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Freitag, 30. August 2024

Die Versuchungen sind uns von Gott zu unserem Wohl gegeben

 



Gott bedauert unsere Neigung, die uns Leid verursacht und sich gegen Seine Gebote richtet, und lässt zu, dass wir von Versuchungen heimgesucht werden, die manchmal in vielerlei Hinsicht schrecklich und fürchterlich sind, damit wir uns demütigen und uns selbst erkennen, auch wenn sie nutzlos zu sein scheinen. Und damit offenbart Er uns auch Seine Gutmütigkeit und Weisheit, wenn Er uns mit dem, das uns am schädlichsten erscheint, Gutes tut, weil wir uns in größerer Demut üben, was das wichtigste und unabdingbarste aller Dinge für unsere Seele ist. 

Da sehen wir, was für ein Gewinn aus diesen niederen Gedanken kommt. Derjenige, der vorher meinte, nichts Böses zu tun, glaubt nun, dass er der größte Missetäter der Welt und es nicht einmal Wert sei, ein Christ genannt zu werden. Natürlich hätte er nie solche demutsvollen Gedanken über sich selbst gehabt, um zu solch tiefer Demut zu gelangen, hätten ihn nicht die große Zerknirschung und diese unvergleichlichen Versuchungen und Bitternisse des Herzens dazu gedrängt, die eine Wohltat Gottes für diejenigen darstellen, die sich ihm gedemütigt hingeben, um sie zu heilen mit dieser Medizin, mit der allein Er weiß, dass sie für die Gesundheit und das Wohl unabdingbar ist. 


hl. Nikodemos der Agiorit

Auszug aus: Der Unsichtbare Kampf

Donnerstag, 29. August 2024

Lehrreiche Vision über den geistigen Kampf des heiligen Ephraim von Philotheou (od. Arizona)

 


Meine lieben Kinder, in diesen Tagen habe ich irgendwann etwas gesehen, und ich möchte es euch erzählen. Ich denke, es ist ziemlich symbolisch, dass ich das gesehen habe. So wie eine Mutter ein neugeborenes Kind in ihren Armen hält und es gepuckt in ihren Armen hält, so sah ich mich selbst ein kleines Kind halten, ein Baby, das in ein Tuch gewickelt war, und ich hielt es so in meiner rechten Hand in meinen Armen, ganz fest, und ich fühlte zu diesem Kind viel Liebe, also als wären wir sehr vereint. Manchmal empfand ich es wie ein kleines Mädchen, manchmal wie ein Vögelchen. So empfand ich es.

Und ich hatte vor, einen Weg zu gehen. Dies war ein schwieriger Weg. Es ging bergauf und bergab, viele Schwierigkeiten gab es, aber ich musste definitiv diesen Weg gehen, dieses Kind in meinen Armen haltend, um es zu retten, um es zu seinem Ziel zu bringen. Als ich diese Straße entlangging, begegnete ich Räubern, böswilligen Menschen. All diese Leute hatten ihre Augen mit viel Bosheit auf das gerichtet, was ich in meinen Händen hielt. Sie dachten darüber nach, wie sie es mir wegnehmen, töten oder vergiften könnten. Ich, der ich sie mit all ihrer Bosheit sehe, halte sie fest, um mich nicht zu verlassen, sie mir nicht wegzunehmen, nicht um sie zu töten.

Als ich dann den Weg entlangging, fühlte ich auch, wie in einem Halbkreis hinter mir, ich fühlte einen Schutz, ich fühlte, dass Bewaffnete mich bewachten, mich beschützten. Deshalb kamen diese Räuber trotz ihres schlechten Vorsatzes und ihres Einsatzes nicht in meine Nähe, um mir das zu entreißen, was ich in der Hand hielt. Und in einem Augenblick, als ich dort entlang ging, sah ich einen Drachen, wie er auf der Ikone des Heiligen Georg abgebildet ist. Mit Flügeln, einem krokodilartigen Kopf und dergleichen und er war bereit, sich auf mich zu stürzen, um mir zu schnappen, was ich hatte. In diesem Moment sehe ich von meiner rechten Seite aus eine Hand mit einer großen Lanze, die das Tier in seinen Bauch spieß.

Und nachdem sie es aufgespießt hatte, kam aus dem Maul des Tieres das Gift wie bei einem Wasserhahn, es spuckte es aus. Nachdem diese Hand die Lanze herausgezogen hatte, erhob es sich, machte zwei oder drei Schritte, fiel hin und starb. Dann ging ich voran und hielt das Kind sehr fest, manchmal wie ein kleines Mädchen, manchmal wie ein Vogel kam es mir vor, in die Tücher gewickelt, und nachdem ich durch alle Schwierigkeiten gegangen war und mich entspannt hatte und mich wohl fühlte, dass wahrscheinlich alle Schwierigkeiten überwunden waren, dann wieder wollte ich sicher sein, dass ich es hielt, und ich sah, dass ich es hielt, und ich fühlte sogar seine Füßchen und sah, dass ich es tatsächlich hielt, ich hatte nun alles überwunden.

