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Donnerstag, 17. Oktober 2019

ICH WILL UND KANN NUR IN CHRISTUS JESUS

von Archimandrit Joel Konstantaros 

Apostolische Lesung (2 Galater 16-20)
6. Sonntag, Lukasevangelium


Wie viele Menschen denken ernsthaft über den Sinn unserer Existenz und Präsenz im Diesseits nach und wie viele von denen, die von sich selbst behaupten, den christlichen Glauben angenommen zu haben, sind sich des Umstandes bewusst, dass die Kultivierung des geistlichen Lebens die Abtötung jeder Form des Bösen voraussetzt, mit der unsere Seelenwelt durchsetzt ist? Haben wir uns wohl vergegenwärtigt, dass die Metamorphose des Innenlebens des Menschen, welche sich in heiligem Verhalten äußert, ein tägliches Kreuz darstellt, das wir alle, vom Kleinsten bis zum Größten, wie in einer Prozession mitzuführen haben? Denn Apostel Paulus meinte gerade dieses, als er predigte: „Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir“. Wenngleich diese Lebenshaltung, die vom Menschen frei und bereitwillig gewählt wird, keine einfache ist, so ist sie doch mit der Gnade Gottes umsetzbar, wie uns sowohl die apostolische Predigt als auch die Heiligenviten bestätigen.
Aber aus welchem Grund erscheint uns das christliche Leben so schwierig? Offenbar da unser niederes Selbst, das heißt unsere Leidenschaften und Schwächen, über unseren Willen herrschen, wenn auch stets unserem eigenen Vorsatz und Entschluss folgend. Es handelt sich folglich um einen unerbittlichen Krieg, der in unserem Inneren stattfindet, in vielen Fällen bis zum letzten Atemzug.
Doch findet ein Glaubender im Umfeld etwa Beistand für seinen heiligen Kampf? Bieten andere Menschen dem mit sich selbst Ringenden bereitwillig ihre Hilfe an?
Wir wissen, dass die ganze Welt im Argen liegt” und anstatt zu helfen, immerzu Versuchungen verursacht und die Seele destruktiv beeinflusst, sei es mit provokativen Versuchungen, oder auch durch verschiedenartige Anstöße, die das bereits existierende Böse der Seele nähren. Das führt dazu, dass sich der Gläubige, der nach dem Willen Gottes leben möchte, oftmals von weltlichen Versuchungen umzingelt und in seiner eigenen Schwäche gefangen fühlt, sodass er sich dieselbe existentielle und dramatische Frage stellt wie der heilige Paulus:„Ich elender Mensch! wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?“.
Würden wir an dieser Stelle unsere Ausführungen beenden, so schiene es, als sei der Feind der Sieger, und als verbünde sich und arbeite alles zugunsten des finsteren Reiches des Hades. Nein, dem ist nicht so, gesegnete Schwestern und Brüder. Tausendmal nein. Denn es gibt ein allmächtiges Mittel, welches das Unmögliche möglich macht und die Fallen bricht wie Spinnennetze, vorausgesetzt, der Gläubige hat den entsprechenden Willen, nimmt mit Eifer den heiligen Kampf der Buße auf und legt die Rüstung der Gnade an.
Der Apostel selbst, mit seiner überschäumenden und frei gewählten Liebe zu Jesus, zeigt uns den hoffnungsvollen und erlösenden Weg: „Ich danke meinem Gott allezeit in Christo Jesu“.
Dieser Ausruf allein erleuchtet die Finsternis und erfüllt die Luft mit Wohlgeruch, denn der Sieger über Tod, Teufel und Sünde ist uns näher, als wir uns vorzustellen vermögen, und Er wird uns den Sieg schenken, wenn wir nur „Ja“ sagen und auch den eigenen, mühevollen Kampf nicht versäumen. Denn zu welchem Zweck ist Christus auf die Welt gekommen? Weshalb hat Er Sein Blut auf dem Kreuz vergossen? Weshalb ist der Sohn Gottes gestorben? Um den Menschen von der Sünde zu erlösen. Um ihn aus den Fallen seiner Feinde zu befreien und ihm das unsterbliche Leben zu schenken. Und weil der Teufel weiß, dass dem Mensch diese Möglichkeit von Christus gegeben wird, durch seinen Glauben in Ihn und die Teilnahme am Leben der Orthodoxen Kirche, versucht er ihm auf viele Arten die Frucht seiner angeblicher Allmacht einzuflößen und mit dem Überwurf der Genüsse den Todesschlag zu verbergen, der ihm durch das Ehrwürdige Kreuz versetzt wurde.
Ja. Die Kraft unseres Christus, unseres Herrn und Gottes, ist unbesiegbar. Diese göttliche Kraft ertötet die fleischliche Gesinnung und vernichtet den gefallenen Engel. Die Heiligen, die in der Gnade lebten und das Böse in all seinen Manifestationen in unvorstellbarem Ausmaß bekämpften, bekundeten mit geheiligten Worten, dass es nicht nur tatsächlich möglich ist, ein geistliches Leben zu führen, sondern dass ein Kind der Kirche darüber hinaus, wenn es denn wirklich will, „von Kraft zu Kraft” wandeln und die unfassbaren Höhen der Heiligung, d.h. die Erleuchtung und die Vergöttlichung, zu erreichen vermag.
Selbstverständlich dürfen wir dabei nicht die reichen geistlichen Mittel vergessen, mit denen der Kämpfende bestärkt wird, um immer wieder, mit neuer Kraft, den Kampf gegen die Leidenschaften und das Böse aufzunehmen: Zum einen die unbefleckte Kommunion, die allein in unserer Kirche und im Rahmen der rituellen Versammlungen abgehalten und gespendet wird, und zum anderen die authentische ekklesiastische Lebensweise, fern von Verfälschungen und Innovationen des Neuen Zeitalters, die wie teuflische Pilze aus dem Boden selbst der inneren Kreise und höchsten Instanzen schießen.
Die Heiligen betonten, als sie über den Willen des Christen sprachen: Für den Gläubigen existiert kein „Ich kann nicht“, sondern nur ein „Ich will nicht“. „Ich will“ bedeutet, ich will und kann nur in Christus Jesus und nur mit Seiner Gnade.
Die Ausführungen über das Leben des kämpfenden Gläubigen möchte ich mit einigen Worten des heiligen Johannes von Kronstadt abschließen, der den geistlichen Kampf auf einzigartige Weise lebte und predigte, wie auch die Freude im Heiligen Geist, die heiligende: „Das größte Unglück, dem ich tagtäglich begegne, sind meine Sünden, die mein Herz verletzen und auffressen. Doch diesem Unglück vermögen wir jeden Tag mit dem größten Befreier und Erlöser, Jesus Christus, entgegenzutreten. Arme Sünder! Lernt dieser Erlöser kennen, so wie ich Ihn kenne, aus Seinen Gnadengaben! (…)Meine Seele ist bei Gott, wie der Fisch im Wasser oder das Vögelchen in der Luft. Gott umschließt sie vollkommen und allzeit. Sie lebt in Ihm, bewegt sich in Ihm, erholt sich in Ihm, findet Frieden in Ihm“!
Dem muss nichts weiter hinzugefügt werden, nur noch ein Wunsch, der von Herzen kommt: Ich wünsche allen einen guten Kampf in Jesus Christus, der den Weg ebnet für den gesegneten Sieg.
Amen. 

