren und getauft worden war. 
Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst, 1942
Einige der Fllugblätter
I

Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique "regieren" zu lassen. Ist es nicht so, daß sich jeder ehrliche Deutsche heute seiner Regierung schämt, und wer von uns ahnt das Ausmaß der Schmach, die über uns und unsere Kinder kommen wird, wenn einst der Schleier von unseren Augen gefallen ist und die grauenvollsten und jegliches Maß unendlich überschreitenden Verbrechen ans Tageslicht treten? Wenn das deutsche Volk schon so in seinem tiefsten Wesen korrumpiert und zerfallen ist, daß es, ohne eine Hand zu regen, im leichtsinnigen Vertrauen auf eine fragwürdige Gesetzmäßigkeit der Geschichte das Höchste, das ein Mensch besitzt und das ihn über jede andere Kreatur erhöht, nämlich den freien Willen, preisgibt, die Freiheit des Menschen preisgibt, selbst mit einzugreifen in das Rad der Geschichte und es seiner vernünftigen Entscheidung unterzuordnen - wenn die Deutschen, so jeder Individualität bar, schon so sehr zur geistlosen und feigen Masse geworden sind, dann, ja dann verdienen sie den Untergang.

Goethe spricht von den Deutschen als einem tragischen Volke, gleich dem der Juden und Griechen, aber heute hat es eher den Anschein, als sei es eine seichte, willenlose Herde von Mitläufern, denen das Mark aus dem Innersten gesogen und die nun ihres Kernes beraubt, bereit sind, sich in den Untergang hetzen zu lassen. Es scheint so - aber es ist nicht so; vielmehr hat man in langsamer trügerischer, systematischer Vergewaltigung jeden einzelnen in ein geistiges Gefängnis gesteckt, und erst als er darin gefesselt lag, wurde er sich des Verhängnisses bewußt. Wenige nur erkannten das drohende Verderben, und der Lohn für ihr heroisches Mahnen war der Tod. Ueber das Schicksal dieser Menschen wird noch zu reden sein.

Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt, werden die Boten der rächenden Nemesis unaufhaltsam näher und näher rücken, dann wird auch das letzte Opfer sinnlos in den Rachen des unersättlichen Dämons geworfen sein. Daher muß jeder einzelne seiner Verantwortung als Mitglied der christlichen und abendländischen Kultur bewußt in dieser letzten Stunde sich wehren, soviel er kann, arbeiten wider die Geißel der Menschheit, wider den Faschismus und jedes ihm ähnliche System des absoluten Staates. Leistet passiven Widerstand - Widerstand -, wo immer Ihr auch seid, verhindert das Weiterlaufen dieser atheistischen Kriegsmaschine, ehe es zu spät ist, ehe die letzten Städte ein Trümmerhaufen sind, gleich Köln, und ehe die letzte Jugend des Volkes irgendwo für die Hybris eines Untermenschen verblutet ist. Vergeßt nicht, daß ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt!
Aus Friedrich Schiller, "Die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon":

"... Gegen seinen eigenen Zweck gehalten, ist die Gesetzgebung des Lykurgus ein Meisterstück der Staats- und Menschenkunde. Er wollte einen mächtigen, in sich selbst gegründeten, unzerstörbaren Staat; politische Stärke und Dauerhaftigkeit waren das Ziel, wonach er strebte, und dieses Ziel hat er so weit erreicht, als unter seinen Umständen möglich war. Aber hält man den Zweck, welchen Lykurgus sich vorsetzte, gegen den Zweck der Menschheit, so muß eine tiefe Mißbilligung an die Stelle der Bewunderung treten, die uns der erste, flüchtige Blick abgewonnen hat. Alles darf dem Besten des Staates zum Opfer gebracht werden, nur dasjenige nicht, dem der Staat selbst nur als ein Mittel dient. Der Staat selbst ist niemals Zweck, er ist nur wichtig als eine Bedingung, unter welcher der Zweck der Menschheit erfüllt werden kann, und dieser Zweck der Menschheit ist kein anderer als Ausbildung aller Kräfte des Menschen, Fortschreitung. Hindert eine Staatsverfassung, daß alle Kräfte, die im Menschen liegen, sich entwickeln; hindert sie die Fortschreitung des Geistes, so ist sie venverflich und schädlich, sie mag übrigens noch so durchdacht und in ihrer Art noch so vollkommen sein. Ihre Dauerhaftigkeit selbst gereicht ihr alsdann viel mehr zum Vorwurf als zum Ruhme sie ist dann nur ein verlängertes Uebel; je länger sie Bestand hat, um so schädlicher ist sie.
...Auf Unkosten aller sittlichen Gefühle wurde das politische Verdienst errungen und die Fähigkeit dazu ausgebildet. In Sparta gab es keine eheliche Liebe, keine Mutterliebe, keine kindliche Liebe, keine Freundschaft - es gab nichts als Bürger, nichts als bürgerliche Tugend.
... Ein Staatsgesetz machte den Spartanern die Unmenschlichkeit gegen ihre Sklaven zur Pflicht; in diesen unglücklichen Schlachtopfern wurde die Menschheit beschimpft und mißhandelt. In dem spartanischen Gesetzbuch selbst wurde der gefährliche Grundsatz gepredigt, Menschen als Mittel und nicht als Zwecke zu betrachten - dadurch wurden die Grundfesten des Naturrechts und der Sittlichkeit gesetzmäßig eingerissen
.... Welch schöneres Schauspiel gibt der rauhe Krieger Gaius Marcius in seinem Lager vor Rom, der Rache und Sieg aufopfert, weil er die Tränen der Mutter nicht fließen sehen kann!"

"... Der Staat ( des Lykurgus) könnte nur unter der einzigen Bedingung fortdauern, wenn der Geist des Volks stillstünde; er könnte sich also nur dadurch erhalten, daß er den höchsten und einzigen Zweck eines Staates verfehlte."

Aus Goethes "Des Epimenides Erwachen", zweiter Aufzug, vierter Auftritt:  Genien:
.....
Doch was dem Abgrund kühn entstiegen,
Kann durch ein ehernes Geschick
Den halben Weltkreis übersiegen,
Zum Abgrund muß es doch zurück.
Schon droht ein ungeheures Bangen,
Vergebens wird er widerstehn!
Und alle, die noch an ihm hangen,
Sie müssen mit zu Grunde gehn.

Hoffnung:

Nun begegn' ich meinen Braven,
Die sich in der Nacht versammelt,
Um zu schweigen, nicht zu schlafen,
Und das schöne Wort der Freiheit
Wird gelispelt und gestammelt,
Bis in ungewohnter Neuheit
Wir an unsrer Tempel Stufen
Wieder neu entzückt es rufen:
(Mit Ueberzeugung laut:)
Freiheit!
(gemässigter:)
Freiheit!
(von allen Seiten und Enden Echo:)
Freiheit!
-----------------------------------
Wir bitten Sie, dieses Blatt mit möglichst vielen Durchschlägen abzuschreiben und weiter zu verteilen!
Neumärtyrer Alexander Schmorell
II

Man kann sich mit dem Nationalsozialismus geistig nicht auseinandersetzen, weil er ungeistig ist. Es ist falsch, wenn man von einer nationalsozialistischen Weltanschauung spricht, denn wenn es diese gäbe, müßte man versuchen, sie mit geistigen Mitteln zu beweisen oder zu bekämpfen - die Wirklichkeit aber bietet uns ein völlig anderes Bild: schon in ihrem ersten Keim war diese Bewegung auf den Betrug des Mitmenschen angewiesen, schon damals war sie im Innersten verfault und konnte sich nur durch die stete Lüge retten. Schreibt doch Hitler selbst in einer frühen Auflage "seines" Buches (ein Buch, das in dem übelsten Deutsch geschrieben worden ist, das ich je gelesen habe; dennoch ist es von dem Volke der Dichter und Denker zur Bibel erhoben worden): "Man glaubt nicht, wie man ein Volk betrügen muß, um es zu regieren." Wenn sich nun am Anfang dieses Krebsgeschwür des deutschen Volkes noch nicht allzusehr bemerkbar gemacht hatte, so nur deshalb, weil noch gute Kräfte genug am Werk waren, es zurückzuhalten. Wie es aber größer und größer wurde und schließlich mittels einer letzten gemeinen Korruption zur Macht kam, das Geschwür gleichsam aufbrach und den ganzen Körper besudelte, versteckte sich die Mehrzahl der früheren Gegner, flüchtete die deutsche Intelligenz in ein Kellerloch, um dort als Nachtschattengewächs, dem Licht und der Sonne verborgen, allmählich zu ersticken. Jetzt stehen wir vor dem Ende. Jetzt kommt es darauf an, sich gegenseitig wiederzufinden, aufzuklären von Mensch zu Mensch, immer daran zu denken und sich keine Ruhe zu geben, bis auch der Letzte von der äußersten Notwendigkeit seines Kampfes wider dieses System überzeugt ist. Wenn so eine Welle des Aufruhrs durch das Land geht, wenn "es in der Luft liegt", wenn viele mitmachen, dann kann in einer letzten, gewaltigen Anstrengung dieses System abgeschüttelt werden. Ein Ende mit Schrecken ist immer noch besser als ein Schrecken ohne Ende.