Als ich zu mir kam, wurde ich innerlich unterrichtet, dass dieses Kind meine Seele repräsentierte oder die Seele eines jeden Menschen, jedes meiner geistlichen Kinder, das ich verantwortungsvoll übernommen habe. Wahrlich, das ist der Weg zu Christus, um dieses höchste Ziel zu erreichen, in diesem Leben muss man diesen schwierigen Weg gehen. Sowohl in der Natur des Weges als auch in den imaginären Räubern, die Wachen halten und Fallen, Hinterhalte und so viele andere Dinge aufgestellt haben, um jeden Wanderer zu fangen, jeden Christen, der diesen Weg geht, der ihn zu Christus führt.

Sie sind auch diese Dämonen, sie sind wie Zollstationen, so wie jede Seele eines Tages durch die Zollstationen gehen wird, um zu Christus zu gelangen, so durchlaufen wir hier unten diesen Zollstationen, diesen Versuchungen, diesen Dämonen, und wenn der Mensch, der Christ, diese passiert, muss er daran glauben, dass er auch die anderen passieren wird, wenn er an diesen Dämonen vorbeigeht. Ich meine, lass dich hier unten nicht von irgendeiner Leidenschaft gefangen nehmen. Gib keiner Sünde nach, die dann so schwer auf der Seele lastet, dass sie aus eigener Verantwortung erliegt und sich ergibt. Die Fallstricke sind vielfältig. 


Dienstag, 20. Dezember 2016

ÜBER DIE KRANKHEIT - seliger Altvater Porphyrios von Kavsokalyvia

Mein Christus, Deine Liebe ist grenzenlos
 

Ich danke Gott, der mir viele Krankheiten gegeben hat (1). Oft sage ich zu Ihm: "Mein Christus, Deine Liebe ist grenzenlos!" Wie ich lebe, ist ein Wunder. Nebst anderen Krankheiten habe ich auch ein Krebs­geschwür an der Hypophyse. Dieses Geschwür vergrössert sich und drückt auf den Sehnerv. Deshalb sehe ich jetzt nichts mehr. Ich habe entsetzliche Schmerzen. Doch ich bete und nehme das Kreuz Christi auf mich mit Geduld. Seht ihr meine Zunge, wie sie ist? Sie ist ange­schwollen, sie ist nicht wie früher. Auch das rührt vom Krebs her, den ich im Kopf habe. Wenn sie noch grösser wird, werde ich Schwierig­keiten haben beim Reden. Ich habe grosse Schmerzen, ich leide sehr, doch meine Krankheit ist sehr schön. Ich empfinde sie als Liebe Christi. Ich bin bewegt und danke Gott. Es geschieht wegen meiner Sünden. Ich bin ein Sünder, und Gott bemüht sich, mich zu läutern.


Als ich sechzehn Jahre alt war, bat ich Gott, mir eine schwere Krankheit zu senden, einen Krebs, damit ich leide um Seiner Liebe wil­len und Ihn verherrliche inmitten der Schmerzen. Während langer Zeit betete ich in dieser Weise. Doch dann sagte mir mein Gerontas, das sei Egoismus und so nötige ich Gott. Gott weiss, was Er tut. Deshalb hörte ich auf damit. Doch seht, Gott hat meine Bitte nicht vergessen und mir diese Wohltat geschenkt, nach so vielen Jahren!
Jetzt bitte ich Gott nicht, dass Er mir das, was ich von Ihm erbeten hatte, wieder nehme. Ich freue mich, es zu haben, sodass auch ich wegen meiner grossen Liebe teilhaben darf an Seinen Leiden. Ich habe die Züchtigung Gottes. Wen der Herr liebt, den züchtigt Er (Hebr 12,6). Meine Krankheit ist eine besondere Gunst Gottes, die mich ruft, in das Geheimnis Seiner Liebe einzutreten und mit Seiner Gnade zu versu­chen, darauf zu antworten. Doch ich bin nicht würdig. Ihr werdet mir sagen: "All die Dinge, die Gott dir offenbart hat, machen sie dich nicht würdig?" Eben sie sind es, die mich verurteilen. Denn diese Dinge gehören der Gnade Gottes. Nichts gehört mir. Gott hat mir viele Charis­men geschenkt, aber ich habe nicht entsprechend geantwortet. Ich habe mich als unwürdig erwiesen. Das Bemühen darum aber habe ich kei­nen Moment aufgegeben. Vielleicht wird Gott mir Seine Hilfe ge­währen, damit ich mich Seiner Liebe übergebe.