Archimandrit Joel Konstantaros

Quelle: www.impantokratoros.gr

Dienstag, 20. Dezember 2016

Hl. Athanasios- Über die Geburt Jesu Christi - Kirchenvätertexte



Als Gott, der über alles die Macht hat, das Menschengeschlecht durch seinen eigenen  Logos erschuf, da wußte er alsobald auch um die Ohnmacht seiner Natur und daß  diese nicht imstande wäre, von sich aus den Schöpfer zu erkennen noch überhaupt von  Gott eine Erkenntnis zu gewinnen, da er ja unerschaffen, sie aber aus dem Nichts  hervorgegangen ist, er unkörperlich, die Menschen aber irgendwo hienieden mit einem  Leib gebildet worden sind und überhaupt den geschöpflichen Wesen ein großer Mangel  anhaftet, um den Schöpfer zu begreifen und zu erkennen. So erbarmte er sich wieder  in seiner Güte des Menschengeschlechtes und wollte den Menschen nicht die  Erkenntnis seiner vorenthalten, damit sie nicht ein Dasein führten, ohne einen  Gewinn davon zu haben. Was haben denn die Geschöpfe für einen Gewinn davon,  wenn sie ihren Schöpfer nicht erkennen? Oder wie wären sie vernünftig, wenn sie den  Logos des Vaters nicht erkannten, in dem sie doch entstanden sind? Denn zwischen  ihnen und den vernunftlosen Wesen wäre gar kein Unterschied, wenn sie weiter nichts  als irdische Dinge wahrnähmen. Wozu hätte sie Gott auch erschaffen, wenn er von  ihnen nicht erkannt sein wollte? Eben um dieses zu verhüten, teilt er ihnen in seiner  Güte sein eigen Bild, unseren Herrn Jesum Christum, mit und macht sie seinem Bild  und seiner Ähnlichkeit gleichförmig, damit sie durch diese das Abbild erkannten,  nämlich den Logos des Vaters, und durch ihn eine Vorstellung vom Vater gewinnen  könnten und in der Erkenntnis des Schöpfers ein glückliches und wahrhaft seliges  Leben führten. Doch die also angebotene Gnade mißachteten ihrerseits die Menschen  im Unverstand und kamen so weit von Gott ab und befleckten so sehr ihre Seele, daß  sie nicht nur die Vorstellung von Gott vergaßen, sondern auch andere Dinge um Dinge  sich   einbildeten.   Götzenbilder   schufen   sie   sich   an   Stelle   der   Wahrheit,   das  Nichtseiende stellten sie höher als den wahrhaftigen Gott und huldigten der  Schöpfung anstatt dem Schöpfer. Und das Schlimmste war noch, daß sie auf  Holzstücke und Steine, auf alle möglichen Stoffe und auf Menschen die Gott schuldige  Ehre übertrugen und noch mehr dergleichen sich leisteten, wie bereits früher gesagt  worden. Ja, so gottlos wurden sie, daß sie nunmehr gar Dämonen verehrten und als  Götter ansprachen und deren Wünsche erfüllten. Opfer von vernunftlosen Wesen und  Menschenopfer brachten sie ihnen, wie früher erwähnt worden, als schuldigen Tribut  dar und ließen sich durch deren Lockungen immer mehr in Fesseln schlagen. Deshalb  wurden bei ihnen auch magische Künste gelehrt, und Orakelsprüche da und dort  täuschten die Menschen, und alle schrieben die Ursachen ihrer Geburt und ihres  Lebens den Sternen zu und allen Erscheinungen am Himmel, ohne an etwas anderes  zu denken als an das Sichtbare. Überhaupt war alles voll Gottlosigkeit und Sünde,  und nur der eine Gott und sein Logos wurden nicht erkannt, obschon er sich den  Menschen nicht unbezeugt ließ und ihnen auch nicht nur eine primitive Erkenntnis  seiner gab, sondern sie ihnen auch mannigfach und in vielen Offenbarungen  erläuterte.

Quelle:  www.prophet-elias.com

Sonntag, 11. Dezember 2016

Christentum ohne Christus - Photis Kontoglou



Wenn man mit Pseudo-Christen über strenge Askese des Körpers und des Geistes und über die Liebe Christi spricht, werden sie wütend, nennen einen Fakir, Götzendiener, Barbaren.
Wenn du den Glauben eines Christen prüfen willst, sprich mit ihm über die Askese. Der Gläubige wird andächtig werden, während der lauwarme, d.h. der falsche, der ungläubige, protestieren wird.
Den Worten Christi trotzend, Der sprach: „Selig sind die alles zurückließen und mir folgten“, oder auch „(Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis hierher) wird das Himmelreich mit Gewalt erworben, und die Gewalt tun, die reißen es an sich“ und dass „In der Welt habt ihr Trübsal“ und dass „wie schmal ist doch die Pforte, und wie eng der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden!“
Wir wollen gern Christen sein ohne Christus, das heißt ohne spirituellen Trübsal, ohne das mühsame Kreuz zu tragen, auf dem breiten Weg gehend. Wenn man zu ihnen über strenges und entbehrungsreiches Leben spricht, über Opfer, Askese, sagen diese falschen Christen, dass Christus diese Dinge nicht wünscht, und dass dies Übertreibungen sind.

Aber, o du unsinniger Mensch, im Christentum kann es keine Übertreibungen geben. Bei allen menschlichen Dingen kann man sagen, dass etwas übertrieben ist, nur im Christentum gibt es keine Übertreibung. Wie viel mehr kannst du wohl übertreiben, wenn du doch denjenigen lieben sollst, der dir den Vater getötet hat, wie noch mehr übertreiben, wenn du auch die andere Backe bieten sollst, und wie viel mehr kannst du übertreiben, wenn du danach dürsten sollst, verachtet zu werden, das zu tun, was Gott von dir verlangt, d.h. deine Feinde zu lieben, mit lieben Worten demjenigen zu begegnen, der dich beschimpft, über denjenigen nicht zu urteilen, der über dich richtet, dich vor dem nichtigsten Menschen zu demütigen, und wenn du das alles getan hast zu sagen, dass du ein „unnützer Knecht“ bist?
Wie viel mehr übertreiben kannst du, wenn du glauben sollst, dass unsere Leiber wieder als unsterbliche auferstehen werden in einem Augenschlag, und dass sich die ganze Welt auf einmal wandeln wird, und dass eine andere Welt entstehen wird, die ohne Verfall sein wird? Gibt es folglich irgendetwas im Christentum, worin man übertreiben kann?
Das Christentum ist die Übertreibung aller Übertreibungen, das Unglaublichste aller Unglaublichen.
Deswegen ist die Pforte, durch die jemand in die exotische Welt Christi eingehen kann nur eine, der Glauben. Und in Glaubensdingen gibt es keine Übertreibungen. Im Unglauben hingegen gibt es die listige Artigkeit, das Mittelmäßige und der Kompromiss. Aus diesem Grund ertragen solche Pseudo-Christen nicht das Feuer des Glaubens und kehren das Christentum in eine Art Moralsystem um, das für das weltliche Leben nützlich sein soll, indem sie jedoch eigentlich für Christus keinen Platz haben. Denn der Ungläubige hat Angst, während derjenige, der glaubt, gemäß des Propheten, „getrost wie ein junger Löwe“ ist.
Wer Gott liebt, ist entflammt ohne es zu offenbaren, freut sich ohne zu lachen, zerknirscht in den Tiefen seines Selbst. Die Liebe, die uns Christus lehrte, ist etwas anderes als die so genannte Wohltätigkeit. Deswegen kosten die Wohltäter nicht die Liebe Christi, welche „das Wasser, das ins ewige Leben hinüberspringt“ ist. Die Wohltätigkeiten, die die heutigen Menschen ausüben, sind eine soziale Pflicht. Diese Wohltäter, und all jene Menschen, die zweckdienlich denken, sind keine Christen.
Wer Christus und Sein Evangelium liebt, liebt das, das es mehr als alles andere zu lieben lohnt. In Christo befindet sich alles, was Liebe, Demut, Schmerz, Sanftmut, spiritueller Trübsal und spirituelle Freude, die beide lieblich sind, wenn sie im Namen Christi geschehen, lohnt.