Es ist uns nicht gegeben, ein endgültiges Urteil über den Sinn unserer Geschichte zu fällen. Aber wenn diese Katastrophe uns zum Heile dienen soll, so doch nur dadurch: durch das Leid gereinigt zu werden, aus der tiefsten Nacht heraus das Licht zu ersehnen, sich aufzuraffen und endlich mitzuhelfen, das Joch abzuschütteln, das die Welt bedrückt.
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Nicht über die Judenfrage wollen wir in diesem Blatte schreiben, keine Verteidigungsrede verfassen nein, nur als Beispiel wollen wir die Tatsache kurz anführen, die Tatsache, daß seit der Eroberung Polens dreihunderttausend Juden in diesem Land auf bestialischste Art ermordet worden sind. Hier sehen wir das fürchterlichste Verbrechen an der Würde des Menschen, ein Verbrechen, dem sich kein ähnliches in der ganzen Menschengeschichte an die Seite stellen kann. Auch die Juden sind doch Menschen - man mag sich zur Judenfrage stellen wie man will -, und an Menschen wurde solches verübt. Vielleicht sagt jemand, die Juden hätten ein solches Schicksal verdient; diese Behauptung wäre eine ungeheure Anmaßung; aber angenommen, es sagte jemand dies, wie stellt er sich dann zu der Tatsache, daß die gesamte polnische adlige Jugend vernichtet worden ist (gebe Gott, daß sie es noch nicht ist!)? Auf welche Art, fragen Sie, ist solches geschehen? Alle männlichen Sprößlinge aus adeligen Geschlechtern zwischen 15 und 20 Jahren wurden in Konzentrationslagern nach Deutschland zu Zwangsarbeit, alle Mädchen gleichen Alters nach Norwegen in die Bordelle der SS verschleppt! Wozu wir dies Ihnen alles erzählen, da Sie es schon selber wissen, wenn nicht diese, so andere gleich schwere Verbrechen des fürchterlichen Untermenschentums? Weil hier eine Frage berührt wird, die uns alle zutiefst angeht und allen zu denken geben muß. Warum verhält sich das deutsche Volk angesichts all dieser scheußlichsten, menschenunwürdigsten Verbrechen so apathisch? Kaum irgend jemand macht sich Gedanken darüber. Die Tatsache wird als solche hingenommen und ad acta gelegt. Und wieder schläft das deutsche Volk in seinem stumpfen, blöden Schlaf weiter und gibt diesen faschistischen Verbrechern Mut und Gelegenheit, weiterzuwüten - und diese tun es. Sollte dies ein Zeichen dafür sein, daß die Deutschen in ihren primitivsten menschlichen Gefühlen verroht sind, daß keine Saite in ihnen schrill aufschreit, im Angesicht solcher Taten, daß sie in einen tödlichen Schlaf versunken sind, aus dem es kein Erwachen mehr gibt, nie, niemals? Es scheint so und ist es bestimmt, wenn der Deutsche nicht endlich aus dieser Dumpfheit auffährt, wenn er nicht protestiert, wo immer er nur kann, gegen diese Verbrecherclique, wenn er mit diesen Hunderttausenden von Opfern nicht mitleidet. Und nicht nur Mitleid muß er empfinden, nein, noch viel mehr: Mitschuld. Denn er gibt durch sein apathisches Verhalten diesen dunklen Menschen erst die Möglichkeit, so zu handeln, er leidet diese "Regierung", die eine so unendliche Schuld auf sich geladen hat, ja, er ist doch selbst schuld daran, daß sie überhaupt entstehen konnte! Ein jeder will sich von einer solchen Mitschuld freisprechen, ein jeder tut es und schläft dann wieder mit ruhigstem, bestem Gewissen. Aber er kann sich nicht freisprechen, ein jeder ist schuldig, schuldig, schuldig! Doch ist es noch nicht zu spät, diese abscheulichste aller Mißgeburten von Regierungen aus der Welt zu schaffen, um nicht noch mehr Schuld auf sich zu laden. Jetzt, da uns in den letzten Jahren die Augen vollkommen geöffnet worden sind, da wir wissen, mit wem wir es zu tun haben, jetzt ist es allerhöchste Zeit, diese braune Horde auszurotten. Bis zum Ausbruch des Krieges war der größte Teil des deutschen Volkes geblendet, die Nationalsozialisten zeigten sich nicht in ihrer wahren Gestalt, doch jetzt, daman sie erkannt hat, muß es die einzige und höchste Pflicht, ja heiligste Pflicht eines jeden Deutschen sein, diese Bestien zu vertilgen !

"Der, des Verwaltung unauffällig ist, des
Volk ist froh.Der, des Verwaltung aufdring-
lich ist, des Volk ist gebrochen.
Elend, ach, ist es, worauf Glück sich auf-
baut. Glück, ach, verschleiert nur Elend. Wo
soll das hinaus? Das Ende ist nicht abzu-
sehen. Das Geordnete verkehrt sich in Unord-
nung, das Gute verkehrt sich in Schlechtes.
Das Volk gerät in Verwirrung. Ist es nicht so
täglich seit langem ?
Daher ist der Hohe Mensch rechteckig, aber
er stößt nicht an, er ist kantig, aber
verletzt nicht, er ist aufrecht, aber nicht
schroff. Er ist klar, aber will nicht
glänzen. "          Lao-tse.
. . . . .

"Wer unternimmt, das Reich zu beherrschen und es nach seiner Willkür zu gestalten; ich sehe ihn sein Ziel nicht erreichen; das ist alles."
"Das Reich ist ein lebendiger Organismus; es kann nicht gemacht werden, wahrlich! Wer daran machen will, verdirbt es, wer sich seiner bemächtigen will, verliert es."
Daher: "Von den Wesen gehen manche voraus, andere folgen ihnen, manche atmen warm, manche kalt, manche sind stark, manche schwach, manche erlangen Fülle, andere unterliegen."
"Der Hohe Mensch daher läßt ab von Übertriebenheit, läßt ab von Überhebung, läßt ab von Übergriffen."     Lao-tse

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Wir bitten, diese Schrift mit möglichst vielen Durchschlägen abzuschreiben und weiterzuverteilen.