Aus diesem Grund bete ich Gott nicht darum, dass Er mich gesund mache, sondern darum, dass Er mich gut mache. Ich bin sicher, dass Gott weiss, dass ich Schmerzen habe. Doch ich bete für meine Seele, damit Gott mir meine Fehltritte vergibt. Ich nehme keine Medikamente, ich liess mich nicht operieren, auch nicht untersuchen, und ich werde nicht einwilligen in eine Operation. Ich überlasse es Gott, die Dinge so zu regeln, wie Er will. Das Einzige, was ich tue, ist dies – ich bemühe mich, gut zu werden. Um dies betet auch ihr für mich. Die Gnade Gottes hält mich. Ich bemühe mich, mich Christus zu übergeben, mich Christus zu nähern, einszuwerden mit Christus. Das möchte ich, doch es mir noch nicht gelungen – ich sage das nicht aus Demut. Doch ich lasse meinen Mut nicht sinken. Ich fahre fort, mich zu bemühen. Ich bete, damit Gott mir meine Sünden vergibt. Ich habe viele gehört, die sagen: "Ich kann nicht beten…" Solches ist mir nicht widerfahren. Nur einmal, am Tag meines Ungehorsams auf dem Heiligen Berg, da geschah mir das.
Es kümmert mich nicht, wie lange ich noch leben werde und ob ich leben werde. Dies habe ich der Liebe Gottes überlassen. Es geschieht oft, dass die Menschen nicht an den Tod denken wollen. Sie tun das, weil sie leben wollen. Dies ist einerseits ein Beweis für die Unsterblich­keit der Seele. Andererseits aber, ob wir nun leben, ob wir nun sterben, wir gehören dem Herrn (Röm 14,8). Der Tod ist eine Brücke, die uns zu Christus führt. Sobald wir unsere Augen schliessen, öffnen wir sie in der Ewigkeit. Wir werden vor Christus erscheinen. Im anderen Leben werden wir die Gnade Gottes viel intensiver erfahren.

Ich empfand grosse Freude beim Gedanken,
dass ich bald dem Herrn begegnen würde

Einmal war ich dem Tod nahe (2). Ich hatte schwere Magenblutungen
erlitten wegen dem Cortison, das man mir im Spital gegeben hatte, als ich am Auge operiert wurde, welches ich letztlich verlor. Damals wohn­te ich in einem kleinen Hüttchen. Das Kloster war noch nicht erbaut. Ich war so erschöpft, dass ich nicht einmal begriff, ob es Tag war oder Nacht. Ich war dem Tod nahe, doch ich überlebte. Ich verlor enorm an Gewicht. Der Appetit verging mir. Drei Monate lang nahm ich pro Tag nur drei Löffel Milch zu mir. Eine Ziege rettete mich!
Ich lebte mit dem Gedanken meines baldigen Hingangs. Ich emp­fand grosse Freude beim Gedanken, dass ich bald dem Herrn begegnen würde. Ich spürte die Gegenwart Gottes innigst in mir. Und Gott wollte mich damals mit einer grossen Segnung stärken und trösten. Zu wie­derholten Malen, wenn ich fühlte, dass meine Seele drauf und dran war, hinzuscheiden, sah ich am Himmel einen Stern, der funkelte und rings­um wunderbar süsse Strahlen aussandte. Er strahlte hell und überaus süss. Er war wunderschön! Sein Licht hatte solche Süsse. Seine Farbe war blau, ein helles Himmelblau, wie ein Diamant, wie ein Edelstein. Sooft ich ihn sah, erfüllte mich Trost und Freude, denn ich spürte, dass in jenem Stern die ganze Kirche war, der Dreieinige Gott, die Allheilige Gottesmutter, die Engel, die Heiligen. Ich hatte das Gefühl, dass dort alle die Meinigen waren, die Seelen all derer, die ich liebte, meiner Altväter. Ich glaubte, dass auch ich, wenn ich aus diesem Leben schei­de, zu jenem Stern gehen würde, nicht wegen meiner Tugenden, son­dern wegen der Liebe Gottes. Ich wollte glauben, dass Gott, Der mich liebt, mir jenen Stern zeigte, um mir zu sagen: "Ich warte auf dich!"
Ich wollte nicht an die Hölle denken, an die Zollstationen. Ich dachte nicht an meine Sünden, obwohl ich viele hatte. Ich schob sie beiseite. Ich dachte nur an die Liebe Gottes und freute mich. Und ich bat: „Um Deiner Liebe willen, o mein Gott, lass auch mich dort sein. Doch wenn ich wegen meiner Sünden in die Hölle gehen muss, dann möge mich Deine Liebe hintun, wo sie will. Es genügt mir, wenn ich mit Dir zusammen bin.“ So viele Jahre lebte ich in der Wildnis mit der Liebe Christi. Ich sagte zu mir selbst: "Wenn du in den Himmel hinauf gehst und Gott zu dir sagt: Freund, wie kamst du hier herein, ohne ein hochzeitliches Gewand zu haben? (Mt 22,12), was willst du hier? Dann werde ich Ihm antworten: Was Du willst, mein Herr, was Deine Liebe will. Sie möge mich hintun, wo sie will. Ich übergebe mich Deiner Liebe. Wolltest Du mich selbst in die Hölle schicken, so schicke mich. Mir genügt es, wenn ich Deine Liebe nicht verliere!
Ich war mir meiner Sündhaftigkeit bewusst, und deshalb sagte ich innerlich ununterbrochen das Gebet des heiligen Symeon des Neuen Theologen:

"Ich weiss, o Retter, keiner hat wie ich
sich gegen Dich versündigt,
keiner tat, was ich getan.
Doch auch das nun weiss ich:
Grösser als alle meine Sünden,
als jede Menge Fehler,
ist die Langmut meines Gottes,
Seine unfassbare Liebe zu den Menschen."
(3)

