Montag, 31. März 2014

Aus den Briefen des hl Makarius (4.Jhd) -Gebet und Tugend

Nachdem also dargetan ist, welches das Ziel der Frömmigkeit ist, das denen vor Augen schweben muß, die ein gottesfürchtiges Leben führen wollen, das Reinigung der Seele und Einwohnung des Geistes mit Antrieb zu guten Werken ist, so soll ein jeder von euch für das vorgeführte Ziel seine Seele zubereiten, Gott aufs höchste lieben und sich so seinem Willen gemäß dem Gebet und Fasten ergeben, indem ihr dessen gedenket, der zum unablässigen Beten auffordert, und am Gebet und den Verheißungen des Herrn festhaltet, der ja versichert: „Um wieviel mehr wird Gott denen Recht schaffen, die Tag und Nacht zu ihm rufen". „Er sagte aber“, heißt es, „auch ein Gleichnis, daß man allezeit beten und nicht nachlassen müsse“. Daß aber der Eifer im Gebete Großes verleiht und der Geist selbst den Seelen innewohnt, das geht deutlich aus den Mahnworten hervor, die der Apostel an uns richtet: „Unter Gebet und Flehen jeglicher Art bittet zu aller Zeit im Geiste und machet euch eben darum Sorge in aller Beharrlichkeit und Flehen“. 

Wer von den Brüdern sich diesem Geschäfte, dem des Gebetes meine ich, widmet, beschäftigt sich mit einem herrlichen Schatz, der ein reizender, überaus großer Besitz ist, wenn er es nur mit festem, richtigem Gewissen tut, nie freiwillige Zerstreuungen in seinem Geiste zuläßt und es nicht wie eine unfreiwillige Sache aus Zwang verrichtet, sondern die Liebe und Sehnsucht der Seele vollkommen macht und allen die guten Früchte der Beharrlichkeit zeigt. Es müssen aber auch die übrigen einem solchen Zeit lassen und sich mitfreuen über seine Ausdauer im Gebete, damit auch sie an den guten Früchten teil haben, da sie ja eben durch Mitfreude Genossen eines solchen Lebens werden. Es wird aber auch der Herr selbst den Bittenden ein Gebet verleihen, wie es sein soll, nach dem Spruche: „Dem Betenden verleiht er Gebet“
Man muß also bitten und wissen: Je stärker einer im Gebete, in dem so wichtigen Geschäfte, beharrt, mit desto mehr Eifer und größerer Kraft hält er den Kampf aus. Denn die großen Kämpfe fordern auch große Mühen, da die Bosheit vorzüglich solchen [die große Kämpfe zu bestehen haben] von allen Seiten auflauert; sie kümmert sich um Dinge, die sie nichts angehen, läuft herum und sucht den Eifer zu zerstören. Daher kommen Schlaf und Leibesbeschwerde und Seelenschwäche, Trägheit, Nachlässigkeit, Unerträglichkeit sowie die übrigen Leiden und Wirkungen der Bosheit, derentwegen die Seele zugrunde geht, da sie sich teils gewaltsam hinreißen läßt, teils freiwillig zu ihrem Feinde übergeht. Darum muß der Mensch wie ein kluger Steuermann seine Gedanken auf das Gebet richten, darf seinen Sinn nicht vom bösen Geiste beunruhigen, sich von seinen Wogen nicht umherwerfen lassen, sondern muß gerade auf den oberen (= himmlischen) Hafen schauen und seine Seele unbefleckt Gott zurückgeben, der sie ihm anvertraut hat und wieder von ihm fordert. Denn nicht das Niederfallen aufs Knie und das Ausgestrecktsein nach Art derer, die beim Gebete liegen, gilt der Schrift als sittlich gut und wohlgefällig, falls der Geist fern von Gott schweift, sondern das [gilt als sittlich gut und wohlgefällig], daß man alle leichtsinnigen Gedanken und alle ungerechte Gesinnung entfernt und mit dem Leibe auch die ganze Seele dem Gebete hingibt.
Die Vorstände aber müssen sich eines solchen annehmen und mit Eifer und Ermahnung jeglicher Art das Verlangen des Betenden nach dem vor ihm liegenden Ziele nähren und sorgfältig dessen Seele reinigen. Denn wird die Tugendfrucht derer, die sich so verhalten, den Schwachen gezeigt, so wird sie nicht bloß dem, der bereits Fortschritte gemacht hat, sondern auch den noch Unmündigen und der Unterweisung Bedürftigen von Nutzen, da sie dieselben ermuntert und zur Nachahmung dessen antreibt, was sie sehen. Die Früchte des Gebetes aber sind Einfalt, Liebe, Demut, Stärke, Unschuld und solches, was vor den ewigen Früchten die Mühe des gebetseifrigen Menschen schon hier im Leben hervorbringt. Mit diesen Früchten schmückt sich das Gebet; entbehrt es aber dieser, dann ist die Mühe vergebens. Und nicht allein das Gebet, sondern auch jeder Weg der Philosophie, auf dem solches sproßt, ist wahrhaft ein Weg der Gerechtigkeit und führt zum rechten Ziele. Ist aber jemand dieser (= Früchte) beraubt, so bleibt ihm nur mehr ein leerer Name und er gleicht den törichten Jungfrauen, die zur Zeit des Bedarfs kein Öl im Brautgemach zur Hand hatten
Sie hatten nämlich in ihren Seelen nicht das Licht, die Frucht der Tugend, und nicht die Leuchte des Geistes in ihrem Verstande. Darum nennt auch die Schrift sie mit Recht töricht, weil ihre Tugend fort war, ehe der Bräutigam kam, und deshalb hat er die Unglücklichen vom oberen (= himmlischen) Brautgemach ausgeschlossen. Denn er rechnete ihnen den Eifer in der Jungfräulichkeit nicht an, weil die Kraft des Geistes fehlte. Und ganz mit Recht. Denn was nützt ein sorgsam gepflegter Weinstock, wenn keine Früchte da sind, derentwegen der Weingärtner die Mühe auf sich nimmt? Welchen Gewinn bringt Fasten, Beten und Wachen, wenn Friede und Liebe und die übrigen Früchte der Geistesgnade fehlen, die der heilige Apostel aufzählt? Denn wer seine himmlische Heimat liebt, nimmt um dieser (Früchte) willen, durch die der Geist angezogen wird, jede Mühe auf sich. Er erhält Anteil an der Gnade von dort, trägt Früchte und zieht mit Freude Nutzen von dem Ackerbau, den die Gnade des Geistes in ihrer Demut und in ihrem Arbeitseifer besorgt hat. Man muß also die Mühen des Gebetes und des Fastens und der übrigen Werke mit großer Freude und guter Hoffnung auf sich nehmen, die Blüten der Mühen aber und die Früchte für Wirkungen des Geistes ansehen. Denn wollte jemand diese sich selbst zurechnen und das Ganze seinen Mühen zuschreiben, so würden einem solchen statt jener lauteren Früchte Prahlerei und ein gewisser Dünkel wachsen. Diese Leidenschaften verderben und vernichten wie eine Fäulnis, die in den Seelen der Leichtfertigen entsteht, die Mühen.


Aus: Brief des hl Makarius, BKV

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