III
"Salus publica suprema lex"
Alle idealen Staatsformen sind Utopien. Ein Staat kann nicht rein theoretisch konstruiert werden, sondern er muß ebenso wachsen, reifen wie der einzelne Mensch. Aber es ist nicht zu vergessen, daß am Anfang einer jeden Kultur die Vorform des Staates vorhanden war. Die Familie ist so alt wie die Menschen selbst, und aus diesem anfänglichen Zusammensein hat sich der vernunftbegabte Mensch einen Staat geschaffen, dessen Grund die Gerechtigkeit und dessen höchstes Gesetz das Wohl Aller sein soll. Der Staat soll eine Analogie der göttlichen Ordnung darstellen, und die höchste aller Utopien, die civitas dei, ist das Vorbild, dem er sich letzten Endes nähern soll. Wir wollen hier nicht urteilen über die verschiedenen möglichen Staatsformen, die Demokratie, die konstitutionelle Monarchie, das Königtum usw. Nur eines will eindeutig und klar herausgehoben werden: jeder einzelne Mensch hat einen Anspruch auf einen brauchbaren und gerechten Staat, der die Freiheit des einzelnen als auch das Wohl der Gesamtheit sichert. Denn der Mensch soll nach Gottes Willen frei und unabhängig im Zusammenleben und Zusammenwirken der staatlichen Gemeinschaft sein natürliches Ziel, sein irdisches Glück in Selbständigkeit und Selbsttätigkeit zu erreichen suchen.
Unser heutiger "Staat" aber ist die Diktatur des Bösen. "Das wissen wir schon lange", höre ich Dich einwenden, "und wir haben es nicht nötig, daß uns dies hier noch einmal vorgehalten wird." Aber, frage ich Dich, wenn Ihr das wißt, warum regt Ihr Euch nicht, warum duldet Ihr, daß diese Gewalthaber Schritt für Schritt offen und im verborgenen eine Domäne Eures Rechts nach der anderen rauben, bis eines Tages nichts, aber auch gar nichts übrigbleiben wird als ein mechanisiertes Staatsgetriebe, kommandiert von Verbrechern und Säufern? Ist Euer Geist schon so sehr der Vergewaltigung unterlegen, daß Ihr vergeßt, daß es nicht nur Euer Recht, sondern Eure sittliche Pflicht ist, dieses System zu beseitigen? Wenn aber ein Mensch nicht mehr die Kraft aufbringt, sein Recht zu fordern, dann muß er mit absoluter Notwendigkeit untergehen. Wir würden es verdienen, in alle Welt verstreut zu werden wie der Staub vor dem Winde, wenn wir uns in dieser zwölften Stunde nicht aufrafften und endlich den Mut aufbrächten, der uns seither gefehlt hat. Verbergt nicht Eure Feigheit unter dem Mantel der Klugheit. Denn mit jedem Tag, da Ihr noch zögert, da Ihr dieser Ausgeburt der Hölle nicht widersteht, wächst Eure Schuld gleich einer parabolischen Kurve höher und immer höher.
Viele, vielleicht die meisten Leser dieser Blätter sind sich darüber nicht klar, wie sie einen Widerstand ausüben sollen. Sie sehen keine Möglichkeiten. Wir wollen versuchen, ihnen zu zeigen, daß ein jeder in der Lage ist, etwas beizutragen zum Sturz dieses Systems. Nicht durch individualistische Gegnerschaft, in der Art verbitterter Einsiedler, wird es möglich werden, den Boden für einen Sturz dieser "Regierung" reif zu machen oder gar den Umsturz möglichst bald herbeizuführen, sondern nur durch die Zusammenarbeit vieler überzeugter, tatkräftiger Menschen, Menschen, die sich einig sind, mit welchen Mitteln sie ihr Ziel erreichen können. Wir haben keine reiche Auswahl an solchen Mitteln, nur ein einziges steht uns zur Verfügung - der passive Widerstand.
Der Sinn und das Ziel des passiven Widerstandes ist, den Nationalsozialismus zu Fall zu bringen, und in diesem Kampf ist vor keinem Weg, vor keiner Tat zurückzuschrecken, mögen sie auf Gebieten liegen, auf welchen sie auch wollen. An allen Stellen muß der Nationalsozialismus angegriffen werden, an denen er nur angreifbar ist. Ein Ende muß diesem Unstaat bald bereitet werden - ein Sieg des faschistischen Deutschland in diesem Kriege hätte unabsehbare, fürchterliche Folgen. Nicht der militärische Sieg über den Bolschewismus darf die erste Sorge für jeden Deutschen sein, sondern die Niederlage der Nationalsozialisten. Dies muß unbedingt an erster Stelle stehen. Die größere Notwendigkeit dieser letzten Forderung werden wir Ihnen in einem unserer nächsten Blätter beweisen.
Und jetzt muß sich jeder entschiedene Gegner des Nationalsozialismus die Frage vorlegen: Wie kann er gegen den gegenwärtigen "Staat" am wirksamsten ankämpfen, wie ihm die empfindlichsten Schläge beibringen? Durch den passiven Widerstand - zweifellos. Es ist klar, daß wir unmöglich für jeden einzelnen Richtlinien für sein Verhalten geben können, nur allgemein andeuten können wir, den Weg zur Verwirklichung muß jeder selber finden.
Sabotage in rüstungs- und kriegswichtigen Betrieben, Sabotage in allen Versammlungen, Kundgebungen, Festlichkeiten, Organisationen, die durch die nationalsozialistische Partei ins Leben gerufen werden. Verhinderung des reibungslosen Ablaufs der Kriegsmaschine (einer Maschine, die nur für einen Krieg arbeitet, der allein um die Rettung und Erhaltung der nationalsozialistischen Partei und ihrer Diktatur geht). Sabotage auf allen wissenschaftlichen und geistigen Gebieten, die für eine Fortführung des gegenwärtigen Krieges tätig sind - sei es in Universitäten, Hochschulen, Laboratorien, Forschungsanstalten, technischen Büros. Sabotage in allen Veranstaltungen kultureller Art, die das "Ansehen" der Faschisten im Volke heben könnten. Sabotage in allen Zweigen der bildenden Künste, die nur im geringsten im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus stehen und ihm dienen. Sabotage in allem Schrifttum, allen Zeitungen, die im Solde der "Regierung" stehen, für ihre Ideen, für die Verbreitung der braunen Lüge kämpfen. Opfert nicht einen Pfennig bei Straßensammlungen (auch wenn sie unter dem Deckmantel wohltätiger Zwecke geführt werden). Denn dies ist nur eine Tarnung. In Wirklichkeit kommt das Ergebnis weder dem Roten Kreuz noch den Notleidenden zugute. Die Regierung braucht das Geld nicht, ist auf diese Sammlungen finanziell nicht angewiesen - die Druckmaschinen laufen ja ununterbrochen und stellen jede beliebige Menge von Papiergeld her. Das Volk muß aber dauernd in Spannung gehalten werden, nie darf der Druck der Kandare nachlassen! Gebt nichts für die Metall-, Spinnstoff- und andere Sammlungen. Sucht alle Bekannten auch aus den unteren Volksschichten von der Sinnlosigkeit einer Fortführung, von der Aussichtslosigkeit dieses Krieges, von der geistigen und wirtschaftlichen Versklavung durch den Nationalsozialismus, von der Zerstörung aller sittlichen und religiösen Werte zu überzeugen und zum passiven Widerstand zu veranlassen!
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Aristoteles, "Ueber die Politik": ..... "Ferner gehört es (zum Wesen der Tyrannis), dahin zu streben, daß ja nichts verborgen bleibe, was irgendein Untertan spricht oder tut, sondern überall Späher ihn belauschen... ferner alle Welt miteinander zu verhexen und Freunde mit Freunden zu verfeinden und das Volk mit den Vornehmen und die Reichen unter sich. Sodann gehört es zu solchen tyrannischen Maßregeln, die Untertanen arm zu machen, damit die Leibwache besoldet werden kann, und sie, mit der Sorge um ihren täglichen Erwerb beschäftigt, keine Zeit und Muße haben, Verschwörungen anzustiften... Ferner aber auch solche Einkommensteuern, wie die in Syrakus auferlegten, denn unter Dionysios hatten die Bürger dieses Staates in fünf Jahren glücklich ihr ganzes Vermögen in Steuern ausgegeben. Und auch beständig Kriege zu erregen, ist der Tyrann geneigt..."
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IV

Es ist eine alte Weisheit, die man Kindern immer wieder aufs neue predigt, daß, wer nicht hören will, fühlen muß. Ein kluges Kind wird sich aber die Finger nur einmal am heißen Ofen verbrennen.

In den vergangenen Wochen hatte Hitler sowohl in Afrika als auch in Rußland Erfolge zu verzeichnen. Die Folge davon war, daß der Optimismus auf der einen, die Bestürzung und der Pessimismus auf der anderen Seite des Volkes mit einer der deutschen Trägheit unvergleichlichen Schnelligkeit anstieg. Allenthalben hörte man unter den Gegnern Hitlers, also unter dem besseren Teil des Volkes, Klagerufe, Worte der Enttäuschung und der Entmutigung, die nicht selten in dem Ausruf endigten: "Sollte nun Hitler doch...?"

Indessen ist der deutsche Angriff auf Ägypten zum Stillstand gekommen, Rommel muß in einer gefährlichen, exponierten Lage verherren - aber noch geht der Vormarsch im Osten weiter. Dieser scheinbare Erfolg ist unter den grauenhaftesten Opfern erkauft worden, so daß er schon nicht mehr als vorteilhaft bezeichnet werden kann. Wir warnen daher vor jedem Optimismus.

Wer hat die Toten gezählt, Hitler oder Goebbels - wohl keiner von beiden. Täglich fallen in Rußland Tausende. Es ist die Zeit der Ernte, und der Schnitter fährt mit vollem Zug in die reife Saat. Die Trauer kehrt ein in die Hütten der Heimat, und niemand ist da, der die Tränen der Mütter trocknet, Hitler aber belügt die, deren teuerstes Gut er geraubt und in den sinnlosen Tod getrieben hat.

Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist Lüge. Wenn er Frieden sagt, meint er den Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan. Sein Mund ist der stinkende Rachen der Hölle, und seine Macht ist im Grunde verworfen. Wohl muß man mit rationalen Mitteln den Kampf wider den nationalsozialistischen Terrorstaat führen; wer aber heute noch an der realen Existenz der dämonischen Mächte zweifelt, hat den metaphysischen Hintergrund dieses Krieges bei weitem nicht begriffen. Hinter dem Konkreten, hinter dem sinnlich Wahrnehmbaren, hinter allen sachlichen, logischen Überlegungen steht das Irrationale, d. i. der Kampf wider den Dämon, wider den Boten des Antichrist. Überall und zu allen Zeiten haben die Dämonen im Dunkeln gelauert auf die Stunde, da der Mensch schwach wird, da er seine ihm von Gott auf Freiheit gegründete Stellung im ordo eigenmächtig verläßt, da er dem Druck des Bösen nachgibt, sich von den Mächten höherer Ordnung loslöst und so, nachdem er den ersten Schritt freiwillig getan, zum zweiten und dritten und immer weiter getrieben wird mit rasend steigernder Geschwindigkeit - überall und zu allen Zeiten der höchsten Not sind Menschen aufgestanden, Propheten, Heilige, die ihre Freiheit gewahrt hatten, die auf den Einzigen Gott hinwiesen und mit seiner Hilfe das Volk zur Umkehr mahnten. Wohl ist der Mensch frei, aber er ist wehrlos wider das Böse ohne den wahren Gott, er ist wie ein Schiff ohne Ruder, dem Sturme preisgegeben, wie ein Säugling ohne Mutter, wie eine Wolke, die sich auflöst.
Gibt es, so frage ich Dich, der Du ein Christ bist, gibt es in diesem Ringen um die Erhaltung Deiner höchsten Güter ein Zögern, ein Spiel mit Intrigen, ein Hinausschieben der Entscheidung in der Hoffnung, daß ein anderer die Waffen erhebt, um Dich zu verteidigen? Hat Dir nicht Gott selbst die Kraft und den Mut gegeben zu kämpfen? Wir müssen das Böse dort angreifen, wo es am mächtigsten ist, und es ist am mächtigsten in der Macht Hitlers.
"Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne; und siehe, da waren Tränen derer, so Unrecht litten und hatten keinen Tröster; und die ihnen Unrecht taten, waren so mächtig, daß sie keinen Tröster haben konnten.
Da lobte ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr denn die Lebendigen, die noch das Leben hatten..." (Sprüche.)