Was dieses Gebet sagt, sind nicht unsere Worte. Wir sind nicht imstand, solche Worte zu denken und zu sagen. Sie wurden von Heili­gen geschrieben. Doch was die Heiligen geschrieben haben, das soll sich unsere Seele zu eigen machen, es empfinden und es leben. Mir gefallen auch jene anderen Verse desselben Gebets:

"Nichts entgeht Dir, o mein Gott,
mein Schöpfer und Erretter,
keine einzige Träne,
auch nicht das geringste Tröpfchen.
Als ich noch ungestaltet war,
da sahen mich schon Deine Augen,
und in Deinem Buche steh’n geschrieben,
meine Taten, die noch nicht begangen.
Siehe meine Armut,
sieh auch meine Mühsal!
und erlasse, o Gott aller,
mir die Sünden alle…"


Dieses Gebet wiederholte ich unablässig, mit Sehnsucht, um jenen
Gedanken zu entgehen. Sooft ich es wiederholte, erschien oben im Unendlichen der Stern, meine Tröstung. Er kam an allen jenen Tagen, da ich grosse Schmerzen litt. Und wenn er kam, sprang meine Seele vor Freude, und ich sagte bei mir: "Mein Stern ist gekommen!" Ich spür­te, wie er mich zog, damit ich zu ihm gehe, weg von der Erde. Ich emp­fand grosse Freude, wenn ich ihn sah. Ich wollte nicht an meine Sünden denken, wie ich euch sagte, denn jene hätten mich von jenem Mysterium entfernt. Nur einmal, nur einziges Mal hatte ich das Gefühl, der Stern sei leer, er funkelte nicht, er war nicht voll. Da begriff ich. Das kam vom Widersacher. Ich ignorierte ihn und wandte mich anders­wohin, ich sprach mit meiner Schwester über irgendwelche Arbeiten. Nach einer kurzen Weile sah ich ihn wieder hell strahlen, und die Freude kehrte noch intensiver zurück in mich.
Diese ganze Zeit über hatte ich entsetzliche Schmerzen am ganzen Leib. Die anderen sahen, dass ich im Sterben lag. Ich aber hatte mich der Liebe Gottes übergeben. Ich bat Ihn nicht, mich zu erlösen von den Schmerzen. Wonach ich mich sehnte, war, dass Er sich meiner erbar­me. Ich verliess mich auf Ihn und wartete darauf, dass Seine Gnade wirke. Den Tod fürchtete ich nicht. Ich würde ja zu Christus gehen. Wie ich euch sagte, wiederholte ich ununterbrochen das Gebet des heiligen Symeon des Neuen Theologen, doch nicht mit Eigennutz, nicht damit Gott mich gesund mache. Ich empfand jedes einzelne Wort des Gebets. Das Geheimnis in der Krankheit ist, zu kämpfen, damit du die Gnade Gottes erlangst