„Kommet her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben“. Uns Ruhe geben! Aber wir wollen nicht einmal davon hören. Denn wir wollen nicht zur Ruhe kommen. Wir wollen beladen sein, mit unseren Leidenschaften, mit unseren Feindseligkeiten, mit den Kriegen, mit Sorgen der Ruhmsucht, des Fleisches, mit Blut beschmutzt, mit Pistolen, Kanonen, Bomben. Was werden wir nur ohne all dies sein, Herr, Du Friedensstifter? 
Wie werden wir so leben können, zur Ruhe kommend, mit was werden wir unser leeres Ich erfüllen können, wo doch für uns das Leben nur aus diesen Dingen besteht?
Du gibst uns Frieden, doch Frieden ist unser Tod, wo er doch der Tod unserer geliebten Leidenschaften ist! Wenn Du gesagt hättest: „Ich werde euch mit mehr solcher Gewichte beladen, die ihr nicht kennt, ich werde eure Seele bereichern mit mehr solcher Reichtümer, so dass ihr nie mehr zur Ruhe kommt“, dann würden wir uns Dir näher sein, wir würden dich als unseren Gott anerkennen.
Wir wünschen uns Götter, die uns beladen, rachsüchtige, wie Ares, wie Zeus, wie Kronos, Lügner wie Hermes, wie die anderen von ihnen. Wir wollen die Bosheit leben, denn sie ist lebendig und stark.
Ja, komm Herr“, ruft mit Johannes freudig in der Offenbarung dem auf den Wolken Kommenden zu. Du musst ein Heiliger, ein Gerechter und sogar Johannes selbst sein, um darüber erfreut zu sein, dass Christus kommen wird und Ihn erwarten. Wir rufen „Komme nicht Herr“Weil wir sündig sind und der Zorn Gottes über uns kommen wird.
Die „Atombombe“ hat mich dazu gebracht, über all dies nachzudenken. Als die Kunde über sie die Menschen erreichte, erfüllte sie mit Angst alle Herzen. Selig sind, die zu jeder Stunde vorbereitet sind! Doch wehe uns! Wer ist vorbereitet wie Johannes, dem heiligsten aller Heiligen?
Wir alle fürchten uns davor, dass Du kommst wie ein Dieb in der Nacht. Bei den Menschen ist es so: Wenn du sie beschimpfst oder mit ihnen böse Worte austauschst, oder über sie schlechtes schreibst, wird die Zeit kommen,  in der sie dir vergeben werden. (Was soll's Bruder, vergessen wir es einfach!)
Doch was sie dir nie vergeben werden und für das sie dich hassen werden, ist, wenn du auf eine Art und Weise lebst, dass sie sich für ihr eigenes Leben schämen, weil sie in deinem Leben einen Vorwurf ihrer Lebensweise sehen. Wer die Liebe Christi im Herzen selbst tiefgehend gekostet hat, muss sich selbst nicht dazu zwingen, in Armut zu leben, weil er aus freien Stücken die Armut begehrt und seine Freude verliert, wenn er mehr erlangt, auch wenn es noch so nichtig ist. Und was demütig, ärmlich und verachtet ist liebt er heimlich in seinem Herzen ohne jemanden etwas darüber zu erzählen, weil der Demütige das Schweigen und die Vergessenheit liebt. „Gott ist dem betrübten Herzen nahe“. Wenn die Versuchungen zerstreuen und die Pforte der falschen Freude und Ruhe sich öffnet, schließt sich sogleich die Pforte der wahren Glückseligkeit.
Das wird zweifellos vom Christen wahrgenommen. Gebet. Ich danke Dir, allbarmherziger Herr, ich preise Dich, ich verherrliche Dich, weil Du mich aus dem Nichts erschufst. Doch Du hast mich nicht nur einmal erschaffen, sondern an jedem Tag erschaffst Du mich aus dem Nichts, denn jeden Tag ziehst Du mich aus dem Schaffen des Todes heraus in den ich wieder hineinfalle.

In der unendlichen Menschenmenge, im Ameisenhaufen der Menschen, bin ich ein Nichts. Jeder Mensch ist ein Nichts. Und dennoch erinnerst Du Dich an jeden Menschen, findest ihn und ziehst ihn an Dich heran, machst ihn lebendig, den Toten, und Deine väterlichen Hände erschaffen ihn aufs Neue, als wenn jeder einzelne von uns der einzige Mensch auf Erden wäre.
Deine starke Kraft erhält die ganze Schöpfung und alle Seelen als ob jede von ihnen die einzige wäre. Und Du lässt sie die Unsterblichkeit spüren, als wenn jede von ihnen die einzige wäre, und sie empfinden Dich als ihren barmherzigen Vater, 
Der niemals müde wird uns zu vergeben und neu zu erschaffen, die wir in jeder Stunde unserer Sünde wegen sterben

Photis Kontoglou (1965)

Mittwoch, 6. August 2014

Hochfest - Verklärung Jesu Christi


Am 6. (/19) August feiert die heilige orthodoxe Kirche die Verklärung des Herrn auf dem Tabor, während die beiden Propheten Mose und Elia an seiner Seite erschienen.
Das Hochfest der Verklärung Jesu erinnert an die im Matthäusevangelium (17, 1-13) berichtete Verwandlung Jesu auf einem hohen Berg: "sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie Licht". Jesus Christus und den ihn begleitenden heiligen Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes erschienen die heiligen Propheten Moses und Elias und aus den Wolken sprach eine Stimme: "Siehe, das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe".
Die Erscheinung der beiden Seher Gottes, des Gesetzgebers Moses und des einst auf feurigem Wagen hinweggeführten Elias ist von der Kirche mystisch erklärt worden. Denn in ihren Personen dient Gesetz und Prophetentum dem Urheber und Vollender des Gesetzes, Christus, unserm Gott, der einst, als er dem Moses das Gesetz gab, ihm auf dem Berge Sinai im Sturm erschien, jetzt aber auf Tabor in unnahbarem Lichte, den Sturm des Gesetzes mit der lichten Wolke der Verklärung zu vertauschen. Unterwürfig und als Diener stehen beide neben ihm, der in flammendem Gewitter und wieder in sanftem Säuseln zu ihnen gesprochen, und reden von seinem Kreuzes - kämpfe, damit die Apostel nach der Herrlichkeit auf Tabor den Anblick seines freiwilligen Kreuzesleidens ertragen und der Welt den Abglanz des Vaters im Sohn verkünden konnten. Es geschah etwas, was sich nicht mit der irdischen, menschlichen Gestalt, des Meisters vereinbaren ließ, aus Ihm erstrahlte Seine göttliche Natur. Als die Jünger vom Schlaf erwachten, sahen sie plötzlich ihren Lehrer Jesus Christus in seiner göttlichen Herrlichkeit.
Die Parimien (Liturgischen Lesungen aus dem Alten Testament), sprechen von der göttlichen Herrlichkeit, welche Moses und Elias gezeigt. Das Evangelium beim Morgengottesdienste (Luk. 9, 28-36) und bei der Liturgie (Matth. 27, 1-9) erzählt die Begebenheit der Verklärung Christi. Der Leseabschnitt aus dem Briefe des Apostels spricht von den Augenzeugen der göttlichen Herrlichkeit Christi (IL. Petr. 1, 10-19).
Die Orthodoxe Kirche feiert die Verklärung Christi als eines ihrer wichtigsten Feste. Nach der Liturgie am Feste der Verklärung Christi werden in der orthodoxen Kirche Weintrauben und anderes Obst, in Russland hauptsächlich Äpfel, geweiht.
* * *
Diese Feier existierte schon im 4. Jahrh., wie man aus den Homilien hl. Ephrem des Syrers und des hl. Johannes Chrysostomos ersehen kann. Die hll. Johannes Damaskenos und Kosmas von Majuma (8. Jahrh.) verfassten mehrere Lieder auf dieses Fest. 
Es ist in der Orthodoxen Kirche an diesem Feste die reif werdenden Erstlinge (je nach dem Klima) von Weintrauben, Äpfeln und anderen Früchten, Weizenähren usw., in der Kirche zum Weihen zu bringen. Dabei werden Weintrauben und Weizenähren ausgewäh1t, um bei dem Großen eucharistischen Opfer zu dienen.Der 6. August ist zu dem Feste bestimmt, weil dieser Tag der 40. ist vor dem Feste der Kreuzerhöhung, und nach der Überlieferung die Verklärung Christi 40 Tage vor Seiner Kreuzigung stattfand. Der 40. Tag vor Karfreitag wurde nicht genommen, weil dann das Fest der Verklärung Christi in die große 40.tägige Fastenzeit fallen würde. Schon im 4. Jahrh. hat die hl. Helena auf dem Berge Thabor eine Kirche erbaut.
Da sich die Verklärung auf dem Berg Tabor ereignete, heißt das Licht, das die Jünger gesehen haben, auch das „Taborlicht”. Es ist das ungeschaffene Licht Gottes selbst. Der heilige Metropolit Gregorios Palamas schrieb im XIII. Jahrhundert, dass dieses ungeschaffene Licht vom Menschen aufgenommen werden kann, ihm zugänglich ist.