Novalis: "Wahrhafte Anarchie ist das Zeugungselement der Religion. Aus der Vernichtung alles Positiven hebt sie ihr glorreiches Haupt als neue Weltstifterin empor... Wenn Europa wieder erwachen wollte, wenn ein Staat der Staaten, eine politische Wissenschaftslehre uns bevorstände! Sollte etwa die Hierarchie... das Prinzip des Staatenvereins sein?... Es wird so lange Blut über Europa strömen, bis die Nationen ihren fürchterlichen Wahnsinn gewahr werden, der sie im Kreis herumtreibt, und von heiliger Musik getroffen und besänftigt zu ehemaligen Altären in bunter Vermischung treten, Werke des Friedens vernehmen und ein großes Friedensfest auf den rauchenden Walstätten mit heißen Tränen gefeiert wird. Nur die Religion kann Europa wieder aufwecken und das Völkerrecht sichern und die Christenheit mit neuer Herrlichkeit sichtbar auf Erden in ihr friedenstiftendes Amt installieren."

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß die Weiße Rose nicht im Solde einer ausländischen Macht steht. Obgleich wir wissen, daß die nationalsozialistische Macht militärisch gebrochen werden muß, suchen wir eine Erneuerung des schwerverwundeten deutschen Geistes von innen her zu erreichen. Dieser Wiedergeburt muß aber die klare Erkenntnis aller Schuld, die das deutsche Volk auf sich geladen hat, und ein rücksichtsloser Kampf gegen Hitler und seine allzuvielen Helfershelfer, Parteimitglieder, Quislinge usw. vorausgehen. Mit aller Brutalität muß die Kluft zwischen dem besseren Teil des Volkes und allem, was mit dem Nationalsozialismus zusammenhängt, aufgerissen werden. Für Hitler und seine Anhänger gibt es auf dieser Erde keine Strafe, die ihren Taten gerecht wäre. Aber aus Liebe zu kommenden Generationen muß nach Beendigung des Krieges ein Exempel statuiert werden, daß niemand auch nur die geringste Lust je verspüren sollte, Ähnliches aufs neue zu versuchen. Vergeßt auch nicht die kleinen Schurken dieses Systems, merkt euch die Namen, auf daß keiner entkomme! Es soll ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach diesen Scheußlichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts gewesen wäre!

Zu Ihrer Beruhigung möchten wir noch hinzufügen, daß die Adressen der Leser der Weißen Rose nirgendwo schriftlich niedergelegt sind. Die Adressen sind willkürlich Adreßbüchern entnommen.

Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen; die Weiße Rose läßt Euch keine Ruhe!
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V
A u f r u f   a n   a l l e   D e u t s c h e !

Der Krieg geht seinem sicheren Ende entgegen. Wie im Jahre 1918 versucht die deutsche Regierung alle Aufmerksamkeit auf die wachsende U-Boot-Gefahr zu lenken, während im Osten die Armeen unaufhörlich zurückströmen, im Westen die Invasion erwartet wird. Die Rüstung Amerikas hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, aber heute schon übertrifft sie alles in der Geschichte seither Dagewesene. Mit mathematischer Sicherheit führt Hitler das deutsche Volk in den Abgrund. Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlängern! Seine und seiner Helfer Schuld hat jedes Maß unendlich überschritten. Die gerechte Strafe rückt näher und näher!

Was aber tut das deutsche Volk? Es sieht nicht und es hört nicht. Blindlings folgt es seinen Verführern ins Verderben. Sieg um jeden Preis! haben sie auf ihre Fahne geschrieben. Ich kämpfe bis zum letzten Mann, sagt Hitler - indes ist der Krieg bereits verloren.

Deutsche! Wollt Ihr und Eure Kinder dasselbe Schicksal erleiden, das den Juden widerfahren ist? Wollt Ihr mit dem gleichen Maß gemessen werden wie Eure Verführer? Sollen wir auf ewig das von aller Welt gehaßte und ausgestoßene Volk sein? Nein! Darum trennt Euch von dem nationalsozialistischen Untermenschentum! Beweist durch die Tat, daß Ihr anders denkt! Ein neuer Befreiungskrieg bricht an. Der bessere Teil des Volkes kämpft auf unserer Seite. Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt! Entscheidet Euch, ehe es zu spät ist!

Glaubt nicht der nationalsozialistischen Propaganda, die Euch den Bolschewistenschreck in die Glieder gejagt hat! Glaubt nicht, daß Deutschlands Heil mit dem Sieg des Nationalsozialismus auf Gedeih und Verderben verbunden sei! Ein Verbrechertum kann keinen deutschen Sieg erringen. Trennt Euch rechtzeitig von allem, was mit dem Nationalsozialismus zusammenhängt! Nachher wird ein schreckliches, aber gerechtes Gericht kommen über die, so sich feig und unentschlossen verborgen hielten.

Was lehrt uns der Ausgang dieses Krieges, der nie ein nationaler war?

Der imperialistische Machtgedanke muß, von welcher Seite er auch kommen möge, für alle Zeit unschädlich gemacht werden. Ein einseitiger preußischer Militarismus darf nie mehr zur Macht gelangen. Nur in großzügiger Zusammenarbeit der europäischen Völker kann der Boden geschaffen werden, auf welchem ein neuer Aufbau möglich sein wird. Jedezentralistische Gewalt, wie sie der preußische Staat in Deutschland und Europa auszuüben versucht hat, muß im Keime erstickt werden. Das kommende Deutschland kann nur föderalistisch sein. Nur eine gesunde föderalistische Staatenordnung vermag heute noch das geschwächte Europa mit neuem Leben zu erfüllen. Die Arbeiterschaft muß durch einen vernünftigen Sozialismus aus ihrem Zustand niedrigster Sklaverei befreit werden. Das Truggebilde der autarken Wirtschaft muß in Europa verschwinden. Jedes Volk, jedes einzelne hat ein Recht auf die Güter der Welt!
Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.

Unterstützt die Widerstandsbewegung, verbreitet die Flugblätter!
VI
Kommilitonen! Kommilitoninnen!

Erschüttert steht unser Volk vor dem Untergang der Männer von Stalingrad. Dreihundertdreißigtausend deutsche Männer hat die geniale Strategie des Weltkriegsgefreiten sinn - und verantwortungslos in Tod und Verderben gehetzt. Führer, wir danken dir!

Es gärt im deutschen Volk: Wollen wir weiter einem Dilettanten das Schicksal unserer Armeen anvertrauen? Wollen wir den niederen Machtinstinkten einer Parteiclique den Rest der deutschen Jugend opfern? Nimmermehr!

Der Tag der Abrechnung ist gekommen, der Abrechnung der deutschen Jugend mit der verabscheuungswürdigsten Tyrannis, die unser Volk je erduldet hat. Im Namen der deutschen Jugend fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut des Deutschen zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen hat.

In einem Staat rücksichtsloser Knebelung jeder freien Meinungsäußerung sind wir aufgewachsen. HJ, SA, SS haben uns in den fruchtbarsten Bildungsjahren unseres Lebens zu uniformieren, zu revolutionieren, zu narkotisieren versucht. "Weltanschauliche Schulung" hieß die verächtliche Methode, das aufkeimende Selbstdenken in einem Nebel leerer Phrasen zu ersticken. Eine Führerauslese, wie sie teuflischer und bornierter zugleich nicht gedacht werden kann, zieht ihre künftigen Parteibonzen auf Ordensburgen zu gottlosen, schamlosen und gewissen- losen Ausbeutern und Mordbuben heran, zur blinden, stupiden Führergefolgschaft. Wir "Arbeiter des Geistes" wären gerade recht, dieser neuen Herrenschicht den Knüppel zu machen. Frontkämpfer werden von Studentenführern und Gauleiteraspiranten wie Schuljungen gemaßregelt, Gauleiter greifen mit geilen Späßen den Studentinnen an die Ehre. Deutsche Studentinnen haben an der Münchner Hochschule auf die Besudelung ihrer Ehre eine würdige Antwort gegeben, deutsche Studenten haben sich für ihre Kameradinnen eingesetzt und standgehalten... Das ist ein Anfang zur Erkämpfung unserer freien Selbstbestimmung, ohne die geistige Werte nicht geschaffen werden können. Unser Dank gilt den tapferen Kameradinnen und Kameraden, die mit leuchtendem Beispiel vorangegangen sind!

Es gibt für uns nur eine Parole: Kampf gegen die Partei! Heraus aus den Parteigliederungen, in denen man uns weiter politisch mundtot halten will! Heraus aus den Hörsälen der SS-Unter und -Oberführer und Parteikriecher! Es geht uns um wahre Wissenschaft und echte Geistesfreiheit! Kein Drohmittel kann uns schrecken, auch nicht die Schließung unserer Hoch- schulen. Es gilt den Kampf jedes einzelnen von uns um unsere Zukunft, unsere Freiheit und Ehre in einem seiner sittlichen Verantwortung bewußten Staatswesen.