Krankheiten bringen uns grossen Nutzen, wenn wir sie ohne Murren
ertragen und Gott verherrlichen dafür und Sein Erbarmen suchen. Wenn wir erkranken, geht es nicht einfach darum, dass wir keine Medika­mente nehmen oder zum heiligen Nektarios beten. Wir müssen auch jenes andere Geheimnis wissen: wir müssen kämpfen, damit wir die Gnade Gottes erlangen. Das ist das Geheimnis. Alles weitere wird uns die Gnade lehren, das nämlich: wie wir uns ganz Christus überlassen. Wir ignorieren die Krankheit, wir denken nicht an sie, sondern wir den­ken an Christus, sachte, unmerklich, ohne Eigennutz, und Gott wird Sein Wunder vollbringen, so wie es heilsam ist für unsere Seele. Wie wir in der Göttlichen Liturgie sagen: Lasst uns… unser ganzes Leben Christus unserem Gott übergeben (4).
Doch wir müssen sie wollen, diese Nichtbeachtung der Krankheit. Wenn wir es nicht wollen, ist es schwer. Wir können nicht einfach sagen: "Ich ignoriere sie." Denn während wir meinen, wir ignorierten sie und mässen ihr keine Bedeutung bei, tun wir in Wirklichkeit das Gegenteil und haben sie ständig im Sinn, sodass wir in uns keine Ruhe finden können. Ich will es euch beweisen. Wir sagen: "Ich glaube, dass Gott mich heilen wird. Ich nehme keine Medikamente. Ich werde es so machen: Ich bleibe die ganze Nacht wach und bitte Gott in dieser Sache. Er wird mich erhören." Wir beten die ganze Nacht, wir bitten, flehen, ersuchen, rufen, nötigen Gott und alle Heiligen, uns gesund zu machen. Wir drängen sie Tag und Nacht. Wir rennen hierhin, dorthin. Zeigen wir mit alledem nicht, dass wir die Krankheit nicht ignorieren? Je mehr wir beharren und die Heiligen und Gott nötigen, uns zu heilen, desto mehr leben wir unsere Krankheit. Je mehr wir uns bemühen, sie loszuwerden, umso mehr erfahren wir sie. Aus diesem Grund geschieht nichts. Wir aber haben den Eindruck, dass unweigerlich ein Wunder geschehen wird. Doch in Wirklichkeit glauben wir es gar nicht, und so werden wir nicht gesund.
Wir beten, wir nehmen keine Medikamente, doch wir finden keine Ruhe, und das Wunder geschieht nicht. Du wirst sagen: "Aber ich nahm kein Medikament, wie ist es möglich, dass ich nicht glaube?" Und den­noch, zutiefst in uns hegen wir Zweifel und haben Angst und denken: "Ob es wohl geschehen wird?" Hier gilt das Schriftwort: Wenn ihr Glau­ben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht nur das tun, was mit dem Feigenbaum geschehen ist, sondern wenn ihr zu diesem Berg sagt: Heb dich hinweg und stürze dich ins Meer! So wird es geschehen (Mt 21, 21). Wenn der Glaube echt ist, dann wirkt er, ob du nun Medika­mente nimmst oder nicht. Auch durch die Ärzte und die Medikamente wirkt Gott. Die Weisheit Sirachs sagt: Ehre den Arzt mit den Ehren, die ihm geschuldet sind, denn der Herr hat ihn erschaffen… Gott hat aus der Erde Arzneien erschaffen, und der besonnene Mann wird sie nicht ver­schmähen. .. Auch dem Arzt gib seinen Platz, denn auch ihn hat der Herr erschaffen. Er sei nicht fern von dir, denn auch er ist nötig (Sir 38,1; 4; 12).
Das ganze Geheimnis ist der Glaube, zweifelsfreier, sanfter, einfa­cher und aufrichtiger Glaube. In Einfachheit und Aufrichtigkeit des Herzens (Weisheit Salomos 1,1). Es ist nicht eine Angelegenheit von "Willensmacht". Die "Willensmacht" mag ein Fakir anwenden. Was uns angeht, lasst uns den festen Glauben haben, dass Gott uns über alles liebt und will, dass wir Ihm angehören. Deshalb erlaubt Er, dass Krank­heiten uns heimsuchen, bis wir uns vertrauensvoll Ihm übergeben.
Lieben wir Christus, und alles wird sich ändern in unserem Leben. Lieben wir Ihn nicht in Erwartung einer Gegenleistung, zum Beispiel der Gesundheit, sondern lieben wir Ihn mit Sehnsucht, aus Dankbar­keit, ohne an irgendetwas anderes zu denken als an die göttliche Liebe. Noch auch sollen wir mit einer bestimmten Absicht beten und zu Gott sagen: "Mach jene Person gesund, damit sie zu Dir kommt." Es ist nicht recht, Gott Ratschläge zu geben, wie Er den Leuten helfen soll. Wie können wir zu Gott sagen: "Mach mich gesund?" Was können wir Demjenigen bekanntmachen, Der alles weiss?
Wir werden zwar beten, doch es kann sein, dass Gott uns nicht erhören will.

Jemand fragte mich kürzlich:
– Wann werde ich genesen?

– Ah, sagte ich zu ihm, wenn du sagst: Wann werde ich genesen? wirst du nie genesen. Es ist nicht recht, Gott in solchen Dingen zu bit­ten. Du bittest Gott angstvoll, dass er die Krankheit von dir nehmen möge, doch da umarmt sie dich noch mehr. Wir sollen nicht um solches bitten, noch auch sollst du beten dafür.

Er erschrak und sagte:

–   Was? Ich soll nicht beten?
–   Gott bewahre! antwortete ich ihm. Du wirst beten und sogar sehr ausgiebig, doch dafür, dass Gott dir deine Sünden vergibt und dir die Kraft schenkt, Ihn zu lieben und dich Ihm zu übergeben. Denn je mehr du betest, dass die Krankheit verschwinde, umso mehr wird sie dir anhaften und dich umarmen und dich drücken, sie wird sich nicht tren­nen wollen von dir. Doch natürlich, wenn du als Mensch eine innere Schwierigkeit und Schwäche empfindest, dann bitte den Herrn in aller Demut, die Krankheit von dir zu nehmen.