Da sich die Verklärung auf dem Berg Tabor ereignete, heißt das Licht, das die Jünger gesehen haben, auch „das Taborlicht”. Es ist das ungeschaffene Licht Gottes selbst. Der heilige Metropolit Gregorios Palamas schrieb im XIII. Jahrhundert, dass dieses ungeschaffene Licht vom Menschen aufgenommen werden kann, ihm zugänglich ist. Die Möglichkeit der Erkenntnis Gottes in diesem Licht ist für uns eine Offenbarung und Anlass der großen Freude an diesem Fest.


Du wurdest verklärt auf dem Berge, Christus, Gott, und zeigtest Deinen Jüngern Deine Herrlichkeit, soweit sie es vermochten. Lass auch uns  Sündern Dein ewiges Licht erstrahlen, durch die Fürbitten der Gottesgebärerin. Lichtspender Ehre sei Dir!

Auf dem Berge wurdest Du verklärt, und Deine Jünger sahen Deine Herrlichkeit, Christus, o Gott, soweit sie es vermochten: auf dass sie, wenn sie Dich gekreuzigt sahen, das freiwillige Leiden verstehen könnten Und der Welt verkünden, dass Du in Wahrheit des Vaters Abglanz bist.



Christi Verklärung ist das Fest Seiner göttlichen Herrlichkeit. Der Herr schenkt den Menschen die wahre Gotteserkenntnis, in der Er sich ihnen als Gnadenlicht offenbart, das den Menschen die Erfahrung großer Freude schenkt.
An diesem Festtag sind die Gewänder der Geistlichen und der Schmuck der ganzen Kirche weiß, in Erinnerung an die Farbe des Gewandes des verklärten Erlösers.

Erklärung zum Teminus Verklärung: Im griechischen Text des Evangeliums steht an dieser Stelle das Verb μεταμορφώνομαι das verwandelt werden oder umgestaltet werden bedeutet. Als aber Martin Luther die Bibel ins Deutsche übersetzte, missfiel ihm der Begriff μεταμόρφωσις (metamórphosis) = Verwandlung, da er den Glauben der Orthodoxen und Katholiken an die Wandlung der heiligen Gaben in der Eucharistie so nicht teilen wollte, sondern nur an eine Gegenwart Christi in Brot und Wein für die Dauer der Abendmahlsfeier annahm. Auch die Katholiken bezeichnen, nach dem Text ihrer lateinischen Bibel, der sogenannten Vulgata, das Fest mit dem Begriff Trānsfigūrātio Domini als Verwandlung des Herrn. Luther übersetzte den Begriff μεταμορφώνομαι aber mit verklärt werden. Deshalb spricht man heute im deutschen Sprachraum vom Fest der Verklärung Christi.

Montag, 28. April 2014

Die Apostel Thomas und Johannes im Lichte der Auferstehung Christi -Erzpriester W. Wetelew



„Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20,28) 
Nicht ohne Grund ist der erste Sonntag nach Ostern nach dem Apostel Thomas benannt. Mit Seiner Auferstehung hat Jesus Christus die Welt erschüttert und dem Lauf der Weltgeschichte eine Wendung gegeben. Das wunderbare Geschehen Seiner Auferstehung betraf zunächst Ihn selbst, dann aber auch die Menschen Seiner nächsten Umgebung, die Apostel und die Frauen am Grabe. In welcher Beziehung standen sie zu dem unerhörten Wunder, wie wirkte es auf sie? 
Am einschneidendsten wohl erlebte der Apostel Thomas die Begegnung mit dem auferstandenen Christus. Die Heilige Kirche hat dem in der Benennung eines Sonntags nach Ostern Rechnung getragen. Obwohl Christus zu Seinen Lebzeiten mehrfach Seine Jünger daraufhin orientierte, dass Ihm zu leiden und am dritten 
Tage aufzuerstehen beschieden sei (Mt 12,40.16,21; 17,22.23; 20,19 u. a.), waren sie weit davon entfernt, dies als Realität ernst zu nehmen. Als diese Ereignisse dann eintraten, fühlten sie sich überrascht. Die Worte des Herrn hatten sie sich noch nicht zueigen gemacht, und „aus der Schrift wussten sie noch nicht, dass Er von den Toten auferstehen musste“ (Joh 20,9). 
Sie hofften vielmehr dass Er der wäre, „der Israel erlösen würde“ (Lk 24,21).Er durfte nicht sterben, Er sollte der König und Befreier des jüdischen Volkes werden. Leiden und Tod Christi entsetzten die Apostel und stürzten sie in äußerste Entmutigung. Die enttäuschte Hoffnung machte Furcht und Bitterkeit Platz. Alles war plötzlich zusammengebrochen, und ihre Vorstellungen von dem Meister waren jäh an eine Barriere gekommen. 
Was blieb ihnen anderes übrig, als vor Überraschung und Furcht ob der schrecklichen Ereignisse auseinanderzulaufen (Mark 14,50). Außer den beiden Aposteln Petrus und Johannes waren sie alle geflohen. Ein Teil von ihnen wollte Jerusalem verlassen, wie wir das am Beispiel der beiden Emmaus-Jünger sehen 
(Lk 24,13). Weil sie davon träumten, dass Christus der Befreier des jüdischen Volkes vom Joch fremdländischer Herrschaft werden würde, versäumten die Apostel, das Wichtigste Seiner Mission zu begreifen und zu lernen. Denn Christus kam auf die Erde und wollte das Volk vom Joch der Sünde, des Fluches und des Todes durch Seine freiwilligen Leiden, durch Seinen Tod und Seine Auferstehung befreien. 
Noch sahen sie in den Schmähungen, Leiden und dem Tod des Meisters nicht die verborgene, erlösende und rettende Bedeutung des Geschehens und konnten eben deswegen nicht an Seine Auferstehung glauben als an den Abschluss seines Erlösungswerkes. An die Auferstehung dachten sie so gut wie gar nicht, wenn überhaupt. Aus der Geschichte der Bibel und durch die Gemeinschaft mit Christus wussten die Apostel, dass ein Mensch einen anderen auferwecken kann (wie etwa Christus den Lazarus), aber es war ihnen unmöglich, sich vorzustellen, dass ein Mensch – und wäre es selbst ihr Meister – sich selbst auferwecken könnte ohne 
sichtbare Beteiligung eines anderen. Dieses Wunder war auf der Erde noch nicht geschehen. Nichts in dieser realen Welt konnte sie deswegen auf den Gedanken bringen, dass ein solches Wunder sich an und mit Christus vollziehen sollte. 
Was wundert ist, dass sie die Worte der Frauen vom Grabe, die ihnen die Auferstehung des Herrn verkündigten, für bloße Rederei hielten und „nicht glaubten“ (Lk 24,11). 
Und als ihnen der Auferstandene Selbst erschien, hielten sie Ihn zunächst für ein Gespenst, für einen „Geist“(Lk 24,37-39). Christus musste ihnen Hände und Füße zeigen, sie auffordern, Seine Wundmale zu betasten und sich davon zu überzeugen, dass Er es selbst, ihr Meister, des Menschen Sohn sei, wie Er Sich so oft im Gespräch mit ihnen selbst genannt hatte. 
Wie kommt Er ihnen und ihren Zweifeln entgegen, wenn Er sie um Speise bittet, um ihnen damit zu zeigen, dass sie eine lebendige und wirkliche Person vor sich haben! Die Apostel wurden von großer Freude erfüllt, aber noch konnten sie nicht glauben und „wunderten sich“ (Lk 24,12), weshalb Er sie ob ihres „Unglaubens und ihrer Herzens Härtigkeit“ schalt (Mk 16,14). 
Solange hielten sich unter ihnen Zweifel und Unsicherheit, bis der Heiland bei späteren Erscheinungen ihnen erklärte: „So ist's geschrieben, Christus musste leiden und auferstehen am dritten Tag“ (Lk 24,46). Schließlich wurden sie seiner Auferstehung bewusst und konnten nach Pfingsten Christi Zeugen sein bis an die Enden der Erde. 
Als Christus zum erstenmal in den Kreis der Apostel trat, fehlte Thomas. Sein Verstand sträubte sich zu glauben, was ihm die anderen Apostel berichteten: 
„Erst wenn ich Ihn sehe und meinen Finger in Seine Nägelmale lege und meine Hand an 
Seine Seite, will ich glauben“ (Joh 20,25). 
Es vergeht eine quälende Woche, eine Woche voll Kampf in der Seele des Thomas, in dem Unglaube und Glaube, Verstand und Herz miteinander ringen. 
Am achten Tag erscheint Christus abermals den Aposteln, und diesmal ist Thomas dabei: „Friede sei mit euch!“ Und zu Thomas gewandt: „Leg deinen Finger hierher und sieh Meine Hände . . . und sei nicht ungläubig, sondern gläubig“ (Joh 20,26). 
Mit dem Ruf: „Mein Herr und mein Gott!“ stürzt Thomas zu Jesu Füßen. Von diesem Augenblick an zog der Auferstandene in seine Seele ein und verband Sich mit seinem Geist zu einer untrennbaren Einheit, eine Einheit, von der später der Apostel Paulus sagen sollte: „Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). So verlief der innere Wandel in der Seele des Apostels Thomas, seine geistliche Wiedergeburt. Er konnte nun die Frohbotschaft von dem Erlöser weitertragen. 
Doch Christus hatte ihm noch eine entscheidende Lehre zu vermitteln: „Du bist zum Glauben gekommen, weil du Mich gesehen hast. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29). Wem ist es mit der Gabe des Glaubens, seiner Kraft und Unmittelbarkeit anders ergangen als dem Apostel Thomas? Unter den Aposteln läßt sich streng genommen nur ein Beispiel finden: Johannes. Als Petrus von den Frauen am Grabe die Auferstehung Christi bezeugt bekommt, eilt er zu dem leeren Grab und sieht dort den Toten nicht. Er wundert sich lediglich über das, was dort vor sich gegangen ist (Lk 24,12). Der Heiland musste dem Simon besonders erscheinen (Lk 24,34), um ihn endgültig von Seiner Auferstehung zu überzeugen. 