Freiheit und Ehre! Zehn lange Jahre haben Hitler und seine Genossen die beiden herrlichen deutschen Worte bis zum Ekel ausgequetscht, abgedroschen, verdreht, wie es nur Dilettanten vermögen, die die höchsten Werte einer Nation vor die Säue werfen. Was ihnen Freiheit und Ehre gilt, haben sie in zehn Jahren der Zerstörung aller materiellen und geistigen Freiheit, aller sittlichen Substanzen im deutschen Volk genugsam gezeigt. Auch dem dümmsten Deutschen hat das furchtbare Blutbad die Augen geöffnet, das sie im Namen von Freiheit und Ehre der deutschen Nation in ganz Europa angerichtet haben und täglich neu anrichten. Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich, ihre Peiniger zerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet.

Studentinnen! Studenten! Auf uns sieht das deutsche Volk! Von uns erwartet es, wie 1813 die Brechung des Napoleonischen, so 1943 die Brechung des nationalsozialistischen Terrors aus der Macht des Geistes.

Beresina und Stalingrad flammen im Osten auf, die Toten von Stalingrad beschwören uns!

"Frisch auf mein Volk, die Flammenzeichen rauchen!"
Unser Volk steht im Aufbruch gegen die Verknechtung Europas durch den Nationalsozialismus, im neuen gläubigen Durchbruch von Freiheit und Ehre!

http://www.sobor.de/

Dienstag, 1. April 2014

Eine kurze Geschichte des Jerusalemer Patriarchates


       Die Geschichte des Griechisch Orthodoxen Patriarchates von Jerusalem, das auch als das „Römisch - Byzantinische Patriarchat" (Deir Rum) bekannt ist, ist eine Geschichte der Heiligkeit, des Martyriums und des fortwährenden Kampfes der Kirche Christi und seiner christlichen Herde.
       A. Die Gründung der Kirche von Jerusalem erfolgte an Pfingsten, mit der Herabkunft des Heiligen Geistes, mit welchem die Heiligen Apostel auf den Befehl des auferstandenen Herrn Jesus Christus hin, das Heilige Evangelium in der ganzen Welt verkündeten. Der erste Bischof der Kirche von Jerusalem war der Märtyrer und Apostel, der Heilige Jakobus, der Bruder des Herrn (+62AD).
       Nach der ersten Christenverfolgung durch den rabbinischen Judaismus und der Zerstörung Jerusalems durch den römischen General Titus (70 AD), wurde der Sitz der Kirche Jerusalems in die Stadt Pella am östlichen Ufer des Jordanflusses verlegt: dann nahm die Kirche des Heiligen Landes viele Griechen auf, die Nachkommen der Eroberung Alexander des Großen, während die Zahl der jüdischen Christen abnahm. Die Kirche wurde mehr und mehr griechisch und breitete sich in ganz Palästina aus. Ein Teil der Kirche kehrte zurück und ließ sich in Jerusalem nieder.
       Die letzten Mitglieder der Kirche in Pella kamen nach der Revolution von Bar Kochba (135 AD) nach Jerusalem zurück und ließen sich dort nieder. Jerusalem wurde damals von den Römern das „Aelische Kapitol" genannt, sie machten es zu einem verbotenen Territorium für die Juden, während über den Heiligen Stätten Göttertempel erbaut worden wurden.
       Während dieser Zeit war die Hauptniederlassung für die Organisation der Kirche des Heiligen Landes die Stadt Caesaräa, als Metropolis, unter der sich der Bischofsitz von Aelias, nämlich Jerusalem, befand. Die Christen des Heiligen Landes erlitten schwere Verfolgungen, und viele von ihnen erlitten das Martyrium unter den römischen Kaisern Hadrian, Decius, Diokletian und Maximian.

                                                    