Überlassen wir uns vertrauensvoll der Liebe Gottes

Wenn wir uns Christus übergeben, findet unser geistiger Organis­mus Frieden, mit dem Ergebnis, dass alle Organe und Drüsen so funk­
tionieren, wie sie sollen. Alle werden positiv beeinflusst. Wir fühlen uns wohl, hören auf zu leiden. Und hätten wir selbst Krebs, wenn wir alles Gott überlassen und unsere Seele zur Ruhe kommt, kann es sein, dass die göttliche Gnade durch diese Ruhe wirkt, sodass der Krebs und alles andere verschwindet.
Wenn ihr es wissen wollt – auch Magengeschwüre werden durch nervliche Belastung verursacht. Wenn das sympathische System unter Druck gesetzt wird, verkrampft es sich und nimmt Schaden, und so bil­det sich das Geschwür. Einmal, zweimal, dreimal Zwänge, Kummer, Beklommenheit, und schon ist ein Magengeschwür da, ein gutartiges oder ein bösartiges, je nachdem. Wenn in der Seele Verwirrung herrscht, beeinflusst auch dies den Organismus, und die Gesundheit leidet.
Das Vollkommene ist, dass wir überhaupt nicht beten für unsere Gesundheit. Beten wir nicht, damit es uns gut geht, sondern damit wir gut werden. Ich selbst bete auf diese Weise für mich. Hört ihr, was ich sage? Nicht gut im Sinn von tugendhaft, sondern in dem Sinn, dass wir göttlichen Eifer erwerben, dass wir uns vertrauensvoll der Liebe Gottes überlassen und vielmehr für unsere Seele beten – unsere Seele verstan­den als der Kirche einverleibt, deren Haupt Christus ist – zusammen mit allen unseren Mitmenschen und mit allen Brüdern und Schwestern in Christus.
Ich öffne meine Arme und bete für alle. Vor dem Heiligen Kelch, bevor ich die Göttliche Kommunion empfange, öffne ich meine Seele, damit sie den Herrn aufnehme, und neige mein Haupt und bete für euch, für diesen, für jenen, für die ganze Kirche. Tut auch ihr dasselbe. Begreift ihr? Betet nicht für eure Gesundheit. Sagt nicht: "Herr, mach mich gesund." Nein! Sondern: "Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner", ohne Eigensucht, mit Liebe, ohne irgendetwas zu erwarten. "Herr, was immer Deine Liebe will…" In solcher Weise nur arbeitet von nun an, indem ihr Christus und eure Brüder und Schwestern liebt. Liebt Christus. Werdet Heilige. Werft euch in nichts anderes als in die Freundschaft mit Christus, in Seine Liebe, in den göttlichen Eros.
Geschieht es etwa nicht auch mir, der ich jenen Eifer empfinde, jene Anbetung, dass ich mich der Krankheit nicht unterwerfe, noch auch dem Krebs, selbst wenn ich spüre, dass mein Leib ganz zerrüttet ist? Ich sollte nicht sprechen, doch meine Liebe zu euch und zu aller Welt erlaubt mir nicht, zu schweigen. Während ich spreche, bleiben meine Lungen ohne Sauerstoff, und das ist sehr übel, weil das Herz in Mitleidenschaft gezogen wird. Ich habe etwas erlitten, das schlimmer ist als ein Infarkt… Doch ich lebe. Ist das etwa nicht ein Eingriff Gottes? Doch, und ich gehorche dem Willen Gottes in der Krankheit. Ich ertra­ge alles ohne Murren…, nur gegen mich murre ich, denn keiner ist rein von Makeln (vgl. Hiob 14,4). Ich bin schlimm dran, auch mein Geist ist krank.

Ich sage zu einem Eremiten, mit dem ich in Verbindung stehe:

–   Bete für mich. Ich liebe dich! Liebe auch du mich und hab Mit­leid mit mir und bete für mich, damit Gott sich meiner erbarmt.

–   Du bete, sagt er zu mir.
–   Ich fange jetzt an, erwidere ich, all dessen zu ermangeln, was ich soviele Jahre lang getan habe. Wie sagt es ein Troparion:
"Der Sinn ist verwundet, der Leib geschwächt, es krankt der Geist, das Ende steht vor der Tür, was wirst du tun, o unglückliche Seele, wenn der Richter kommt zur Prüfung deines Tuns?"
(5)
Dieser Vers gilt für mich, darin sehe ich mich. Ich sinne nach, wenn ich dies und jenes nicht getan hätte, würde ich jetzt nicht Schmerzen leiden, dann wäre ich näher bei Christus. Ich sage das über mich selbst, der ich unbesonnen bin.
Wenn ihr Gesundheit und ein langes Leben wollt, so hört, was der weise Salomo zu sagen hat: Der Anfang der Weisheit ist die Gottes­furcht, und der Rat der Heiligen ist Einsicht. Das Gesetz zu kennen andrerseits ist das Merkmal eines edlen Geistes. Auf diese Art wirst du lange leben, und Jahre des Lebens werden dir dazugegeben werden (Sprichwörter 9, 10-11, nach LXX). Hier liegt das Geheimnis – dass wir jene Weisheit, jenes Wissen erlangen, und dann wird alles gut funk­tionieren, alles wird in Ordnung kommen, und wir werden in Freude und Gesundheit leben.
_______________
(1) Der ehrwürdige Altvater litt an folgenden Krankheiten: Myocard-Infarkt des vorderen Diaphrag­mas mit lateraler Ischaemie, chronisches Nierenleiden, Geschwür im Zwölffingerdarm mit wie­derholter Perforation, operierter Katarakt mit Verlust der Linse und gänzlicher Erblindung, Gürtelrose im Gesicht, Staphylokokken-Dermatitis auf der Hand, Leistenbruch, oft eingeklemmt, chronische Bronchitis und Hypophysen-Krebs. Siehe Artikel von Dr. Georgios Papazachou (+ 2001) in der Zeitschrift Σύναξη Nr. 41, Jan-März 1992. (2) Dies geschah im Jahr 1983.
(3) Vorbereitung auf die Göttliche Kommunion, 7. Gebet.
(4) Grosse und Klein Litanie u.a.