Demgegenüber genügte es dem Apostel Johannes, in das leere Grab hineinzugehen. Sein Herz sagte ihm, dass Christus lebe. Ohne den Auferstandenen zu sehen, glaubte er an Seine Auferstehung (Joh 20,8). Wir müssen uns hier erinnern, dass der Apostel Johannes die Ereignisse auf Golgatha miterlebt und am Kreuz des Heilands gestanden hat. 
Denn dies war für die innere Verbindung mit Christus und das Verständnis der Dinge von ausschlaggebender Bedeutung. Vor sein inneres Auge traten all die wunderbaren Begebenheiten, die zahlreichen Andeutungen und Prophezeiungen Christi über Seine Auferstehung. Hatte er doch selbst am Kreuz des leidenden Erlösers innerlich begriffen, dass allein Gottes große Liebe den Menschen Christus dazu bewegen konnte, an den 
Schandpfahl zu gehen und Leiden und Tod auf sich zu nehmen. Hier auf Golgatha erschloss sich dem Apostel das große Geheimnis, dass die opfernde Liebe stärker ist als der Tod. Christus konnte zwar unter der Last menschlicher Sünden und infolge der Kreuzesqualen sterben, aber er konnte nicht unter der Macht des Todes bleiben, weil die wunderwirkende göttliche Liebe, die selbst vor dem Kreuz nicht zurückschreckte, nicht sterben kann. Christi Tod ließ die Erde erbeben, leitete in der Gesinnung der Menschen einen Umbruchein und wurde somit zum Herold der bevorstehenden Auferstehung Christi. Mit Herz und Sinn begann dies der Apostel Johannes bereits auf Golgatha zu begreifen und im voraus zu empfinden. Als er nun das leere Grab sah, durchschaute sein Herz dieses Rätsel und sagte ihm das Gleiche, was die Engel den Balsamträgerinnen verkündet hatten. Christus „ist nicht hier, Er ist auferstanden“ (Lk 24,6). 

Herz und Liebe zu Christus bahnten dem Apostel Johannes den Weg zum Glauben an die Auferstehung Christi und ließen ihn zu einem glühenden Verkünder dieser wunderbaren Botschaft werden. Diesen Weg hat der Herr über den Weg des Apostels Thomas gestellt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29). 
Somit gibt es zwei Wege zum Glauben, liebe Brüder und Schwestern – durch die Überzeugung der Vernunft und durch das Zeugnis des Herzens. Beide stehen uns offen, und beide haben apostolischen Grund. Im Leben des Menschen vereinigen sie sich nicht selten: Das Herz belebt den Verstand, und der Verstand gibt dem Glauben Grund und Festigkeit. Bei den meisten von uns verhält es sich so. Wie der Apostel Johannes, so können auch wir mit unseren Augen in den Tagen der heutigen Ostern den auferstandenen Heiland nicht sehen. Wir empfinden Ihn mit unserem Herzen, unsere Liebe drängt uns zu Ihm. Gewöhnlich kleingläubig, rufen wir mit dem Apostel Thomas, nachdem unser Glaube lebendig wurde: „Mein Herr und mein Gott!“ Auch uns hat der Herr unter das Wort genommen „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Lasst uns dieses Glaubens würdig sein, würdig auch seiner lebenschaffenden Liebe. Amen. 


Quelle: stimme-der-orthodoxie.de

Sonntag, 27. April 2014

Wer ist Der, welcher vom heiligen Apostel Thomas berührt wurde?