       B.
 Jerusalem erlebte eine Blütezeit unter der Herrschaft des Heiligen Königs und Apostelgleichen Konstantin des Großen (324 n.Chr.), bis zu Beginn des siebten Jahrhunderts. Mit der Hilfe des Heiligen Konstantin und der Königinmutter, der Heiligen Helena, wurde sowohl das Heilige Kreuz als auch das leere Grab der Auferstehung Christi gefunden. Sie machten auch all die anderen heiligen Stätten des irdischen Heilshandelns des göttlichen Wortes (Logos), unseres Herrn Jesus Christus, bekannt und schmückten sie, indem sie ungefähr 25 wunderschöne heilige Kirchen bauten, über dem Heiligen Grab, dem grauenvollen Golgotha, der Stelle, an der das Kreuz aufgefunden wurde, der gottbegnadeten Grotte der Geburt Christi, des Platzes der Himmelfahrt des Herrn und an anderen heiligen Orten (326-335). Die Bischöfe von Jerusalem erwiesen sich als wichtige Personen im Kampf gegen die Häresien, so z.B. der Heilige „Kyrill der Katechet" gegen die Häresie des Arianismus. Das Mönchtum entfaltete sich immer weiter und erhielt eine mehr organisierte Form durch die Systeme der Lavra der Heiligen Hilarion und Chariton zu Beginn des vierten Jahrhunderts.
       Nach und nach wurde der Bischofsitz von Jerusalem, der zu einem Heiligtum für alle Christen geworden war, die Metropolis der drei Bezirke Palästinas (zu Beginn des 5. Jahrhunderts), während die Form ihres Gottesdienstes, das Typikon, sich ständig vorbildlich entwickelte, und die Sprache des Gottesdienstes fast ausschließlich griechisch blieb.
       Schließlich erhob die Vierte Ökumenische Synode von Chalzedon (451) die Kirche von Jerusalem zum Patriarchat, zu einem der fünf größten kirchlichen Zentren der damaligen Welt (dem Pentarchat der Patriarchate), gemäß der Stellung, die es im Bewußtsein der Christen für die hervorragende Gottesverehrung, die Theologie und das monastische Leben, für seine Kämpfe um die Orthodoxie und für seine unvergeßliche kirchliche Architektur einnahm.
       Das Mönchtum der Jerusalemer Kirche schenkte der Kirche während des 5. und 6. Jahrhunderts einige der leuchtendsten asketischen Gestalten: den Heiligen Efthymios den Großen, den Heiligen Gerasimos, Savvas den Geheiligten und Kyriakos den Anachoreten, den Heiligen Theodosius den Zönobiarchen, den Organisator des zönobitischen Mönchtums und viele andere, die die vertrockneten Wüsten Judäas und Palästinas in Städte (Tausende von Mönchen lebten dort) engelgleichen Lebens verwandelten. Der Orden der „Spoudaion" der Auferstehungskirche („Spoudaion" bedeutete im damaligen Sprachgebrauch „derjenigen die hart arbeiteten"), d.h. die frühe Form der Bruderschaft des Heiligen Grabes, wurde entweder von Bischof Alexander während des 3. Jahrhunderts gegründet, oder er wurde schließlich während der Periode nach dem Wiederaufbau der Auferstehungskirche Ende des 5. Jahrhunderts AD unter dem Patriarchen Elijah dem Ersten im Bereich um das Heilige Grab ansässig. Neben der Sorge für ihre Herde und ihre Asketen trugen die Patriarchen von Jerusalem und die oben erwähnten monastischen Führer wesentlich zum Kampf gegen die Häresien des Monophysitismus und des Origenismus bei. Jerusalem wurde zu einem Zentrum christlicher Gottesverehrung und kirchlicher Literatur, während die Wohltaten des Kaisers Justinian diejenigen des vergangenen Jahrhunderts ergänzten, verstärkten solche, wie die tatkräftige Kaiserin Evdokia von Athen, die Wohltäterin des Heiligen Landes (Mitte des 5. Jahrhunderts) diesen Fortschritt noch mehr. Kurz bevor Jerusalem am 19. Mai 614 in die Hände der Perser von Chosrou fiel, war ihre Kirche auf ihrem Höhepunkt, es gab vier große kirchliche Metropolen: Cäsaräa, Skythoupolis, Petra und Vostron und ca. 365 Klöster.
       Die Zerstörung durch die Perser, ein trauriger Meilenstein in der Geschichte der Kirche Zions, hinterließ 65 000 Tote in Jerusalem und machte alle Heiligen Stätten und Klöster dem Erdboden gleich. Das Heilige Kreuz, der Patriarch Zacharias und die Würdenträger von Jerusalem wurden nach Persien in die Gefangenschaft geführt. Der Stellvertreter des Thrones und spätere Patriarch von Jerusalem, der Heilige Modestos, stellte die Heiligen Stätten in größerem Glanz wieder her, während Kaiser Herakleos nach jahrelangem Krieg die Perser 627 n.Chr. in die Flucht schlug und das Heilige Kreuz wieder fand, das er 630 n.Chr. triumphal nach Jerusalem zurückbrachte,  zusammen mit den Gefangenen. Dennoch, konnte Herakleos einige Jahre später die Flut der vorrückenden Araber nicht aufhalten, und im Jahr 638 n.Chr. wurde Jerusalem, endgültig getrennt vom griechisch-römischen Kaiserreich und fiel in die Hände der Araber.
        C. Trotz des guten Willens des Eroberers von Jerusalem, Omar Ibn Al-Hattab, gegenüber den Christen und ihrem Patriarchen, dem Heiligen Sophronius, dauerte die Periode des größten Leids des Jerusalemer Patriarchates mehr als ein Jahrtausend. Durch seinen persönlichen Befehl (Actiname), erkannte Kalif Omar den Patriarchen der „Königlichen Nation" (d.h. Byzanz)in seiner Eigenschaft als Herrscher der Nation und geistlichen Führer aller Christen Palästinas, selbst der heterodoxen, an, und ebenso als Ehrenbotschafter zwischen allen christlichen Führern, indem er ihm Wohlwollen garantierte, Sicherheit und Steuerfreiheit auch unter den künftigen muselmanischen Herrschern.
       Seine Nachfolger, willkürliche arabische Führer, waren dennoch sehr hart. Die christliche Gemeinde begann unter koordinierten Islamisierungsversuchen zu leiden und den Versuchen sie zu enthellenisieren. Trotz der widrigen äußeren Umstände wurde das geistliche Leben von den verfolgten Christen immer weiter gepflegt, und die Kirche von Jerusalem spielte eine wichtige Rolle bei der Überwindung der Häresien des Monotheletismus und des Ikonoklasmus und selbst beim ersten Auftreten des „filioque", der Häresie der Frankopapisten in Jerusalem (808 n.Chr.). Von den vielen berühmten Theologen, ist es wert, den Heiligen Patriarchen Sophronius (+ 638) und den sabbaitischen Priestermönch, den Heiligen Johannes Damaskinos (ca. +784), einen der Koryphäen und einzigartigen Persönlichkeiten der Theologie und Hymnographie, zu nennen.
       Das neunte Jahrhundert war, wie auch das achte, gekennzeichnet durch die Verfolgungen der Christen und die schweren Plünderungen der Heiligen Stätten, der Kirchen, Klöster und der einfachen Gläubigen, während noch ein Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Teilen der Araber und Unterdrückungsmaßnahmen hinzukamen. Dazu gehörte das Verbot von Prozessionen und des Lehrens der griechischen Sprache, so daß für die Gemeinde der Gebrauch der griechischen Sprache auf die Gottesdienste in den Kirchen beschränkt war, ebenso die wiederholte Entsakralisierung und Zerstörung der Auferstehungskirche und des übrigen Heiligen Landes, die Exile und Ermordungen der Patriarchen etc. Der Höhepunkt des Bösen ereignete sich unter Kalif Al-Hakim (1007), der die bis dahin schlimmste Verfolgung von allen auslöste. Neben der Herabwürdigung der Christen und der Konfiszierung des Vermögens der Heiligtümer, wurden die Auferstehungskirche und die umliegenden Klöster zerstört, ebenso das Heiligtum des Heiligen Georg in Lydda, während die Verfolgungen ihren Höhepunkt in der Plünderung der Kirchenschätze der Auferstehungskirche und der Zwangsislamisierung durch grausame Folterungen erreichten. Eine leichte Verbesserung trat unter dem Nachfolger Hakims, Al Zahir, ein, und auch Kaiser Konstantin Monomachus von Konstantinopel (1042-1055) trug entscheidend zum Wiederaufbau der Auferstehungskirche und des übrigen Heiligen Landes bei. Allerdings wurde die Kirche erneut durch die scharfe Konfrontation mit den Arabern und der zunehmenden Macht der Selgic Türken geprüft. Die Situation änderte sich etwas durch die Ankunft der Kreuzfahrer im Jahre 1099.
       D. Die Kreuzfahrer legten den besiegten Moslems gegenüber eine völlig entgegengesetzte Haltung an den Tag, als es Omar Hattab den besiegten Griechen gegenüber getan hatte, indem sie ein entsetzliches Massaker verursachten. Die Orthodoxe Kirche erlitt ebenfalls Marterqualen unter der Anwesenheit der Frankolateiner. Die Patriarchen von Jerusalem wurden für 88 Jahre ins Exil geschickt und auf die Erlaubnis der Kreuzfahrer hin, wurde ihre Stellung in Jerusalem durch den Abt der Lavra des Heiligen Savva vertreten. Die Auflagen der lateinischen Kirche gegenüber dem orthodoxen Klerus waren heftig und alle Heiligtümer gingen an die Lateiner und wurden dem römisch-katholischen Klerus übergeben, während die Bruderschaft des Heiligen Grabes das Recht behielt, die Kirche der Auffindung des Kreuzes zu nutzen und im Heiligen Grab ebenso wie in Bethlehem die Liturgie auf griechisch zu feiern. Sie erhielt auch viele Klöster außerhalb Jerusalems und in der Heiligen Stadt das Klostergut der Lavra des Heiligen Savva, in der Nähe des Davidstores, das ihr Zentrum war, und das Kloster „Megali Panagia". Die Kreuzfahrer wollten die Armenier und die Jakobiten für sich gewinnen, und gewährten ihnen Kirchen und Klöster. Ein wichtiges Ereignis während dieser Zeit war die Restaurierung vieler orthodoxer Heiligtümer unter dem griechischen Kaiser Manuel Comninus (1143-1180), während die Kreuzfahrer die Auferstehungskirche beinahe in ihrer Originalform aus der Zeit vor 614 wiederherstellten. Sie vereinten die vier Kirchen wieder, die unter dem Heiligen Modestos erbaut worden waren (Auferstehung, Golgotha, Kreuzabnahme und Auffindung des Kreuzes) und gaben dem Komplex der Auferstehungskirche die vereinte Form, die sie bis heute bewahrt hat.
       E. Die Niederlage, die die Kreuzfahrer durch die Mamelucken von Salah Ed Din im Jahre 1187 auf den Höhen von Hattin, in der Nähe von Tiberias, erlitten, brachte Jerusalem wieder zurück in die Hände des Islam, obwohl der endgültige Rückzug der Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land nach ihrer Niederlage in Ptolemaidos im Jahre 1291 kam. Salah Ed Din, der aus Respekt die Anweisungen Omar Hattabs befolgte, gab alle Heiligen Stätten an die Griechen zurück, aber einige der  höchsten Verwaltungsbeamten übergaben einige Heiligtümer den monophysitischen Kopten und den Äthiopiern. Die Haltung der Mamelucken gegenüber dem Griechischen Patriarchat änderte sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts, und lang andauernde Verfolgungen begannen während der Zeit des Patriarchen Joachim (1431), als die Auferstehungskirche beinahe in eine islamische Moschee verwandelt wurde. Im Jahr 1334 kamen die Franziskaner nach Jerusalem und ließen sich auf dem Berg Zion nieder, während parallel dazu die Präsenz der jakobitischen und der armenischen Mönche verstärkt wurde. Die Ankunft vieler orthodoxer Mönche aus Georgien und Serbien sorgte für ein Gegengewicht, das die griechisch-orthodoxe Präsenz im Heiligen Grab stärkte, selbst wenn es nicht immer ohne Probleme war. Den Georgiern übergaben die Griechen das Kloster vom Heiligen Kreuz und den Serben das Kloster von den Erzengeln, das Metochion der Lavra des Heiligen Savva.
        Der Fall Konstantinopels an die Türken (1453) und der sich daraus ergebende vollständige Verlust des offiziellen politischen Schutzes bedeuteten den Beginn neuer Verfolgungen. Patriarch Athanasius der Vierte reiste in die Stadt (Konstantinopel) und da es ihm gelang, eine Verordnung des Sultans (Hati Seraph) von Mohammed dem Zweiten, dem Eroberer (im Jahre 1458) zu veranlassen, konnte die Gefahr der Zerstörung der Heiligtümer und des Verlustes der orthodoxen Anrechte auf sie abgewendet werden. Später tat Patriarch Gregorius der Dritte (1468-1493AD) dasselbe, und es gelang ihm, eine neue Verordnung vom Eroberer zu bekommen. Die griechischen Kleriker wurden von furchtbarer Armut gegeißelt, während ihre Hinwendung zu dem Eroberer die Beziehung zu den Mamelucken und selbstverständlich zu den Lateinern verschlechterte.
        F. Die neue Epoche, die mit der Herrschaft der ottomanischen Türken im Heiligen Land (1517) begann und die bis dahin regierenden Mamelucken aus Ägypten ersetzte, wurde Zeuge der legendären Kämpfe der Bruderschaft des Heiligen Grabes für den Schutz der Heiligen Stätten, mit der Hilfe Gottes, gegen die Pläne der anderen christlichen Lehren. Es war die Epoche der Bildung und Festigung des Status Quo der Heiligtümer.
       Dieser Zeitraum Jerusalems ist gekennzeichnet durch die Bemühungen hauptsächlich der Lateiner und der Armenier, Zugang zum Hohen Tor des Sultans in Konstantinopel zu bekommen, mit der Absicht, das Wohlwollen gegenüber der einheimischen (griechischen) Kirche des Heiligen Landes abzuwenden und den Primat und sogar die Ausschließlichkeit der Heiligen Stätten zu erlangen. Die Bemühungen der Ersteren gründeten auf der Diplomatie der Europäischen Mächte, während die der Letzteren auf wirtschaftlichen und anderen Mitteln gründeten. Hier sind einige der Kämpfe:
       Mit der Vorherrschaft der Türken in Palästina, unter Selim, dem Nachfolger von Mohammed dem Eroberer, wurden die Rechte der Kirche von Jerusalem wieder von der Türkischen Behörde anerkannt, die Anwesenheit der Franziskaner war ein Gegenstand der Mißgunst,  und ihr Kloster wurde zerstört (1523AD). Dennoch verstärkten die anderen Konfessionen allmählich ihre Bemühungen sich in den Status Quo der Heiligtümer einzumischen.