(5) Triodion, Donnerstag der 5. Fastenwoche, Grosser Busskanon des hl. Andreas von Kreta, 9. Ode, 1. Vers.
(„Altvater Porphyrios von Kavsokalyvia -LEBEN UND LEHRE“ Hl. Kloster Chrysopigi, Chania, Kreta 2006)

Freitag, 1. April 2016

Einige Geistliche Unterweisungen- hl. Altvater Paisios vom Berg Athos


Biene und Fliege 
Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, daß das Leben der Menschen in zwei Kategorien einzuteilen ist. Es gibt keine dritte: Entweder gehört der Mensch zur ersten oder zur zweiten. Die eine Kategorie der Menschen ist einer Fliege ähnlich. Eine Fliege ist dadurch charakterisiert, daß sie sich immer auf Schmutziges setzt. Zum Beispiel, wenn es viele süßduftende Blumen gibt und irgendein Tier macht eine Ecke im Garten schmutzig, wird sie durch den schönen Garten fliegen, ohne sich auf irgendeine der Blumen zu setzen. Erst wenn sie die Ausscheidungen sieht, wird sie geradewegs herunterkommen und anfangen, darin zu graben. Sie genießt den Gestank, der dann durch das Aufwühlen entsteht, und kann sich davon nicht losreißen. Wenn sie die Möglichkeit hätte zu sprechen und ihr sie fangen und fragen würdet, ob sie wisse, wo die Rosen im Garten seien, würde sie antworten, daß sie nicht wisse, was das sei. Sie würde sagen: tIch weiß, wo es Senkgruben, Toiletten, Tierexkremente, Schmutz gibt...! Genauso ist es im Leben, wo es Menschern gibt, die einer Fliege ähneln. Das ist die Kategorie von Menschen, die gelernt haben, über alles negativ zu denken und überall das Schlechte zu entdecken, wobei sie all das Gute nicht bemerken und es ignorieren. 
Die andere Kategorie der Menschen ähnelt einer Biene. Die charakteristische Eigenschaft einer Biene besteht darin, daß sie etwas Schönes und Süßes findet und sich darauf setzt. Nehmen wir zum Beispiel an, daß jemand in einem schmutzigen Raum eine Vase mit Blumen aufgestellt hat. Wenn eine Biene hineinfliegt, wird sie an allem Schmutzigen vorüberfliegen und sich nirgendwo niederlassen, solange sie nicht eine Blume gefunden hat und sich auf sie setzt. Wenn ihr diese Biene fangen und sie fragen würdet, wo Abfall und Senkgruben seien, würde sie antworten, sie habe nichts dergleichen bemerkt, doch es gab gewiß Hortensien, Rosen, und weiter hinten gab es noch mehr Rosen und dann Veilchen, und dort drüben war Honig, und an dieser Stelle Zucker...
 Es wird sich herausstellen, daß sie eine Kennerin alles Guten ist und keine Ahnung von etwas Schlechtem hat. Genauso gehört der Mensch entweder zur Kategorie der Fliege oder der Biene.
 Der Altvater kam zu folgendem Abschluß: Wenn mich Menschen besuchen und andere anklagen, gebe ich ihnen dieses Beispiel und lege ihnen nahe zu wählen, zu welcher Kategorie sie gehören und gleichfalls festzustellen, zu welcher Kategorie die Menschen gehören, die sie anklagen. 