Als Christus zu den Aposteln trat, zeigte er, dass er von dem Zweifel des Thomas wusste und auch von seiner Erklärung, dass er nicht glauben werde, ohne die Male in Christi Seite und Händen zu berühren. “Streck deinen Finger aus — hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig“ (Joh 20,27). Indem du also untersuchst, ob ich selber dein Lehrer bin, von dem du weißt, dass er gekreuzigt wurde, und der jetzt vor dir steht, zweifle nicht mehr, sondern glaube an meine Auferstehung. Thomas antwortete, indem er seinen Glauben konzentriert ausdrückte. 
Wenn sein Lehrer auferstanden ist, dann ist er der, welchen er als seinen Herrn erkennt, wirklich Gott “Mein Herr und mein Gott.“ Die Gottesdiensthymnen des zweiten Ostersonntags wiederholen mehrmals den erstaunten Ausruf Thomas‘ angesichts des Heilands: “Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28). Die starke Betonung dieses Ausrufs, dieses Bekenntnisses, will die Tatsache unterstreichen, dass der Berührte Gott und Mensch war. Im Feiersynaxarion lesen wir, dass Thomas “mein Herr und mein Gott rief das eine für die Leiblichkeit und das andere für die Göttlichkeit.“ Das heißt, dass Thomas, indem er “Herr“ sagte, die Person Jesu als Mensch meinte, und indem er “Gott“ sagte, seine Göttlichkeit. “Obwohl die Türen verschlossen waren, tratest du, Christus, mit dem unbedeckten Glanz deiner Göttlichkeit in die Mitte deiner Apostel, zeigtest ihnen die Wunden deiner Hände und deiner Füße, und die Betrübnis ihrer Unruhe zerstreuend riefest du: Wie ihr an dem Leib, der vor euch steht, seht, bin ich kein Gespenst. Und den Jünger, der zweifelte, ermuntertest du, damit er ehrfürchtig berührt, ihm sagend: Du, der alles erforschst, komm und zweifle nicht mehr. Und als er mit der Hand deine doppelte Natur fühlte, rief er glaubensvoll: Mein Herr und mein Gott, Ehre sei dir!“ Der von Thomas Berührte war also Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen war und zusammen mit den Menschen gelebt hatte, der von ihnen gekreuzigt und getötet worden war, welcher nach drei Tagen auferstanden war und sich seinen Aposteln zeigte, um sie von seiner Auferstehung und Göttlichkeit zu überzeugen. Dieses Ziel erreichte er völlig, weil Thomas nach der Berührung “den Fleischgewordenen als den Gottessohn bekannte. Er hat ihn als den erkannt, welcher im Fleisch gelitten hat Er hat ihn als den auferstandenen Gott verkündet und voll Freude gerufen: Mein Herr und mein Gott, Ehre sei dir‘ Wir stehen voll Freude bei dem überzeugten Thomas, mit ihm bekennen wir Christus als Gott und Mensch und bitten ihn um die Rettung unserer Seelen.

Theologisch gehaltvolle Texte im Gottesdienst des zweiten Ostersonntags
Wie an jedem Fest sind die Texte, die die ganze Feier am besten charakterisieren und auch oft wiederholt werden, das Troparion, das Kondakion und der Ikos des Festes. Das Troparion kündet die Auferstehung Christi, während das Grab versiegelt war, und sein Kommen zu den Aposteln durch die verschlossenen Türen.“ Obwohl die Gruft versiegelt war, gingst du, das Leben, aus dem Grabe hervor, Christus, o Gott. Und als die Türen versiegelt waren, tratest du zu deinen Jüngern hin, du Auferstehung aller, durch sie den wahren Geist erneuernd nach deinem großen Erbarmen. Wichtig ist hier für uns die Grundwahrheit, dass Christus die Auferstehung von uns allen ist und dass er durch seine Apostel in und unter uns den wahren Geist erneuert. Unsere Auferstehung ist eine Folge des wahren Glaubens, der uns unverändert von den Aposteln überliefert wurde. Der wahre Geist wird dort gefunden, wo der wahre Glaube ist, der Glaube, den die Apostel von Christus übernommen und weiter überliefert haben. Das Kondakion und der Ikos des Festes beharren auf der Berührung der Wunde Jesu durch Thomas: “Mit seiner Wahrheit suchenden Rechten untersuchte Thomas deine lebenspendende Seite, Christus, o Gott. Denn als du eintratst bei verriegelten Türen, hat er mit den anderen Aposteln gerufen: Mein Herr bist du und mein Gott!“ “Wer bewahrte des Jüngers Hand, dass sie damals nicht zerschmolz, da sie sich näherte der feurigen Seite des Herrn? Wer gab ihr den Mut, wer flößte ihr die Kraft ein, glühend Gebein zu berühren? Sie, die er berührte. Denn hätte die Seite nicht der armseligen Rechten die Kraft verliehen, wie hätte sie die Leiden prüfen können, die Himmel und Hölle erschütterten. Thomas war die Gnade gegeben, die Seite zu berühren und zu Christus zu rufen: Mein Herr bist du und mein Gott!“ Im Kondakion wird betont, dass Thomas die Seite des auferstandenen und durch die verschlossenen Türen zu den Aposteln gekommenen Christus berührt hat, und der Ikos stellt die Tatsache in den Vordergrund, dass Thomas sich einer großen Gnade erfreute, indem er von Gott die Kraft und die Erlaubnis bekommen hat, „die feurige Seite“ und „das glühende Gebein“ zu berühren. Dank der Wirkung der Gnade wurde Thomas überzeugt und gläubig, und so bekannte er seinen Glauben: „Mein Herr und mein Gott.“ Wer einen beständigen Glauben hat; wird ihn notwendig bekennen. Es ist unmöglich, dass jemand einen Glauben hat und ihn nicht bekennt. Indem der Gläubige fest glaubt, wird er immer das unerschütterliche Zeugnis seines Glaubens geben.

(aus: Die Orthodoxe Spiritualität der Osterzeit; Kommentar zum Pentekostarion. Vater Serafim Pâtrunjel [Weihbischof Sofian], Verlag „Der Christliche Osten“ Würzburg, 1998.)
http://www.rum-orthodox.de/

Freitag, 25. April 2014

Heiliger Justin von Celije - Der Gottmensch: die Grundwahrheit der Orthodoxie


"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben."-Joh 14,6.

Alle Wahrheiten der Orthodoxie gehen hervor aus einer einzigen Wahrheit und führen hin zu einer einzigen Wahrheit, der unendlichen und ewigen Wahrheit. Diese Wahrheit ist der Gottmensch Christus. Wenn du irgendeine der Wahrheiten der Orthodoxie zur Gänze erfährst, wirst du unweigerlich erkennen, dass ihr Kern der Gottmensch Christus ist. Alle Wahrheiten der Orthodoxie sind tatsächlich nichts anderes als verschiedene Aspekte der einen Wahrheit -des Gottmenschen Christus.
Orthodoxie ist Orthodoxie auf Grund des Gottmenschen und von nichts anderem. Ein anderer Name für Orthodoxie ist deshalb: Gottmenschentum. Nichts in ihr existiert kraft des Menschen, aus dem Menschen, sondern alles kommt vom Gottmenschen und existiert kraft des Gottmenschen.
Warum ist der Gottmensch die Grundwahrheit der Orthodoxie? Weil Er alle Fragen beantwortet hat, die den menschlichen Geist quälen und bedrängen: die Frage von Leben und Tod, die Frage von Gut und Böse, die Frage von Himmel und Erde, die Frage von Wahrheit und Falschheit, die Frage von Liebe und Hass, die Frage von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Kurz: die Frage von Gott und Mensch. 

Warum ist der Gottmensch die Grundwahrheit der Orthodoxie? Weil Er durch Sein Leben auf Erden auf offenkundigste Art bewiesen hat, dass Er die fleischgewordene, menschgewordene und persongewordene ewige Wahrheit ist, die ewige Gerechtigkeit, die ewige Liebe, die ewige Freude, die ewige Kraft. Die Wahrheit selbst, die Gerechtigkeit selbst, die Liebe selbst, die Freude selbst, die Kraft selbst. 
Nur durch den Gottmenschen vermag der Mensch die vollständige Wahrheit über den Menschen, über den  Sinn und Zweck seines eigenen Daseins zu erkennen. Ohne Ihn wird der Mensch zum Phantom, zur Vogelscheuche, zu einer Absurdität. Ohne Ihn findest du bloß den Bodensatz eines Menschen, Bruchstücke eines Menschen, das Wrack eines Menschen. Echtes Menschsein  ist möglich nur in der Gottmenschlichkeit. Eine andere Art von Menschsein gibt es nicht unter dem Himmel.
Der Gottmensch brachte alle göttlichen Vollkommenheiten vom Himmel herab auf Erden. Nicht nur brachte Er sie herab, Er lehrte sie uns auch und gab uns die gnadenerfüllte Kraft, sie zu unserem Leben zu machen, zu unserem Denken, unserem Fühlen, unserem Tun. Deshalb sind wir berufen, sie in uns selbst und in der Welt um uns zu inkarnieren. 
Betrachten wir das Beste der besten Menschen des Menschengeschlechts. In allen von ihnen ist der Gottmensch das Beste, das Wichtigste, das Ewige. Denn Er ist die Heiligkeit der Heiligen, das Martyrertum der Martyrer, die Gerechtigkeit der Gerechten, die Apostolizität der Apostel, die Gutheit der Guten, die Barmherzigkeit der Barmherzigen, die Liebe der Liebenden. 
Nur in Ihm, dem allerbarmenden Herrn Jesus, findet der von irdischen Tragödien gequälte Mensch den Gott, Der dem Leiden wahrhaft Sinn geben kann, den Tröster, Der ihn wahrhaft trösten kann in jedwelchem Unglück und Leid, den Beschützer, Der ihn wahrhaft beschützen kann vor allem Bösen, den Retter, Der ihn wahrhaft retten kann aus Sünde und Tod, den Lehrer, Der ihn wahrhaft ewige Wahrheit und Gerechtigkeit lehren kann. 