       Im 16. Jahrhundert wurde aufgrund der fruchtbaren Bemühungen des Patriarchen Germanus des Sabbaiten (1537-1579) die Reorganisierung der Bruderschaft des Heiligen Grabes besiegelt. Der Patriarch Germanus sorgte für die Restauration der Heiligen Stätten und es gelang ihm von Sultan Suleiman (1538) ein „Firman" (Anm.: eine schriftliche Erklärung, die bis heute gültig ist) zum Wohl der Griechen ausgestellt zu bekommen. Dann reiste er für längere Zeit nach Russland um Spenden zu sammeln und legte so die Grundlage des vorherrschenden Ethos der „heiligen Auswanderer" der Bruderschaft des Heiligen Grabes in die Länder desselben orthodoxen Glaubens, vor allem in diejenigen jenseits der Donau und Russland, um die Heiligen Stätten finanziell zu unterstützen. Darüber hinaus reorganisierte er die Bruderschaft des Heiligen Grabes in einer engeren Union mit ihrem Patriarchen und Abt. Seine Bemühungen wurden von seinem Nachfolger, Patriarch Sophronios IV (1579-1608) weitergeführt.
       Im Jahre 1604 wurde eine Vereinbarung zwischen Frankreich und der Türkei unterzeichnet, die offiziell die Rechte der Lateiner im Heiligen Land anerkannte, und die Lateiner zogen im folgenden Jahr auf Golgotha und in der Kirche von Bethlehem ein, während im Heiligen Land die Jesuiten als Gegenspieler der Franziskaner auftauchten. Parallel dazu versuchten die Armenier sich die Zeremonie des Heiligen Lichtes anzueignen, wurden aber durch den Beschluß des Sultans von 1611 abgewehrt. Der Botschafter Frankreichs in Konstantinopel führte einen Kampf gegen den Patriarchen Theophanis III., dem es jedoch gelang, eine Reihe von „Firman" (schriftlichen Erklärungen) (1631-1634) von Sultan Mourat zu erwirken, die gleichwertig und übereinstimmend mit den Erlässen von Mohammed dem Eroberer und von Selim waren.
       Zuvor war Patriarch Theophanis gezwungen, viele Kirchenschätze von großem Wert zu verkaufen, um den Verlust der Lavra und des Metochion der Heiligen Erzengel an die Lateiner und Armenier abzuwenden, die gesandt waren, die Schulden einzutreiben, Schulden, die durch die sorglosen wirtschaftlichen Praktiken der Serben entstanden waren, die in der Lavra des Heiligen Sabbas lebten.
       Patriarch Paisios (1645-1660) wehrte die Versuche der Armenier ab, die abbessynischen (äthiopischen) Grundstücke zu erben, allerdings gelang es ihm nicht, die Versuche der Armenier zu verhindern, das Kloster des Heiligen Jakobus zu bekommen. So fiel dieses Kloster im Jahre 1658 endgültig in die Hände der Armenier und wurde der Sitz des Armenischen Patriarchates von Jerusalem.
       Das glorreiche Patriarchat Dositheos II (1669-1707) erleuchtete diese dunklen Jahre und wurde zu einem Wellenbrecher gegen die koordinierten Aktionen der Heterodoxen, die von den vorherrschenden geschichtlichen Bedingungen profitierten und denen es dadurch beinahe gelang, die Bruderschaft des Heiligen Grabes von den Heiligen Stätten zu vertreiben. Dositheos wehrte einen ernsthaften Versuch Frankreichs ab, die Heiligen Stätten den lateinischen Mönchen zuzugestehen, und ging nach Konstantinopel, nachdem er zuvor in Jerusalem zwei Mordanschläge ihrerseits überlebt hatte, wo er im Jahre 1677 die vereinten Bemühungen der Botschafter von Österreich, Frankreich, Polen und Venedig zunichte machte, den Lateinern neue, nicht historische Privilegien zuzugestehen. In kurzer Zeit (1680) rettete er das Kloster vom Heiligen Kreuz aus den Schulden der orthodoxen georgischen Mönche und vor den Lateinern und Armeniern, die ständig herbeieilten um die Schulden einzutreiben. Dennoch, der Krieg der drei oben erwähnten Mächte und Russlands gegen das Ottomanische Tor verschlechterte die Lage, trotz der Herausgabe eines Firman von Suleiman für die Orthodoxen im Jahr 1688. Die Niederlage der Türkei durch Österreich im selben Jahr, führte zur Herausgabe eines Firman für die Lateiner im Jahr 1689, das die Heiligen Stätten den Griechen wegnahm und die Lateiner so sehr ermutigte, daß sie die Agiotaphiten aus Jerusalem vertrieben. Dositheos schwor jedoch, daß er nicht nach Jerusalem zurückkehren werde, bevor er die Lateiner von den Heiligen Stätten vertrieben habe, die sie illegal erworben hatten. Es gelang ihm die Herausgabe eines sehr nützlichen Firman, das aber von geringerer Wichtigkeit für das Patriarchat war. Zuletzt verstarb er 1707, ohne daß er den Erfolg seines Kampfes noch erlebte hatte, und er überließ den Stab des Patriarchates und den Kampf für den Glauben dem Patriarchen Chrysanthos. Ihm gelang es von Anfang an eine Bestätigung zu bekommen, daß der Orthodoxe Patriarch oder sein Stellvertreter bei der Zeremonie des Heiligen Lichtes den Armeniern vorstand, und in den Jahren 1719 und 1720 gelang es ihm, Teile anderer Rechte der Orthodoxen wiederzuerlangen. Im Jahre 1737 wurde die erste Orthodoxe Schule in Jerusalem vom Patriarchen Parthenios gegründet. Ein neuer Vertrag zwischen Frankreich und der Türkei im Jahre 1740 verwundete von neuem die Kämpfe der Agiotaphiten, aber zwei Verordnungen von Sultan Osman (1757) und Osman Mustapha III (1768), die sie aufgrund der Bemühungen des Parthenios erlassen hatten, stellten die legalen Rechte für die Agiotaphiten wieder her, die ihnen seit 1689 zu Unrecht entzogen worden waren. Patriarch Parthenios arbeitete auch die Regeln der Bruderschaft vom Heiligen Grab aus, die später bearbeitet und verbessert wurden.
       G. Das Ende des 18. Jhdts. brachte eine Wende in die Entwicklungen der diplomatischen Angelegenheiten  bezüglich  des Status Quo der Heiligen Stätten, für die Stabilisierung des Status Quo, so wie wir ihn heute kennen, und es begann der Prozeß der inneren Organisation und der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung des Patriarchates.
       Der Pakt von Kioutsouk Kainartzi (1774) zwang die Türkei, einen ihrer Untertanen für die Verbesserung der Lebensumstände der Christen zu verpflichten und Russland als Beschützer der Christen und der Heiligen Stätten anzuerkennen.
       Die Lateiner und die Armenier unternahmen Anstrengungen, um sich auf Golgotha, in Gethsemane und Bethlehem einzumischen, aber sie hatten keinen Erfolg. Die Armenier versuchten alles, um mehr Rechte im Heiligen Grab zu bekommen, durch ihre Teilnahme an seinem Wiederaufbau, nach einer vermutlichen Zerstörung - sie hatten 1808 Feuer in der Auferstehungskirche gelegt, die damals größtenteils aus Holz bestand. 1809 erließ Sultan Mahmout II. ein Dekret zum Wiederaufbau der Grabeskirche, ausschließlich durch die Griechen. Das veranlaßte die Lateiner und die Armenier zu starken Reaktionen, diese versuchten mit allen Mitteln, ja selbst mit schweren Gewalttaten gegenüber den griechischen Arbeitern, die Wiederherstellung der Kirche zu behindern, in der Hoffnung die Herausgabe eines für sie vorteilhafteren „Firman" zur Wiederherstellung der Kirche zu erreichen. Letztendlich wurde die Heiligste Auferstehungskirche, die mit dem Schweiß, dem Blut und dem Geld des ohnehin Mangel leidenden unterjochten „Geschlechts der Römer" (Byzantiner-Griechen), aufgebaut worden war, am 13. September 1810 eingeweiht, dem Gedenktag der Einweihung der Auferstehungskirche, der sich als „das Wunder des Glaubens der Griechen" auszeichnete.
       Die Revolution von 1821, die die Bruderschaft vom Heiligen Grab zusammen mit den anderen Griechen unter die ungünstige Anklage des Verrats an der Hohen Pforte stellte, öffnete das Feld für die Heterodoxen, für die von ihnen begehrte Vertreibung der Griechen von den Heiligen Stätten, während die Agiotaphiten Furchtbares von den Türken zu erleiden hatten. 1824 nahmen die Armenier einen Teil Zions ein und versuchten auch Golgotha einzunehmen, während sie dieselben Rechte wie die Lateiner im Heiligen Grab erhielten. 1834, als sich Palästina in der Hand Ibrahim Paschas von Ägypten befand, versuchten die Lateiner gemeinsam mit den Armeniern die volle Herrschaft über die Heiligen Stätten zu erlangen, indem sie die Gelegenheit nutzten, die sich durch die Arbeiten am Wiederaufbau der Heiligen Stätten bot, welche nach dem Erdbeben von 1834 unbedingt notwendig waren. Der Druck der europäischen Mächte auf die Türkei führte 1847 zur erneuten Gründung des Lateinischen Patriarchates, das nach den Kreuzzügen abgeschafft worden war, während die kooperierenden Engländer (Anglikaner) und Deutschen (Lutheraner) Protestanten, wie auch die Uniaten, schon zum Jahr 1840 im Heiligen Land erschienen waren. Dennoch fanden die Heiligen Stätten besonders in dieser Zeit, wie auch schon früher, starke orthodoxe Hilfe vom Russischen Reich, dessen Einmischung leider dennoch nicht völlig uneigennützig war.
        Die Ankunft des russischen Archimandriten Uspenski in Jerusalem im Jahre 1843 und die Gründung der Orthodoxen Russischen Mission 1848 verstärkten die orthodoxe Präsenz, schufen aber gleichzeitig von Seiten der Russischen Mission ein künstliches Klima der Gegenüberstellung zwischen der griechischsprachigen Bruderschaft vom Heiligen Grab und ihrer arabischsprachigen Gemeinde, so daß die Einmischung russischer Interessen in die kirchlichen Angelegenheiten Jerusalems und „das Anspannen der Gemeinde vor den russischen Karren" einfach war. Diese Politik, die von Anfang an selbst von Russland kritisiert wurde, erreichte ihren Höhepunkt in den Ereignissen, die zum Ende des Patriarchates des berühmten Jerusalemer Patriarchen Kyrill II führten, der, nachdem er sich von den russischen Diplomaten in Konstantinopel hatte täuschen lassen, die Teilnahme an der 1872 herrschenden synodalen Verurteilung des Bulgarischen Schismas und des dahinter verborgenen Nationalismus und Panslavismus vermied. Natürlich brachte das Kyrill II. in Konflikt mit der Bruderschaft vom Heiligen Grab, die es bei ihrer Versammlung (1872) zuerst entschied und letztendlich auch seine Entthronung erreichte, trotz der von ihm und der türkischen Polizei geleiteten Verfolgungen der Brüder. Dann wählte er als seinen Nachfolger den Patriarchen Prokopius II., Russland reagierte darauf und beschlagnahmte die Ländereien des Heiligen Grabes in Bessarabien und im Kaukasus, die 1875 wieder zurückgegeben wurden, demselben Jahr in dem die Hohe Pforte die neuen internen „Regeln des Römischen (Griechischen) Patriarchates von Jerusalem" bestätigte.
       Dennoch war das lange Patriarchat Kyrill des II. (1845-1872) entscheidend und die meiste Zeit nützlich für das Patriarchat von Jerusalem: unter anderem wurde in seinen Tagen die Druckerei des Patriarchates, die älteste in Palästina,  gegründet (1853), ebenso die Theologische Schule vom Heiligen Kreuz (1855), theologischer Nährboden großer Wissenschaftler der Orthodoxen Kirche, der Patriarch von Jerusalem wurde nicht mehr wie gewohnt in Konstantinopel gewählt, (diese Gewohnheit hatte während der beiden letzten Jahrhunderte vorgeherrscht, so daß die Kirche Zions vom Zentrum des Griechentums, dem Patriarchat von Konstantinopel aus, gestärkt wurde).
       Die internationalen politischen Beziehungen und das intensive diplomatische Ringen zwischen Frankreich und Russland 1851, um die Interessen der Lateiner oder der Orthodoxen voranzutreiben, führte zum Sieg der Letzteren, so daß 1852 eine, für die Römer günstige Verordnung (Hati Serif) erlassen wurde, und eine weitere 1853, welche die vorhergehende näher klärte, die den Betrieb der Heiligen Stätten und die diesbezüglichen Rechte des Griechischen Patriarchates und der Christlichen Konfessionen bestimmte; sie bilden wesentlich den heutigen Status Quo der Heiligen Stätten. Der Vertrag von Paris 1856 bestätigte den damals geltenden Status Quo der Heiligen Stätten, der auch von der Berliner Konferenz 1878 gefestigt wurde. Dieser Status Quo, der zu Recht die älteste Kirche des Heiligen Landes, d.h. die Orthodoxie, begünstigte und von neuem von der Gemeinschaft der Völker und später von der Organisation der Vereinten Nationen bestätigt wurde (1947-1950), ist bis heute in Kraft und wird mit Sorgfalt von allen christlichen Gemeinschaften gehütet, als ein sicherer Schlüssel zur Ausübung ihrer Rechte und im Interesse der Heiligen Stätten, denn „derjenige, der die Ordnung hütet, wird auch von ihr behütet."
      Eine bemerkenswerte Handlung wurde Ende des 19. Jhdts. von Efthymios, dem Sakristan der Heiligsten Auferstehungskirche, vorgeführt, er begann mit der Renovierung des Gebäudekomplexes des Patriarchates und vollendete den Wiederaufbau vieler Stätten im christlichen Sektor der Altstadt Jerusalems, von Joppetor (Davidstor) bis zur Auferstehungskirche. Seinetwegen trägt dieser Sektor auch heute noch seinen Namen (Aftimos). Die Schule vom Heiligen Kreuz, die nach einer kurzen Unterbrechung (1873) ihre Arbeit unter dem Patriarchen Gerasimos (1891-1897) wieder aufgenommen hatte, unterbrach sie später wieder, es wurde aber dafür gesorgt, daß sie wieder in Betrieb genommen wurde. Die Gemeinschaft vom Heiligen Grab, d.h. die Bruderschaft, sorgte sowohl für die Sicherung der Manuskripte als auch für die weiteren Schätze des Patriarchates, wie für den Grundbesitz, der Aufgrund der Entwicklungen in Palästina im 20. Jhdt. in viele Schwierigkeiten verwickelt war. Gleichzeitig  wird die orthodoxe Gemeinde, die das Objekt der pastoralen Sorge des Jerusalemer Patriarchates und die Säule des christlichen Zeugnisses im Heiligen Land darstellt, mit der Herausforderung der zunehmenden religiös-politischen Krise konfrontiert, die aber auch von der Propaganda der heterodoxen christlichen Gemeinden herrührt; sie entfernt sich leider von ihrem ererbten christlichen Heim, auf der Suche nach einem besseren Leben, und emigriert aus dem Heiligen Land.