Beispiele guter und schlechter Gedanken 
Einmal kam ein Junge, ungefähr 17 Jahre alt, und klopfte an die Tür, so daß ich sie öffnete. Ich trat heraus und näherte mich dem Zaun. - "Ich möchte Vater Paisios sehen", sagte er. Ich sagte ihm, um seine Neigung zu prüfen: "Er ist nicht hier. Er ist nach Kariés gegangen, um Zigaretten zu kaufen." - "Nun gut, dann werde ich auf ihn warten", antwortete der Junge, der stets gute Gedanken im Kopf hatte. - "Geh!", sagte ich ihm, "warum willst du denn auf ihn warten?" - "Nein, Vater, ich möchte ihn sehen!", beharrte der Junge. Er hatte eine gute Veranlagung, und ich konnte ihn nicht durcheinanderbringen, trotz der Tatsache, daß ich ihn lange quälte. Er akzeptierte keinen schlechten Gedanken. Er hatte eine gute Seele. Einmal kam ein Mann, der keine guten Gedanken hatte, mich besuchen, damit ich ihn als Novizen aufzunehme. - "Ich habe hier keine Novizen. Zuerst wegen der vielen Menschen, die hier als Kellner arbeiten wollen und dabei irgendeinen Gewinn machen möchten, aber nicht als Mönche, denen es um das Geistliche geht. Zweitens, da ich nun schon viele Jahre Mönch bin, habe ich ein bißchen was Gutes angesammelt, genauso aber auch einige Schwächen, die ich noch nicht losgeworden bin. Und wenn Sie hierher kämen _ sagte ich ihm _ dann würde Ihnen sogar das Gute (Fasten, Nachtwachen, Gebet usw.) schaden, denn Sie wären nicht in der Lage, es zu befolgen, und meine Schwächen werden Ihnen auch schaden, denn Sie würden sie nicht ertragen können. Deshalb werde ich Sie nicht akzeptieren." Nachdem er das gehört hatte, begann er andere Klöster aufzusuchen.
Nach einigen Tagen, als ich im Garten war und zwei Tomaten mit etwas trockenem Brot aß, begann ich über die segensvollen Taten Gottes nachzudenken, die Er für mich vollbracht hat. Ich begann Gott zu danken, daß Er mir solch ein wunderbares Haus an diesem schönen Ort gegeben hatte, um das mich viele Reiche beneiden würden, denn sie könnten wünschen, solch ein Häuschen für ihre Freizeit zu haben. Ich dachte, daß das nun mein Haus sei, ohne daß ich dafür Miete bezahlen muß, für die, um sie aufzubringen, andere Menschen hart zu arbeiten hätten. Außerdem habe ich meine tägliche Nahrung, und um sie zu haben, muß ich nicht in der Fabrik arbeiten wie viele andere. Daß ich an einem heiligen Ort lebe, wo es so viele gute Brüder gibt. Als ich an all das dachte, wurde ich von solcher Zerknirschung wegen meiner Dankbarkeit für diese großen göttlichen Segnungen erfüllt, daß ich zu weinen begann und nicht mehr weiteressen konnte. Als ich in solch gerührter Verfassung war, kam der junge Mann, der mich ein paar Tage zuvor gefragt hatte, ob ich ihn als Novize akzeptieren würde, hinauf an den Zaun. Damit er mich nicht weinen sähe, ging ich sofort in mein Kellion, wusch mein Gesicht und brachte mich in Ordnung, dann ging ich zur offenen Tür. Offensichtlich von dieser Verzögerung in Versuchung geführt, sagte er zu mir: "So ist das also, he?! Und dich hält man für einen Asketen? Du hast Fleisch gegessen, und als du mich gesehen hast, bist du sofort verschwunden, damit ich dich nicht sehe. Jetzt habe ich begriffen, was du in Wahrheit bist!" Durch solch eine Anschuldigung verblüfft, lachte ich und versuchte mich nicht zu rechtfertigen. Ich war nur erstaunt darüber, wie leicht er für schlechte Gedanken den Weg freimachte. 
Der Altvater sagte: Laßt uns niemals jemanden verurteilen. Wenn wir sehen, daß jemand eine Sünde begeht, laßt uns weinen und Gott bitten, ihm zu vergeben. Wenn wir die Fehler der anderen verurteilen, bedeutet das, daß unser geistlicher Blick noch nicht gereinigt ist. Derjenige, der seinem Nächsten hilft, empfängt Hilfe von Gott. Derjenige, der ihn mit Neid und Bosheit verurteilt, hat Gott als seinen eigenen Richter. Laßt uns keinen richten. Laßt uns jeden für einen Heiligen halten und uns selbst für Sünder. Man kann den Nächsten nicht nur durch Worte, sondern geistig und durch die innere Einstellung des Herzens verurteilen. Die innere Einstellung färbt unsere Worte und Gedanken. Auf jeden Fall ist es  besser, in unseren Überlegungen zurückhaltend zu sein, um nicht in das Verurteilen zu fallen. Mit anderen Worten, laßt uns vermeiden, uns dem Feuer zu nähern, andernfalls werden wir uns verbrennen oder uns am Rauch vergiften. Es ist besser, uns selbst zu richten und aufzuhören, an den Fehlern der anderen interessiert zu sein.^ Und bei anderer Gelegenheit: Man sollte niemals, auch nicht unter den schlimmsten Umständen, einem negativen Gedanken gestatten, in unsere Seele einzudringen. Der Mensch, der unter allen Umständen die Neigung zu guten Gedanken bewahrt, wird stets gewinnen; sein Leben wird ein ständiges Fest sein, denn es wird immer auf gutem Denken basieren.

Quelle: "Altvater Paisios vom Berg Athos - Der hesychstische Weg des Friedens", Zusammengestellt von Bischof Alexander (Mileant), Johannes A. Wolf und Christos V.M. Tagarakis

Donnerstag, 20. März 2014

Mahnung zur Demut und Barmherzigkeit - hl.Klemens

                                      

Daher wollen wir, Brüder, demütigen Sinnes sein, ablegen jede Prahlerei, Hochmut, Unbesonnenheit, Zorn und erfüllen, was geschrieben steht [es sagt nämlich der Heilige Geist: „Nicht rühme sich der Weise in seiner Weisheit noch der Starke in seiner Stärke noch der Reiche in seinem Reichtum, sondern wer sich rühmt, rühme sich im Herrn, damit er ihn suche und Recht und Gerechtigkeit übe"]. Dabei wollen wir vor allem eingedenk sein der Worte des Herrn Jesus, die er sprach, da er uns Geduld und Langmut lehrte. 2. Denn so hat er gesprochen: „Seid barmherzig, damit ihr Barmherzigkeit erlanget; verzeihet, damit ihr Verzeihung findet; wie ihr tuet, so wird man euch tun; wie ihr gebet, so wird euch gegeben werden; wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden; wie ihr Milde übet, so werdet ihr Milde erfahren; mit welchem Maße ihr messet, mit dem wird euch gemessen werden". 3. Mit diesem Gebote und diesen Vorschriften wollen wir uns stärken, damit wir wandeln im Gehorsam gegen seine heiligen Worte, demütigen Sinnes; denn also spricht das heilige Wort: 4. „Wen werde ich ansehen, außer den Sanftmütigen und den Ruhigen und den, der meine Worte fürchtet?"


Aus: Erster Brief des heiligen Klemens an die Korinther, BKV