Er erhebt den Menschen zum Unendlichen. Er erhebt ihn zu Gott. Er macht ihn zum Gott der Gnade nach. Er erfüllt ihn mit allen göttlichen Vollkommenheiten. Der Gottmensch hat den Menschen mehr verherrlicht, als irgendetwas oder irgendwer es je zu tun vermöchte. Er hat ihm ewiges Leben geschenkt, ewige Wahrheit, ewige Liebe, ewige Gerechtigkeit, ewige Gutheit, ewige Segnung. Durch den Gottmenschen erlangt der Mensch göttliche Erhabenheit.
Während das Fundament der Orthodoxie der Gottmensch ist, ist das Fundament jeder Heterodoxie der Mensch, genauer gesagt Fragmente des Menschen  -seine Vernunft, sein Wille, seine Sinne, seine Psyche, sein Leib, sein Sachwissen.
Der ganze Mensch ist der Heterodoxie unbekannt. Sie zerteilt ihn in Atome, Partikel. So wie "Kunst um der Kunst willen" eine Absurditätist, so ist es auch "der Mensch um des Menschen willen". Dieser Weg führt zum erbärmlichsten Pandämonium, in welchem der Mensch der oberste Götze ist -und es gibt nirgends einen Götzen, der erbärmlicher wäre als er. 
Die erste Wahrheit der Orthodoxie ist, dass der Mensch nicht um seiner selbst willen existiert, sondern um Gottes willen, genauer gesagt, um des Gottmenschen willen. Im Gottmenschen allein ist Begreifen des Menschseins möglich. In Ihm allein ist Rechtfertigung des menschlichen Daseins möglich. Alle Mysterien von Himmel und Erde sind enthalten in dieser Wahrheit, alle 
Werte aller Welten, die der Mensch betrachten kann, alle Freuden aller Vollkommenheiten, die der Mensch erlangen kann. 
In der Orthodoxie ist der Gottmensch alles, sowohl mittelbar als auch unmittelbar, und so west 
der Mensch in Ihm. Doch in der Heterodoxie gibt es nur den Menschen.
In ihrem eigentlichen Wesen ist die Orthodoxie nichts anderes als die Person des Gottmenschen Christus, ausgedehnt über alle Zeiten, ausgedehnt als  die Kirche. Die Orthodoxie hat ihr eigenes Siegel und Zeichen, durch das sie sich kennzeichnet. Es ist die strahlende Person des Gottmenschen Jesus.
Alles was diese Person nicht hat, ist nicht orthodox. Alles was die Gerechtigkeit, Wahrheit, Liebe und Ewigkeit des Gottmenschen nicht hat, ist nicht orthodox. Jeder Versuch, das Evangelium des Gottmenschen in dieser Welt zu verwirklichen durch die Methoden dieser Welt, durch die Methoden der Reiche dieser Welt, ist nicht orthodox, sondern bedeutet Verfall an die die dritte Versuchung des Teufels (s. Mt 4,8).
Orthodox sein bedeutet, den Gottmenschen unablässig in deiner Seele zu tragen, in Ihm zu leben, in Ihm zu fühlen, in Ihm zu handeln. Mit anderen Worten, orthodox sein bedeutet, Christus-Träger und Geist-Träger zu sein. Ein Mensch erlangt dies, wenn im Leib Christi, der Kirche, sein ganzes Wesen, von oben  bis unten, erfüllt wird vomGottmenschen Christus. Deshalb ist der orthodoxe Mensch mit Christus in Gott verborgen (Kol 3, 1-3). 
Der Gottmensch ist die Achse aller Welten, von der Welt des Atoms bis zur Welt der Cherubim. Jedes Geschöpf, das abbricht von dieser Achse, stürzt in Schrecken, in Qual, in Todesangst. Luzifer brach ab -und wurde Satan. Engel brachen ab -und wurden Dämonen. Der Mensch brach weitgehend ab -und wurde unmenschlich (ein Nicht-Mensch). 
Alles Geschöpfliche, das abbricht davon, stürzt unweigerlich in Chaos und Leid. Wenn ein Volk als ganzes den Gottmenschen verleugnet, wird seine Geschichte zu einer Wanderung durch Hölle und Horror. 
Der Gottmensch ist nicht nur die Grundwahrheit der Orthodoxie, sondern auch ihre Kraft und Allmacht, denn Er allein rettet den Menschen vom Tod, von der Sünde und vom Teufel. 
Kein Mensch, wer immer er sei, noch auch die Menschheit als ganze vermochte und vermöchte dies je zu tun. Des Menschen Kampf gegen Tod, Sünde und den Teufel führt stets zur Niederlage, es sei denn, er wird vom Gottmenschen geführt. Nur durch den Gottmenschen Christus vermag der Mensch Tod, Sünde und den Teufel zu besiegen. 

Deshalb ist die Bestimmung des Menschen: sich selbst zu füllen mit dem Gottmenschen in Dessen Leib, der Orthodoxen Kirche; transfiguriert zu werden in Ihm durch Großtaten christlicher Askese kraft der Gnade; mächtig zu werden zu allem Guten, sodass er, während er leibhaftig durch diesen traurigen irdischen Ameisenhaufen wandert, in seiner Seele oben lebt, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt, und sein Leben durch das Gebet unablässig ausspannt zwischen Erde und Himmel, wie ein Regenbogen, der den Gipfel der Himmel verbindet mit dem Abgrund der Erde.
Unsterblich zu werden in Ihm durch die Macht des Heiligen Geistes, einszuwerden mit Gott, mit dem Gottmenschen  -das ist die Bestimmung, die wahre Bestimmung des gesamten Menschen-geschlechts. Es ist auch die Freude, die einzige wahre Freude in dieser Welt grenzenlosen Leids und vergiftender Bitterkeit.
Orthodoxie ist das, was sie ist, durch den Gottmenschen. Und indem wir Orthodoxen den Gottmenschen bekennen, bekennen wir indirekt das Christus-Bild im Menschen, den göttlichen Ursprung des Menschen, die göttliche Bestimmung des Menschen und damit auch den göttlichen Wert und die Heiligkeit der menschlichen Person.
Der Kampf für den Gottmenschen ist tatsächlich der Kampf für den Menschen. Nicht die Humanisten, sondern das orthodoxe Volk mit seinem Glauben und Leben im Gottmenschen trägt den Kampf aus für den wahren Menschen, den Menschen nach dem Bilde Gottes, nach dem Bild Christi.