Nachwort:
       Die Kirche von Jerusalem ist die einzige einheimische Kirche des Heiligen Landes, die, weil sie orthodox ist, den orthodoxen Glauben der Heiligen Apostel und Väter bewahrt hat, der seit vielen Jahrhunderten unverändert erhalten blieb. Die übrigen christlichen Konfessionen und Gemeinden, die ihren nationalen oder zentralen kirchlichen Leitungen außerhalb des Heiligen Landes untergeordnet sind, welche sie im Heiligen Land vertreten, bleiben deutlich zurück hinter der bedeutenden Rolle, die die Kirche Zions unter der Anleitung des Ordens der „Spoudaion" (s.o.), der Bruderschaft vom Heiligen Grab, spielt. Der griechische Charakter der Kirche Zions, jenseits ihres unmittelbaren Bezeugtseins durch die ersten Christen Palästinas, übersteigt die nationalen Verpflichtungen, weil er das Patriarchat des Heiligen Zion durch die Universalität seines orthodoxen Griechentums inspiriert, mit der geistlichen und christozentrischen Kultur der Väter, und deshalb sowohl die Universalität als auch den Zugang zu all den Heiligen Stätten gewährleistet.
       Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Mittleren Osten in den letzten Jahren und die daraus folgenden Probleme führten zu einem Schwund der christlichen Bevölkerung im Heiligen Land, der immer noch anhält. Dennoch bleibt die Kirche Zions ihrer Sendung treu, ihre Herde auf den Wegen des Heils anzuleiten und den liturgischen Charakter der Heiligen Stätten zu erhalten, in deren Nähe die einheimischen Seelen und die der Pilger, die nach der Wahrheit suchen, den Guten Hirten finden, dort, wo ER durch das Kreuz und die Auferstehung „das Heil auf Erden vollbringt" (Ps. 73,12)

Übersetzung: Schwester Matthaia Osswald
http://impantokratoros.gr/

Anmerkung: Die Bezeichnung Byzantinisches Reich ist in der modernen Forschung üblich, war aber unter Zeitgenossen nicht verbreitet, die nicht von „Byzantinern", sondern von „Römern bzw. Rhomäern" oder „Griechen" sprachen.
Diese Bezeichnung führt häufig zu Verwechslungen. Um diese zu vermeiden, benutzen wir im obengenannten Text die Bezeichnung „römisch-byzantinisch" oder nur „byzantinisch". Wenn wir ausschließlich die Bezeichnung „römisch" verwenden, bezieht sich das auf das alte, heidnische Rom, das z.Zt. Jesu im Heiligen Land an der Macht war.