Quelle: www.prodromos-verlag.de

Donnerstag, 24. April 2014

Die zwei Naturen Christi - Homilie des Metropoliten Ilarion von Kiew (1051 - 1054)

Die zwei Finger Christi symbolisieren die zwei Naturen Christi
                                    

Vor aller Zeit vom Vater geboren, Er, der allein mit dem Vater eines Thrones und eines Wesens ist, wie das Licht mit der Sonne, kam herab auf die Erde, suchte heim Sein Volk, ohne sich vom Vater zu trennen, und wurde Fleisch von einer reinen, unbefleckten Jungfrau, die von keinem Manne wusste.
Nachdem Er eingegangen war in ihren Schoß, wie nur Er selbst es weiß, ging Er ebenso aus ihm hervor in beiden Naturen, der Gottheit und der Menschheit, als Einer der heiligsten Dreifaltigkeit.
Er zeigte auf Erden Göttliches nach der Gottheit und Menschliches nach der Menschheit.
Denn als Mensch ließ Er den Leib Seiner Mutter wachsen und als Gott ging Er aus ihm hinaus, ohne ihre Jungfräulichkeit zu verletzen.
Als Mensch empfing Er die Muttermilch und als Gott ließ Er die Engel bei sich singen: "Ehre sei Gott in der Höhe!"
Als Mensch wurde Er in Windeln gewickelt und als Gott führte Er die Magier durch den Stern.
Als Mensch wurde Er niedergelegt in der Krippe und als Gott empfing Er von den Magiern Gaben und Anbetung.
Als Mensch floh Er nach Ägypten und als Gott verneigten sich vor Ihm die mit Händen gemachten ägyptischen Götzenbilder.
Als Mensch von zwölf Jahren betrübte Er seine Eltern und als Gott musste Er im Hause Seines Vaters sein.
Als Mensch kam Er zur Taufe und vor Ihm als Gott erschreckend wandte sich der Jordan zurück.
Als Mensch entkleidete Er sich und trat in das Wasser und als Gott empfing Er vom Vater das Zeugnis: Dies ist Mein geliebter Sohn!
Als Mensch fastete Er vierzig Tage, sodass ihn hungerte und als Gott besiegte Er den Versucher.
Als Mensch ging Er zur Hochzeit nach Kana in Galiläa und als Gott verwandelte Er Wasser in Wein.
Als Mensch schlief Er im Schiff und als Gott gebot Er den Winden, die Ihm gehorchten.
Als Mensch weinte Er über Lazarus und als Gott erweckte Er ihn von den Toten.
Als Mensch setzte Er sich auf ein Eselsfüllen und als Gott rief man Ihm zu: Gepriesen sei, Der da kommt im Namen des Herrn!
Als Mensch wurde Er gekreuzigt und als Gott ließ Er den mit Ihm Gekreuzigten aus eigener Vollmacht ins Paradies ein.
Als Mensch kostete Er Essig und gab Seinen Geist auf und als Gott ließ Er die Sonne sich verfinstern und die Erde beben.
Als Mensch wurde Er im Grabe niedergelegt und als Gott zerstörte Er den Hades, die Seelen befreiend.
Als Mensch versiegelte man Ihn im Grabe und als Gott ging Er hinaus, das Siegel unverletzt bewahrend.
Als Mensch widerfuhr Ihm, daß die Juden Seine Auferstehung zu verheimlichen suchten, indem sie die Wächter bestachen, als Gott aber wurde Er bekannt und erkannt von allen Enden der Erde.
In Wahrheit: Welcher Gott ist so groß wie unser Gott?
Er ist Der Gott, der Wunder tut!


Montag, 21. April 2014

Die Kraft der Auferstehung Christi - Hl. Nikolaj (Velimirovic )


„Christus ist auferstanden“- bedeutet, dass es Gott wahrhaftig gibt.
„Christus ist auferstanden“ – bedeutet, dass die himmlische Welt wirklich existiert, die reale und unsterbliche Welt.
„Christus ist auferstanden“ – bedeutet, dass das Leben stärker ist als der Tod.
„Christus ist auferstanden“ – bedeutet, dass das Böse vom Guten besiegt wurde.
„Christus ist auferstanden“ – bedeutet, dass alle guten Hoffnungen der Menschheit erfüllt wurden.
„Christus ist auferstanden“ – bedeutet, dass alle Probleme des Lebens gelöst wurden.

Alle Probleme wurden gelöst, die Fragen, die den Menschen schon lange quälen. Die Ketten der Dunkelheit  und des Leidens wurden gesprengt – denn Christus ist auferstanden!

Der Herr gibt Hilfe in Seiner Gnade. In den Kirchlichen Sakramenten finden wir die geistige Kraft und in unseren Schwächen vervollkommnet sich die göttliche Kraft (2 Kor. 12,9) Welche Schwierigkeiten uns auf unseren Wegen auch begegnen mögen, der Erlöser ist immer mit uns. Er stärkt uns mit Liebe und hält seinen Kindern die Treue.

An den heiligen, feierlichen Tag der Auferstehung grüßen wir die ganze Menschheit. Die verehrte Priesterschaft, alle Mönche, die Jugend, die Kinder, alle orthodoxe Gläubigen.

Im Gebet wünschen wir allen viel geistige Freude und die Fülle der Gnade der Auferstehung Christi. In den 
Oster-Tagen, die große Feier begegnend, denken wir daran, unsere Freude auch mit anderen zu teilen – mit den Armen, den Einsamen, den Nächsten – ihnen allen die Kunde bringend vor der Auferstehung Christi.
Möge die Gnade des auferstandenen Christus mit euch allen sein. 


http://www.deutsch-orthodox.de/

Donnerstag, 17. April 2014

Heute, den Großen Donnerstag Abend...

                                      

Der Gottesdienst der heiligen Passion unseres Herrn Jesus Christus. Der Orthros des Freitagmorgens wird am Donnerstag Abend gesungen. 


Der Große Freitag feiert die heilige, rettende und ehrfurchteinflößende Passion Christi. Um uns von unseren Sünden zu erlösen, nahm Christus freiwillig bespucken, geißeln, schlagen, verlachen, spotten und den purpurnen Umhang auf sich; Schilfrohr, Schwamm, Essig, Nägel, Lanze und vor allem Kreuz und Tod. Das Bekenntnis des mit Christus gekreuzigten Räubers wird gefeiert. 

Der Gründonnerstag ist einer der bedeutendsten Tage der griechischen Osterwoche, da an diesem Tag die zwölf Evangelien, die die Leiden Gottes beschreiben, vorgelesen werden. Nach dem sechsten Evangelium gehen alle Lichter der Kirche aus un
Epitáfios.jpg
d die Gläubigen verfolgen mit angezündeten Kerzen und glasigen Augen die Nachstellung der Kreuzigung von Jesus und singen dabei die altgriechische Psalme "Símeron kremáte epi ksílou....." ("Heute wird er an das Holz gehängt....."). In diesem Augenblick hört man das Hämmern der Nägel womit Jesus an Händen und Füßen an das Kreuz genagelt wurde. Es ist ein sehr emotionaler Moment und die meisten Gläubigen fragen sich mit Tränen in den Augen, warum sich Jesus für die Menschheit opfern und soviel erleiden musste. Im Anschluss darauf wird das Kreuz mit dem Leichnam von Jesus Christus in die Mitte der Kirche gestellt und die Menschen legen Blumen und Kränze davor, um ihre Trauer über seinen Tod auszudrücken. Nach diesem Vorgehen werden die letzten sechs Evangelien vorgetragen und nach dem Gottesdienst übernachten sehr viele Christen dort, um vor der Beerdigung von Jesus noch die letzten Stunden mit ihm zu verbringen, um ihm ihre Liebe zu zeigen und ihm die letzte Ehre zu erweisen. Junge Frauen und Männer schmücken die ganze Nacht mit zahlreichen, weißen und roten Blumen der Saison seinen hölzernen Sarg, worauf am Morgen des Karfreitag der Körper von Jesus Christus darauf gelegt wird. Im Griechischen nennt es sichEpitáfios. Es handelt sich dabei um ein goldbesticktes Tuch, das den Leichnam von Jesus mit der Heiligen Mutter Maria und den Engeln darstellt.

Lasst uns unsere Leidenschaften und Sünden kreuzigen und unseren Erlöser verehren!